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Behörden: Das lange Warten auf einen Termin

In der Corona-Zeit arbeiteten die Dresdner Ämter im Notbetrieb, die Bürger warteten lange auf einen Termin. Ob sich das bald ändert?

Geduld ist gefragt: Einen schnellen Termin beim Dresdner Bürgerbüro zu bekommen, ist zurzeit so gut wie aussichtslos.
Geduld ist gefragt: Einen schnellen Termin beim Dresdner Bürgerbüro zu bekommen, ist zurzeit so gut wie aussichtslos. © René Meinig

Dresden. Susanne ist sauer. Eigentlich wollte die 44-Jährige gemeinsam mit ihrem Sohn nach Kroatien fahren. Hierfür muss sie jedoch den Reisepass ihres Kindes verlängern lassen. "Ich war noch froh, dass es mir nach meinem Empfinden so früh eingefallen ist, die Verlängerung zu beantragen", erklärt sie.

Durch Zufall entdeckt die Mutter, dass sie jetzt online einen Termin im Bürgerbüro buchen muss. Einfach auf dem Amt vorbeischauen, Wartenummer ziehen und warten, bis man aufgerufen wird - das ist in Dresden schon länger nicht mehr möglich.

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Da die Mitarbeiter des für sie zuständigen Bürgerbüros in Leuben im Briefwahlbüro eingesetzt werden, ist es noch bis zum 24. September geschlossen. Zwar soll laut der Internetseite der Stadt Dresden das Bürgerbüro in Blasewitz die Aufgaben aus dem benachbarten Stadtteil übernehmen, doch kann es dauern, bis man hier einen Termin bekommt. Im Fall von Susanne bis frühestens Anfang November - und damit viel zu lange für ihren Urlaub.

Auch auf Termine in anderen Dresdner Bürgerbüros hätte sie mindestens sechs Wochen warten müssen. "Mir ist schon klar, dass sich das durch Corona alles ein bisschen hinzieht, aber dass das jetzt sechs bis sieben Wochen dauert, finde ich ganz schön arg", erklärt sie. Was sagt die Stadtverwaltung dazu?

Warum warten Dresdner so lange auf einen Termin?

Auf SZ-Anfrage erklärt das Bürgeramt, dass die Reisemonate in der Sommerzeit immer zu einer starken Nachfrage an Reisedokumenten führen würden, wodurch sich Termine natürlich nach hinten verschieben würden.

Gleichzeitig hätten die pandemiebedingten Einschränkungen im vergangenen Jahr zu einem Stau an Bürgervorsprachen geführt. Denn aufgrund des Notbetriebs seien nicht zwingend notwendige Anliegen verschoben worden. Diese würden nun nachgeholt.

Im konkreten Fall des Bürgerbüros Leuben würden zudem alle Mitarbeiter im Briefwahlbüro am Theaterplatz eingesetzt. Dort hätten Bürger, die sich die Briefwahlunterlagen nicht zuschicken lassen möchten, die Möglichkeit, vor Ort ihre Stimme abzugeben.

Warum setzt die Stadt nicht mehr Personal in den Bürgerämtern ein?

Für mehr Personal fehlten der Stadtverwaltung einfach die Leute, heißt es. Ein Grund hierfür sei, dass über zehn Prozent aller Stadt-Mitarbeiter zur Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt eingesetzt seien oder im Zuge der Wahl in die dafür zuständige Abteilung abgeordnet wurden. Zudem würde die Schulung neuen Personals bis zu einem Jahr dauern, bevor es in den Bürgerbüros eingensetzt werden könne.

Ab wann öffnen Ämter wieder ohne Terminvergabe?

Während es vor Beginn der Corona-Pandemie noch möglich war, ins Bürgerbüro zu gehen, eine Nummer zu ziehen und vor Ort sein Anliegen vorzutragen, gibt es derzeit nur noch die Möglichkeit, online einen Termin zu vereinbaren. Die elektronische Terminvergabe soll dabei helfen, die vielen Bürgeranliegen zu koordinieren und die Wartezeiten zu verkürzen. Abgesehen davon habe man aufgrund der extrem starken Nachfrage und der bereits bis Oktober ausgebuchten Termine derzeit kein Personal für zusätzliche Spontanvorsprachen.

Ob diese Handhabe mit dem Wegfall der strengen Corona-Regeln aufgehoben wird, sei noch nicht letztendlich beschlossen, so die Stadt. Tatsächlich würden sich jedoch viele Bürger positiv über die kurzen Wartezeiten von wenigen Minuten äußern, weswegen die Stadt wahrscheinlich nicht zum alten System der terminlosen Spontanvorsprachen zurückkehren wird.

Was rät die Stadt in dringenden Fällen?

Grundsätzlich sind die Bürgerbüros über die Hotline-Nummern während der Sprechzeiten zu erreichen, so das Bürgeramt. Dabei sei aber durchaus Geduld gefragt, da aufgrund der starken Nachfrage die Erreichbarkeit derzeit eingeschränkt sei. Die Stadt bittet daher um die Kontaktaufnahme per E-Mail unter Angabe der persönlichen Kontaktdaten wie Name und Telefonnummer.

Die 44-jährige Susanne hat Glück und bekommt nach mehreren Anrufen im Bürgeramt auf der Theaterstraße schließlich doch noch einen kurzfristigen Termin. Dort soll ihr das benötigte Dokument direkt ausgestellt werden. "Ohne den vorläufigen Reisepass hätten wir nicht nach Kroatien fahren können, da ansonsten wahrscheinlich spätestens an der Grenze Schluss gewesen wäre", sagt sie.

Die Sprechzeiten und Erreichbarkeiten der Bürgerbüros sind zu finden auf www.dresden.de/buergerbueros.

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