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Warum eine Fluggastbrücke am Dresdner Flughafen abgebaut wurde

Eine der sechs Fluggastbrücken am Flughafen Dresden International in Klotzsche wurde demontiert. Warum das mehreren Airlines entgegenkommt.

Von Christoph Springer
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Solch eine Fluggastbrücke ist am Dresdner Flughafen verschwunden. Ein weiteres schlechtes Zeichen an dem meist menschenleeren Flughafen?
Solch eine Fluggastbrücke ist am Dresdner Flughafen verschwunden. Ein weiteres schlechtes Zeichen an dem meist menschenleeren Flughafen? © Archiv/Sven Ellger

Dresden. Sie haben etwas Weltstädtisches, sie suggerieren viel Verkehr mit großen Maschinen, Ein- und Ausstieg sind möglich mit dem Mantel über dem Arm und der Laptoptasche in der Hand. Fluggastbrücken gehören zu jedem großen Airport, sechs davon hat auch Dresden. Genauer - hatte. Eine ist weg, die an Standplatz Nummer 9 fehlt seit Ende März. Fünf bleiben, denn ersetzt werden soll sie nicht.

Zumindest vorerst nicht. "Die Brücke aus dem Jahr 2000 war dringend überholungsbedürftig", sagt Flughafen-Sprecher Uwe Schuhart. Sie solle nun grundlegend saniert werden. Fans des Airports befürchten, dass die Fluggastbrücke nie wieder montiert wird. Doch das lässt Schuhart offen.

Dort, wo sie bisher stand, also an der Terminal-Ecke, die dem Tower am nächsten ist, kommt sie ganz sicher nicht wieder hin. "Ihr bisheriger Einsatzort wird für das sogenannte Walkboarding ertüchtigt", erklärt der Flughafensprecher. Der englische Begriff sagt: Die Fluggäste laufen künftig zwischen Terminal und Maschine, im schlimmsten Fall auch bei Wind und Wetter - zu Fuß über den Beton.

Passagiere gehen zu Fuß zum Flieger: Airlines wollen Geld sparen

Das fühlt sich nicht weltstädtisch an im Flughafen "Dresden International", aber es ist ein Trend. Und hilft den Airlines sparen, denn "für die Nutzung der Fluggastbrücken fallen gesonderte Entgelte an", so Schuhart. Das ist also teurer, als das Ein- und Aussteigen ohne Fluggastbrücke. Der Flughafen reagiere damit "auf neue Anforderungen der Airline-Kunden", sagt Schuhart, Walkboarding sei "längst kein reines Low-Cost-Produkt mehr".

Das heißt, diese Sparmöglichkeit interessiert nicht nur Billigfluglinien wie etwa Germanwings oder Ryanair. "Mehrere Airlines möchten den 'neuen Standplatz 09' nutzen, da er nach der Modernisierung ihren Bedürfnissen nach effizienteren und schnelleren Prozessen entspricht."

Der Tower und im Hintergrund das Terminal mit der Fluggastbrücke an Standplatz 09 direkt an der Termina-Ecke.
Der Tower und im Hintergrund das Terminal mit der Fluggastbrücke an Standplatz 09 direkt an der Termina-Ecke. © Archiv/Matthias Rietschel

Brücken sind nicht für alle Flugzeuge geeignet

Dazu kommt - und das ist nicht neu - nicht jede Maschine passt auch an die Fluggastbrücken. Das gilt zum Beispiel für die Bombardier-Jets, die die Lufthansa für Inlandsflüge einsetzt. Außerdem gebe es schon jetzt Fluglinien, die das "Walkboarding" bevorzugen, sagt Schuhart, Ryanair zum Beispiel.

Etwa ein Drittel aller Maschinen haben im ersten Quartal 2023 die Fluggastbrücken genutzt. Wie lange ein Flugzeug dort steht, wird nach Auskunft von Schuhart von der jeweiligen Fluggesellschaft festgelegt. In Abhängigkeit vom Flugplan seien mehrere Stunden möglich, aber auch nur 30 Minuten.

Unterdessen meldet Klotzsche eine steigende Zahl von Fluggästen. Mehr als 146.200 waren es im ersten Quartal 2023. Das entspricht einer Steigerung von rund 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Flugzeugbewegungen stieg in den ersten drei Monaten um rund 18 Prozent auf fast 3.900. Gebaut ist das Terminal für bis zu 3,5 Millionen Passagiere pro Jahr. Diese Zahl hat der Flughafen in Klotzsche seit der Einweihung des Terminals im März 2001 allerdings nie auch nur annähernd erreicht.