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Waschbären wildern in Dresden

Nicht nur in Waldnähe sind die Tiere unterwegs, sondern auch im Großen Garten - auch dort hinterlassen sie großen Schaden.

Die Waschbären breiten sich immer weiter in Dresden aus.
Die Waschbären breiten sich immer weiter in Dresden aus. © dpa

Dresden. Die Waschbären breiten sich immer weiter in Dresden aus. Wie viele Tiere es wirklich gibt, kann die Stadt nur anhand der erschossenen Tiere zählen. Im Jagdjahr 2019/20 sind jedoch genau 311 Waschbären erlegt worden. Damit hat sich die Zahl der Vierbeiner mehr als verzehnfacht. Im Jagdjahr 2010/11 waren es noch 20 Tiere, so die Auskunft der Stadt.

Inzwischen sind Waschbären im nahezu gesamten Stadtgebiet beheimatet. "Die meisten
Anfragen zu Waschbären erreichen uns jedoch nach wie vor aus dem Dresdner
Norden, insbesondere aus den Stadtteilen mit einem hohen Grünanteil, wie
Hellerau und Klotzsche", schreibt die Stadtverwaltung. Doch was sind die Gründe für die Ausbreitung in einer Großstadt? 

Zum einen ist da ein vielfältiges Nahrungsangebot für den Allesfresser, der sich von Früchten, Insekten, Speiseresten, aber auch von Reptilien, kleinen Fischen und von Jungvögeln ernährt. Zum anderen muss der Räuber in der Stadt weniger Jagden fürchten, und er hat keine natürlichen Feinde. All das lässt die Tiere zu "Stadtbewohnern" werden.

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Komposthaufen und Müll als sichere Nahrung

Da Waschbären gute Kletterer sind und auch Baumhöhlen als Schlafplätze nutzen, kommt es zur Verdrängung von einheimischen Arten, die ebenfalls Baumhöhlen nutzen, etwa verschiedene Vogelarten. Besonders im Großen Garten mit seinem hohen Anteil an Altbäumen und entsprechend vielen Baumhöhlen lässt sich dieser Prozess feststellen. Waschbären siedeln zudem gern in Wassernähe aufgrund des dort vorhandenen Nahrungsangebotes. Auch hier bietet der Große Garten nahezu ideale Voraussetzungen. 

Sachsenforst sieht den Hauptgrund für die enorme Verbreitung  zudem darin, dass mit Komposthaufen und Müll ständig genügend Nahrung verfügbar sei. Die Tiere fänden überall Futter, sei es Obst, seien es Würmer, Vogeleier oder eben Essensreste aus Mülltonnen. Zudem könnten sich die possierlichen Tiere auf Dachböden und in Kellern verstecken, wo sie vor Wind und Wetter geschützt sind.  

"Schäden in Grünanlagen durch den Waschbären bestehen insbesondere in der  Dezimierung und Verdrängung anderer Arten", so das Umweltamt. Uli Kretzschmar, Sprecher von Schlösser und Gärten, sprach schon im letzten Sommer davon, dass die Bären im Großen Garten Rasenflächen umbuddeln und in den  Komposthaufen wühlen. Laut Umweltamt sind den Tieren schon mehrere Jungvögel des Waldkauzes zum Opfer gefallen. Aber auch Nester anderer freibrütender Vogelarten hätten sie ausgeräubert.  

City-Trapper Thomas Schröder ist den Tieren überall in der Stadt auf der Spur. Mit seinen speziellen Waschbärfallen hat er in Blasewitz, der Neustadt, am Elbepark, in Loschwitz und sogar auf der Hauptstraße Tiere gefangen. 

Jagen ohne Erfolg?

Die durchwühlen nicht nur im Großen Garten, sondern auch in den Häusern und Privatgrundstücken der Stadt Mülltonnen, klettern durch Katzenklappen ins Haus und naschen Wurst aus Kühlschränken. Auf den Dachböden richten sie Chaos an, und ihr Urin durchnässt die Dämmung.

Bei Waschbären sei es wichtig, die Ausbreitung zu kontrollieren und einzugreifen, so die Stadt. Denn neben der Gefahr für die Vogelpopulation könnten die Tiere auch Krankheiten wie Tollwut oder Viren übertragen. Gejagt werden dürfen sie allerdings nicht in der Schonzeit, wenn die Mütter ihre Jungen zur Welt bringen.

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Der Naturschutzverband Nabu betont, es habe sich gezeigt, dass Bejagung oder Fang mit dem Ziel, die Populationsdichte zu reduzieren, zumeist ohne Erfolg bleibt: Waschbären können Populationsverluste durch eine vermehrte Fortpflanzungsrate ausgleichen, auch würden bei einer „Entnahme“ neue Tiere aus den umliegenden Gebieten in den dann unbesetzten Lebensraum nachrücken.

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