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Wo Dresdner Familien geholfen wird

Elf Beratungsstellen helfen Eltern und Kindern bei Konflikten. Was diese besonders belastet und warum das neue Familienzentrum gerade in Gorbitz öffnet.

Im Dresden Karree in Gorbitz ist eine neue Familienberatungsstelle entstanden.
Im Dresden Karree in Gorbitz ist eine neue Familienberatungsstelle entstanden. © René Meinig

Dresden. Familienleben funktioniert nur selten konfliktfrei. Auch Dresdner Familien werden Probleme kennen, die den Alltag belasten oder Auswirkungen auf die schulischen Leistungen der Kinder haben. Trennen sich die Eltern, muss geklärt werden, wo das Kind lebt, wann der andere Elternteil es sehen darf und wer was bezahlt. Sind diese Probleme zu belastend, hilft oft ein Blick von außen auf das Familienleben. Und der eine oder andere Tipp, wie es besser gehen könnte. Dafür gibt es in Dresden zehn Familienberatungszentren - nun ist ein elftes dazugekommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu. 

Wo hat das neue Beratungszentrum aufgemacht?

Das Familienzentrum des freien Trägers Kindervereinigung Dresden hat jetzt die Räume im Dresden Karree in Gorbitz bezogen, seit 1. Oktober ist es als Anlaufstelle geöffnet. Die ehemalige Apotheke an der Coventrystraße musste vorher aufwendig umgebaut werden, aus dem Ladengeschäft sind fünf Beratungsräume und ein Gruppenraum entstanden. Mit dem Standort oberhalb von Dresden-Gorbitz ist Jan Güldemann dennoch zufrieden. Der Chef  der Kindervereinigung hat sich selbst um das Projekt gekümmert, denn die Zeit drängte. 

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Auch von außen gut erkennbar: Hier werden Dresdner Familien bei Problemen beraten.
Auch von außen gut erkennbar: Hier werden Dresdner Familien bei Problemen beraten. © René Meinig

Damit der Träger finanziell von der Stadt unterstützt wird, musste das Familienzentrum noch 2020 eröffnen, so die Vorgabe. Dabei war es gar nicht so einfach, die passenden Gewerbeflächen in Gorbitz zu finden, die es hier kaum gibt. Im Dresden Karree stand der Laden außerhalb des eigentlichen Centers leer, ein Makler hatte ihn gefunden. Die Lage sei ideal, so Güldemann, das Center gut zu Fuß aus Gorbitz erreichbar, für Autofahrer gibt es ein kostenloses Parkhaus.

Wer kann sich in den Familienzentren beraten lassen?

Sowohl die fünf kommunalen als auch die sechs Beratungsstellen der freien Träger, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, sind für alle Dresdner Familien offen. Dennoch richten sich die Angebote vor allem an Familien in den umliegenden Stadtteilen und sollen wortortnah erreichbar sein. 200 bis 300 Fälle bearbeitet eine Beratungsstelle im Schnitt pro Jahr.

Sandy Schramm (37) und Ute Kemnitz (55) leiten die neue Einrichtung.
Sandy Schramm (37) und Ute Kemnitz (55) leiten die neue Einrichtung. © René Meinig

Beratungsstellen gibt es aber nicht nur in großen Wohngebieten wie Prohlis und nun auch Gorbitz, sondern auch in Striesen und Laubegast. Wer Hilfe in einem Familienzentrum in Anspruch nimmt, muss dafür nichts bezahlen und kann das auch anonym tun. Beraten werden nicht nur komplette Familien: Kinder und Jugendliche können sich auch allein an die Stellen wenden, wenn sie Probleme haben. 

Zu welchen Probleme werden Familien beraten?

Prinzipiell können sich Familien mit allen möglichen Konflikten an die Beratungsstellen wenden. Häufig machen sich Eltern Gedanken um ihr Kind und sind unsicher, wie sie es unterstützen können. Doch auch Überforderung im Alltag, Streit mit dem Partner oder Trennungen sind Themen, mit denen sich die Sozialpädagogen und Psychologen befassen. Alle Gespräche werden streng vertraulich behandelt und es besteht Schweigepflicht. 

Wenn Kinder oder Jugendliche allein in die Beratung kommen, geht es oft um Stress mit Freunden, Mitschülern oder Geschwistern, Liebeskummer, Schwierigkeiten in der Schule oder Ausbildung, oder um Streit oder Gewalt daheim. Das alles kann auch ohne die Eltern besprochen werden.

Warum öffnet das Familienzentrum gerade in Gorbitz?

Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) sagte zur Eröffnung, dass solche Angebote besonders dort wichtig sind, wo es Familien nicht so leicht haben. Weil etwa die Mieten in den großen Gorbitzer Wohnblöcken preiswerter sind, als im Rest der Stadt, leben hier besonders viele Geringverdiener und alleinerziehende Mütter. 

Ute Kemnitz und Sandy Schramm sind die Leiterinnen der neuen Beratungsstelle im Dresden Karree. Im Stadtteil kennt sich Sozialpädagogin Ute Kemnitz bestens aus, denn für die Kindervereinigung hat sie hier oft Familien daheim besucht, wenn es Probleme gab. "Oft spielt Erziehung eine Rolle, aber auch die Entwicklung des Kindes, das Sorgen macht." Nicht selten steht dahinter eine Trennung der Eltern, es gibt Fragen zum Unterhalt oder dazu, wie der Umgang mit dem Kind künftig geregelt sein soll. 

Die Familienberatungsstelle von innen.
Die Familienberatungsstelle von innen. © René Meinig

Der Bedarf für Beratungen bei Konflikten in der Familie ist in Stadtteilen mit großen Wohngebieten und vielen Bewohnern höher, als woanders. Großes Konfliktpotenzial hätten die beengten Wohnverhältnisse. "Wenn kinderreiche Familien in kleinen Wohnungen leben und nicht jedes Kind ein eigenes Zimmer hat, ist Stress kaum zu vermeiden", sagt Psychologin Sandy Schramm. Viele Hinweise auf Probleme in den Familien gebe es auch von Kita-Erziehern und Lehrern, die täglich nah an den Kindern dran sind. Ist der Leidensdruck zu groß, kommen Eltern aber auch von sich aus in die Beratung, so Schramm. 

"Das funktioniert oft über Mund-zu-Mund-Propaganda", weiß Ute Kemnitz. Die Familien im Stadtteil sind stark vernetzt, selbst in der größten Not. Da reiche schon ein Tipp auf dem Spielplatz, dass es im Familienzentrum Hilfe gibt. Eine große Rolle spiele das auch bei Familien mit Migrationshintergrund, von denen überdurchschnittlich viele in Wohngebieten wie Gorbitz leben. Hier helfen die Berater auch bei Ämter- und Behördenangelegenheiten weiter.

Grundsätzlich gehe es darum, Vertrauen aufzubauen und dann zu helfen, bevor die Situation in den Familien zu schlimm wird oder gar eskaliert. "Eltern müssen auch keine Angst haben, dass wir das Jugendamt einschalten", erklärt Ute Kemnitz. 

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