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Filmnächte: Stadt erklärt Sperrung von Elberadweg

Am Königsufer kommen Radfahrer derzeit nicht durch. Sie müssen eine Umleitung fahren. Nun begründet die Stadt diese umstrittene Maßnahme.

Bis zum Freitag ist das Dresdner Königsufer für Radfahrer tagsüber nicht passierbar.
Bis zum Freitag ist das Dresdner Königsufer für Radfahrer tagsüber nicht passierbar. © ADFC

Dresden. Die Filmnächte am Dresden Elbufer starten nächste Woche mit einem Preview und einer Portion Ärger: "Der Rausch" handelt von zwei Lehrern, die dem Alkohol nicht abgeneigt sind. Bei dem Ärger geht es um den Elberadweg, dem Radfahrer wiederum sehr zugeneigt sind. Denn während Dresdens größtes Open-Air-Kino aufgebaut wird, darf der Weg nicht genutzt werden. Nach 30 Jahren Filmnächten am Königsufer ist das ein Novum, auf dem die Stadtverwaltung jedoch besteht.

Filmnächte-Sprecherin Daniela Möckel bestätigt, dass der Elberadweg im Bereich des Filmnächte-Areals seit Montag gesperrt ist und bis einschließlich Freitag auch zwischen 7 und 20 Uhr gesperrt bleiben wird. Man komme damit einer Aufforderung der Stadt nach, die eine erhöhte Unfallgefahr während der Aufbauarbeiten sieht.

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Unfallgefahr durch Baufahrzeuge

Es gebe zwei Baufelder, eins im Tribünen-Bereich, das andere auf der Elbwiese, so Möckel. Dazwischen verlaufe der Radweg. Befürchtet werde, dass es zu einem Zusammenstoß zwischen Radfahrern und Filmnächte-Fahrzeugen kommt, die zwischen den Baufeldern pendeln. Warum diese Unfallgefahr ausgerechnet in diesem Jahr als Problem erkannt wird, welches zur Sperrung des Radwegs führt, kann auch die Sprecherin nicht beantworten.

Der Fahrrad-Club ADFC zeigt sich jedenfalls verärgert und spricht von einem unverhältnismäßigen Vorgehen der Stadt. Selbst während der Filmvorführungen sei es in den vergangenen Jahren immer möglich gewesen, den Radweg zu nutzen, sagt Edwin Seifert, Geschäftsführer des ADFC Dresden. Er appelliert an den Oberbürgermeister, dafür zu sorgen, dass die Eventwirtschaft den Radverkehr nicht weiter behindert und solche Sperrungen künftig unterbleiben.

"Die Sperrung ist absolut unverhältnismäßig." Anstatt für die Zeit des Auf- und Abbaus nach einer klugen Elbradwegführung durch das Filmnächte-Gelände zu suchen, mache man es sich einfach und sperre die meistfrequentierte Radroute Dresdens. "Das Sicherheitsargument ist außerdem absurd, wenn man die Scheuklappen abnimmt und die defizitäre Sicherheitslage auf der Ausweichstrecke bedenkt."

Der Elberadweg sei nicht irgendein Radweg, sondern eine der wichtigsten Hauptradverbindungen auch für Pendler. Über 7.000 Radfahrer zählten ADFC-Mitglieder an dieser Stelle Anfang Juli 2019. Warum die Stadtverwaltung in diesem Jahr auf die Sperrung besteht, ist unklar. Die Antwort auf eine Anfrage im Rathaus steht noch aus.

Auch aus der Stadtpolitik kommen inzwischen kritische Stimmen. "Die Sperrung ist eine groteske Entscheidung auf dem Rücken des Radverkehrs", sagte SPD-Stadtrat Stefan Engel am Dienstag. "Wir sprechen hier nicht über irgendeine Nebenroute, sondern über die Hauptschlagader des Radverkehrs in Dresden." Engel erwarte von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) und der Polizei nun eine schnelle Aufklärung des Vorgangs.

Auch beim Abbau muss wohl gesperrt werden

Am Mittwochnachmittag antwortet das Straßen- und Tiefbauamt auf eine SZ-Anfrage zur Sperrung. Es erklärt, die Polizeidirektion Dresden habe vor Ort eine Kontrolle durchgeführt und dabei "sicherheitserhebliche Mängel" beim Aufbau der Filmnächte festgestellt. Danach habe sie eine Mängelanzeige an die Straßenverkehrsbehörde geschickt.

Daraufhin habe der Veranstalter bei dieser eine geänderte Verkehrsregelung beantragt, bevor die Polizei den weiteren Aufbau untersagen konnte. Das widerspricht der Aussage von Filmnächte-Sprecherin Daniela Möckel, nach der die Aufforderung von der Stadt gekommen sei.

Laut Erklärung des Amts habe die Polizei zum ersten Mal Sicherheitsmängel beim Aufbau festgestellt. "Wenn nach polizeilichen Kontrollen Verstöße hinsichtlich der Verkehrssicherheit an die Verwaltung gemeldet werden, muss die Behörde die notwendigen Maßnahmen treffen", begründet das Straßen- und Tiefbauamt die Maßnahme. Die Sperrung solle Verkehrssicherheit für alle auf dem Elberadweg und das Personal, das mit dem Aufbau beschäftigt ist, herstellen. "Im Zuge des Aufbaus sind Transporte über den Elberadweg erforderlich. Zudem können die Aufbauten über den Elberadweg nur unter Vollsperrung sicher erfolgen."

Für die Zukunft werde aber nach einer alternativen Wegeführung für Radfahrer gesucht, zum Beispiel über eine errichtete Befestigung über die Wiese. Dorthin weichen bereits jetzt viele aus.

Während der Filmnächte selbst werde es mit Sperrungen des Radweges wie in der Vergangenheit gehalten: Sie erfolgen nur im Rahmen der Konzertveranstaltungen vom 8. bis 10. sowie am 16. Juli.

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Allerdings dürfte der Elberadweg auch danach noch einmal voll gesperrt werden, nämlich wenn die Filmnächte wieder abgebaut werden. Das Straßen- und Tiefbauamt spricht von einem "Teil des Zeitraums des Abbaus" - und will rechtzeitig darüber informieren.

Die Filmnächte laufen bis zum 5. September.

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