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Warum Dresdens kleinstes Café schließt

Diese Woche meistgelesen: Vier Jahre lang lebte Teresa Oberle am Waldschlösschen ihren Traum. Dass dieser Weg nun enden muss, liegt nicht nur an der Corona-Krise.

Teresa Oberle wird ihr Kaffeehaus Minou am Waldschlösschen schon bald abgeben.
Teresa Oberle wird ihr Kaffeehaus Minou am Waldschlösschen schon bald abgeben. © Christian Juppe

Dresden. Irgendjemand hat kleine Herzchen ausgeschnitten und an die Tür geklebt. Die Überraschung ist gelungen. Die Herzchen passen ganz gut zu dem Gefühl, mit dem Teresa Oberle in den vergangenen Wochen durch die Tür in ihr kleines Paradies getreten ist.

Seit vier Jahren betreibt die 34-Jährige hier, unweit des Waldschlösschens, das Minou, Dresdens wohl kleinstes Kaffeehaus. Gerade mal zwölf Quadratmeter misst der Gastraum. Drinnen ist - normalerweise - Platz für bis zu zehn Gäste. Draußen bei schönem Wetter für weitere 15.

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Die Tür zum Kaffeehaus haben Unbekannte mit bunten Herzchen beklebt.
Die Tür zum Kaffeehaus haben Unbekannte mit bunten Herzchen beklebt. © Christian Juppe

Dass ihre Zeit hier nun bald vorbei sein soll, bedauern nicht nur ihre Stammkunden. Schon in wenigen Wochen will Teresa Oberle das Café abgeben. Für sie endet damit nicht einfach nur eine Etappe in ihrem Berufsleben, sondern ein gelebter Traum.

"Wie viele Leute wissen, war das Minou mein Herzensprojekt", sagt sie. "Ich habe jeden Tag genossen, den ich hier gemeinsam mit meinen Gästen verbringen durfte."

Seit Februar 2017 gab es in ihrem Minou täglich frisch gekochtes Essen zur Mittagszeit und selbst gebackene Kuchen.

Für die ausgebildete Köchin, die zeitweise auch als stellvertretende Hotelchefin gearbeitet hatte, kam hier das Beste aus beiden Welten zusammen. "Ich konnte gleichzeitig Gastgeberin sein und Kochen und Backen. Und das auch noch in diesem einzigartigen Haus."

Das ehemalige Pförtnerhäuschen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet und war einst der erste Anlaufpunkt für Besucher des Brauerei-Areals. "So ein bisschen hat es sich diese Aura bis heute bewahrt", sagt Teresa Oberle mit einem Lächeln. "Hier sind jeden Tag so viele Menschen reinkommen, die eine Frage hatten oder nur mal reden wollten."

Ihr Kaffeehaus sei ein Ort gewesen, an dem der Nachbarn auf den Büroangestellten und auf den Klinikpatienten traf. "Hier sitzt man sich ja gegenseitig auf dem Schoß und kommt unweigerlich ins Gespräch."

Wenn im Minou die Kuchen gebacken wurden, konnten die Gäste zuschauen.
Wenn im Minou die Kuchen gebacken wurden, konnten die Gäste zuschauen. © privat

Von Anfang an lief der Laden gut. Zuletzt sogar so gut, dass Teresa Oberle ernsthaft darüber nachdachte, eine Aushilfe anzulernen. Dann kamen der März 2020, die Corona-Krise und Monate voller Lockdowns und Unsicherheiten.

Mit Blick auf die Abstandsregeln und die Größe des Hauses war ihr von Anfang an klar, dass sie drinnen erst gar nicht mit dem Stühlerücken anzufangen brauchte. "Dazu kommt, dass ich Asthmatikerin bin und deswegen generell eher vorsichtig. Es nützt ja auch nichts, wenn ich mich dann selbst infiziere und ausfalle."

Also drehte sich Teresa Oberle, verkaufte nun verstärkt Salate, Suppen und Kuchen, die sich länger halten und abgepackte Kekse.

Ihre Kunden zogen mit und kamen regelmäßig zur Abholung vorbei. "Um die Kosten unten zu halten, habe ich zunächst nur einmal in der Woche geöffnet, dann zweimal und zeitweise dreimal, aber immer mit verkürzten Öffnungszeiten", sagt sie.

Erst als das Wetter schlechter wurde und immer mehr Menschen im Homeoffice arbeiteten, sei es zunehmend schwieriger geworden.

Ab Anfang Dezember musste Teresa Oberle das Minou erneut komplett schließen. "Natürlich ist es auf Dauer schwierig, das finanziell zu tragen."

Abstandsregeln in Corona-Zeiten sind in dem ehemaligen Pförtnerhäuschen kaum einzuhalten.
Abstandsregeln in Corona-Zeiten sind in dem ehemaligen Pförtnerhäuschen kaum einzuhalten. © privat

Am 13. Februar feiert das Minou seinen vierten Geburtstag. Doch eine Party wird es nicht geben. Gerade erst wurde der Lockdown bis in den März hinein verlängert.

Wenn Teresa Oberle nun bald die Schlüssel für das Minou abgibt, dann habe darin mit Sicherheit auch die Corona-Krise mit all ihren Folgen einen Anteil.

"Letztlich sind es aber vor allem persönliche Gründe, die mich zu diesem Schritt bewogen haben", sagt sie. Stammgäste und Wegbegleiter, die die genauen Hintergründe erfahren wollen, könnten sie gern ansprechen.

Am Kaffeehaus selbst, so viel steht wohl fest, liegt es am allerwenigsten. "Ich kann mich noch an den Anfang erinnern, als sei es gestern gewesen", sagt sie. "Ich bin so dankbar für diese Zeit und alles, was ich hier erleben durfte." Die vier Jahre im Minou gehörten zu den schönsten in ihrem Leben.

Interessenten haben schon angeklopft

Nun sucht Teresa Oberle einen Nachfolger, der das Café möglichst zeitnah übernimmt. Am liebsten genau so, wie es ist, und wie es alle Beteiligten immer geliebt haben: mit Namen, Idee und Inventar.

Man könne an einem etablierten Standort direkt loslegen, auch im Interesse der vielen Stammgäste, die über die Jahre zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden seien. Einige Interessenten hätten bereits angeklopft und auch erste Gespräche habe es schon gegeben, sagt sie.

Wenn der Lockdown irgendwann vorbei sein sollte, dann würde Teresa Oberle das Minou gern noch einmal für einige Tage öffnen, um sich von ihren Kunden zu verabschieden. Wohin sie ihr eigener Weg führen wird, sei noch nicht spruchreif. Der nächste Traum, den es sich zu leben lohnt, kommt gewiss.

Interessenten für die Übernahme des Minou können sich unter [email protected] melden.

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