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Was passiert mit umstrittener Dresdner Abriss-Villa?

Die Stadt will eine Gründerzeit-Villa erhalten. Doch der Bau auf dem Wilden Mann steht jetzt leer, und der Eigentümer hält weiter am Abriss fest.

Ohne Frage ist das Gründerzeithaus in der Wilder-Mann-Straße sanierungsbedürftig. Einen Abriss wollen Stadt und viele Dresdner aber verhindern.
Ohne Frage ist das Gründerzeithaus in der Wilder-Mann-Straße sanierungsbedürftig. Einen Abriss wollen Stadt und viele Dresdner aber verhindern. © über Sächsische Zeitung

Dresden. Sie ist heftig umkämpft, die Villa in Trachau. Spätestens seit der Besitzer der Stadtverwaltung Ende 2019 mitteilte, dass er den Gründerzeitbau an der Ecke Wilder-Mann- und Burgsdorff-Straße abreißen und durch einen Neubau ersetzen wolle, gibt es einen Interessenkonflikt. Und der ist noch immer nicht vom Tisch - ebenso wenig wie der Abriss. Mit einer Erhaltungssatzung für das Gebiet Trachau/Wilder Mann hatte man eigentlich verhindern wollen, dass das Haus in der Wilder-Mann-Straße 44 verschwindet. Die Bewohner hatten sich gewehrt, und mehr als 2.000 Dresdner hatten sich in einer Petition von Stadtrat und Landtagsabgeordneten Thomas Löser (Grüne) für die Rettung des Hauses stark gemacht. Ende April 2020 wurde die Satzung schließlich vom Bauausschuss beschlossen.

Wie ist der aktuelle Stand im Fall "Abrisshaus"?

Aus dem unbestritten sanierungsbedürftigen Wohnhaus sind mittlerweile alle Mieter ausgezogen, die sechs Wohnungen stehen leer, das Eingangstor ist mit einem Schloss gesichert. Im Mai letzten Jahres hatten die Bewohner eine Kündigung vom Eigentümer bekommen. Eine Familie, die mit ihren beiden Kindern seit Jahren in einer der Altbauwohnungen lebte, hatte sich lange dagegen gewehrt, Ende 2020 aber ebenfalls aufgegeben und sich schweren Herzens eine neue Bleibe gesucht. "Da es nicht so einfach war eine neue Wohnung, vor allem in dieser Gegend, zu finden, bin ich als Letzte Ende des Jahres ausgezogen", berichtet die Mutter. Eine Abfindung soll es geben, bei ihr sei sie aber noch nicht angekommen.

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Mittlerweile hat sich die Familie an ihr neues Zuhause gewöhnt und schätzt die Vorteile. "Es ist jetzt auf jeden Fall schön, saniert zu wohnen und zum Beispiel nicht mehr heizen zu müssen." Das sollen auch die künftigen Mieter in der Wilder-Mann-Straße nicht mehr tun müssen. Offen ist derzeit aber immer noch, ob sie in einen Neubau oder in den sanierten Altbau ziehen. Der Eigentümer, die Projektgesellschaft WM 44, hält an seinen Abrissplänen offenbar fest. Das hatte einer der Geschäftsführer, Thomas Röber, zuletzt im Mai 2020 in der Sitzung des Petitionsausschusses bekräftigt. Und auch die Stadt bestätigt zum aktuellen Stand: "Der Eigentümer hat einen Bauantrag für einen Neubau und einen Abbruchantrag gestellt."

Weder Röber noch sein Geschäftspartner Alfred Biebl wollen sich auf SZ-Anfrage dazu äußern. Auch nicht zum baulichen Zustand des alten Gebäudes. Fest steht: Mit der Erhaltungssatzung ist der Abriss nicht mehr ohne Genehmigung der Stadt möglich, zumindest für ein Jahr kann sie den Abriss untersagen. An den Plänen der Eigentümer hat das nichts geändert. Obwohl auch der Bauantrag für das neue Wohnhaus abgelehnt wurde. Dagegen wehrt sich die Projektgesellschaft und hat hat Widerspruch eingelegt. "Der Widerspruch gegen die Versagung der Baugenehmigung liegt der Landesdirektion Sachsen zur Entscheidung vor", teilt die Stadtverwaltung dazu mit.

Der Widerspruch gegen den untersagten Abriss liege ebenfalls der Widerspruchsbehörde vor, in diesem Fall sei das das städtische Rechtsamt. "Die weiteren Pläne des Eigentümers sind nicht bekannt" heißt es aus dem Rathaus.

Wie geht es mit der Erhaltungssatzung weiter?

Nachdem die Entwurf zur Erhaltungssatzung für das Villengebiet Wilder Mann im August und September vergangenen Jahres öffentlich auslag und Bürger ihre Ideen und Anregung dazu einbringen konnten, folgt nun der nächste Schritt. "Die Vorlage zum Satzungsbeschluss der Erhaltungssatzung wird aktuell in den Gremien des Stadtrats diskutiert und wird voraussichtlich im April vom Stadtrat beschlossen", so das Presseamt.

Mit dem Wilden Mann würde das sechste Gebiet im Stadtbezirk Pieschen entsprechend unter Schutz gestellt. Eine solche Erhaltungssatzung gibt es bereits für einige der alten Dorfkerne etwa in Trachau und Kaditz.

Warum soll das Haus überhaupt abgerissen werden?

Die Projektgesellschaft WM 44 will auf dem Grundstück einen Neubau mit zehn Wohnungen errichten, nach SZ-Informationen will der Eigentümer das Grundstück weiterverkaufen. Zwar hat die Stadt mehrfach versucht, das Gebäude von Denkmalpflegern unter Schutz stellen zu lassen. Allerdings ohne Erfolg. Zuständig für eine Überprüfung der "Denkmalschutzeigenschaft" ist das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Das hatte den Schutzstatus allerdings abgelehnt.

"Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen hat das Objekt dreimal geprüft", teilte Sprecherin Sabine Webersinke im März 2020 auf SZ-Anfrage mit. Und zwar Anfang der 1990er-Jahre im Rahmen der Neuerfassung der Kulturdenkmale sowie 2017 und 2018 auf Anfrage der jeweiligen Eigentümer. Im Januar dieses Jahres hatte die Stadt erneut angefragt, abermals ohne Erfolg. Eine nochmalige Prüfung fand nicht statt.

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Aus Sicht des Amtes handele es sich um einen "durchschnittlichen Bau, etwa um 1900 entstanden, der keine Sachverhalte aufweist, die seine Denkmaleigenschaft begründen". Zudem sei der Bau im Laufe der Zeit in Teilen verändert worden. Die Prüfung habe ergeben, dass die Kriterien eines Kulturdenkmals nicht erfüllt sind.

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