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Weg frei für neues Rathaus auf Ferdinandplatz

Zuletzt mehrten sich die Stimmen gegen das neue Dresdner Verwaltungszentrum, auch mangels Geldes. Warum es nun doch gebaut werden kann.

Zwei Entwürfe sind für das neue Verwaltungszentrum auf dem Dresdner Ferdinandplatz noch im Rennen.
Zwei Entwürfe sind für das neue Verwaltungszentrum auf dem Dresdner Ferdinandplatz noch im Rennen. © Stadtverwaltung Dresden

Dresden. Mit 140 Millionen Euro lassen sich viele Träume erfüllen. Dresden könnte seinen Einwohnern knapp vier Jahre lang das 365-Euro-Ticket ermöglichen. Marode Straßen, die seit Jahren auf frischen Asphalt warten, kämen an die Reihe. Die Stadt könnte sich aber auch ein neues Verwaltungszentrum auf den Ferdinandplatz bauen. Wenn das Geld vorhanden wäre. Zumindest ein Wunsch geht nun in Erfüllung. Für das Verwaltungszentrum hat der Stadtrat am Donnerstagabend eine Lösung gefunden.

Das Grundstück auf dem Ferdinandplatz im Herzen Dresdens wird an die städtische Tochter KID übertragen. Das ist die kommunale Immobiliengesellschaft, die bereits den Kulturpalast sanieren und das Kulturkraftwerk Mitte errichten ließ. Darüber erhält das Unternehmen eine Bürgschaft der Stadt in Höhe von 116 Millionen Euro, um einen Kredit aufnehmen zu können. Mit diesem sollen die Baukosten gedeckt werden.

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Eigentlich wollte die Landeshauptstadt ihr neues Rathaus selbst bauen lassen – und es selbst bezahlen. Doch die Corona-Krise führte zu Steuerausfällen in Millionenhöhe. Das Geld wird an anderer Stelle dringender gebraucht, etwa um Kinder, Jugendliche und deren Familien zu unterstützen. Und Schulden darf die Stadt selbst nicht machen. So steht es in der Satzung. Deshalb plädierte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in den vergangenen Wochen dafür, das Mammutprojekt an die KID zu übertragen, die als Tochterunternehmen wiederum Kredite aufnehmen darf. Sie soll an Stelle der Landeshauptstadt das Verwaltungszentrum errichten, betreiben und an die Stadt vermieten. Ein Hintertürchen, dem der Stadtrat nun zustimmte – wenngleich unter Protest.

Dabei ging es nicht nur darum, dass man indirekt doch Schulden zulasse. Vielmehr stellten gleich mehrere Fraktionen das gesamte Projekt infrage, quer über das politische Spektrum. Ja, der Ferdinandplatz solle belebt werden, sagte Torsten Nitzsche von den Freien Wählern. Statt eines Bürohauses könnte aber die städtische Wohnungsbaugesellschaft hier Wohnhäuser, Geschäfte und einen Park errichten, schlug er vor. Außerdem solle doch lieber in die Sanierung des Neuen Rathauses investiert werden, anstatt „stur am Verwaltungspalast festzuhalten“, so Nitzsche weiter. Für diese Position ließen die Freien Wähler sogar den umstrittenen Kabarettisten Uwe Steimle per Videobotschaft sprechen.

Wäre das WTC eine geeignete Alternative?

Die AfD stört sich unter anderem am Aussehen des neuen Verwaltungszentrums. Stadtrat Thomas Ladzinski verglich die beiden Entwürfe, die noch im Rennen sind, mit militärischen Bunkern. Palastartig mute lediglich der Preis an, sagte er. Wenn sich die Stadtverwaltung wirklich im Zentrum zusammenziehen wolle, solle doch das World Trade Center als Standort in Betracht gezogen werden. Ein Standpunkt, der aus ungewohnter Ecke Zustimmung fand.

Linke-Stadtrat Tilo Wirtz sprach am Donnerstag von neuen Ausgangsbedingungen. Als man dem Verwaltungszentrum grundsätzlich zugestimmt habe, wusste man noch nicht, dass die Drewag das WTC verlassen werde. Die Stadtwerke ziehen in wenigen Jahren komplett in ein neues Hochhaus an den Hauptbahnhof. Damit wird in der City Platz frei für die verstreuten Ämter. Aber nicht nur das führte Wirtz an, um zu begründen, warum die Linke der Bürgschaft nicht folgen wollte. Zum einen sei bis heute unklar, wie hoch die Miete ausfällt, die die KID verlangen wird. Zum anderen müsse man sich fragen, ob das Konzept offener Büros in Zeiten einer Corona-Pandemie noch zeitgemäß sei. Auch mit den Entwürfen haderte Wirtz. „Das sind mittelmäßige Bürogebäude. Ein innovativer Ansatz ist ihnen nicht gegeben.“ Man bürge für einen Mercedes, habe aber eigentlich einen innovativen Tesla gewollt. Dafür könne es keine Zustimmung geben.

Löser: "Es gibt keinen besseren Standort dafür"

Am Ende reichten die Stimmen trotzdem dafür, das Verwaltungszentrum auf den Weg zu bringen. 40 Ja-Stimmen standen 28 Nein-Stimmen gegenüber. Neben der CDU votierten die FDP und die Grünen für den Neubau. Für Grünen-Stadtrat Thomas Löser sei die bürgerfreundliche Verwaltung der kurzen Wege, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neuen Rathaus ein wichtiges Argument. „Es gibt keinen besseren Standort dafür“, sagte er. Und wie das Haus einmal aussehen werde, sei Sache der Jury, die über den finalen Entwurf abstimmen wird. Dort seien schließlich auch die Fraktionen vertreten, um mitreden zu können.

Der zweite Entwurf wirkt etwas schlichter.
Der zweite Entwurf wirkt etwas schlichter. © Stadtverwaltung Dresden

Das neue Verwaltungszentrum soll bis 2025 gebaut werden. Im Januar will die Jury über den Siegerentwurf abstimmen. Dabei soll auch die Meinung der Dresdner in die Entscheidung einfließen. Sie haben bis zum 21. Dezember die Möglichkeit, an einer Online-Umfrage teilzunehmen. Mit Stand vom Montag bewerteten etwa zwei Drittel der Teilnehmer mindestens einen der beiden Entwürfe als gut oder sehr gut, was die äußere Erscheinung ausgeht.

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