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Wie August in Dresden das Licht anknipste

Mit Öllämpchen bekam Dresden die erste öffentliche Beleuchtung. Es begann vor 315 Jahren auf der Schloßstraße - und war der Anfang einer rasanten Entwicklung..

"Unter höchstem Schutz": Laternen beleuchten den Theaterplatz um 1930.
"Unter höchstem Schutz": Laternen beleuchten den Theaterplatz um 1930. © Foto: SZ-Archiv

Rund 46.000 Straßenlaternen sorgen an Dresdner Straßen, Wegen und Plätzen in dunkler Nacht für Licht. Die Anfänge der öffentlichen Straßenbeleuchtung gehen wie so viele Dinge in der Stadt auf August den Starken zurück. Vor 315 Jahren sollen am 10. November 1705 in der Schloßstraße die ersten Öllämpchen als Straßenlichter entzündet worden sein.

Ein Besuch in Leipzig soll den Fürsten auf den Gedanken gebracht haben. Denn in der Messestadt gab es Straßenbeleuchtung schon seit 1702. Die muss Eindruck gemacht haben. So verfügte August im Januar 1705 die Einführung der öffentlichen Straßenbeleuchtung in Dresden. Schon drei Monate später waren die ersten 46 Laternen auf der Elbbrücke montiert. Als Brennstoff diente Rüböl, wie das Rapsöl damals auch genannt wurde. Weitere 750 Laternen wurden später im Schloss und in der Altstadt aufgestellt.

Repräsentative Zwecke

August wollte mit den Lichtern an den Straßen und auf der Brücke zunächst vor allem imponieren. Die Straßenbeleuchtung diente anfangs vor allem der staatlichen Repräsentation. 1728 wurde in der Neustadt und 1784 auch in den Vorstädten die Straßen beleuchtet. Die Öllampen standen unter "höchstem Schutz". Wer sie beschädigte, zerstörte oder gar stahl, wurde dafür streng bestraft.

Die technische Seite bei der Einführung der Straßenbeleuchtung lag in den Händen von Johann Christoph von Naumann, einem fast vergessenen Militäringenieur und Architekten. Er war erster Direktor der Stadtbeleuchtung. Naumann wurde 1664 in Dresden geboren und hatte eine Ausbildung im Artillerie- und Festungsbauwesen durchlaufen. Er begleitete den Kurprinzen und späteren Kurfürsten, Johann Georg IV., auf einer Bildungsreise durch Dänemark, Schweden, Holland und England und hatte sich in mehreren Kriegen in kaiserlichen und sächsischen Diensten ausgezeichnet. Seit 1704 stand Naumann im Dienst Augusts des Starken und war offenbar dessen Mann für alle Fälle.

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Entdeckungen am Hof

Laternenwärter sorgten für mehr als zwei Jahrhunderte dafür, dass es nachts auf den Straßen Dresdens nie mehr ganz dunkel wurde. Sie hatten bei ihren Rundgängen immer eine kleine Leiter, eine Ölkanne zum Auffüllen des Vorrates, Putzlappen und einen Stab mit brennender Flamme zum Anzünden dabei. Ein Inspektor ritt auf einem Pferd durch die Straßen und kontrollierte deren Arbeit. Drei Aufseher unterstützten ihn.

Als Wilhelm August Lampadius, Professor an der Freiberger Bergakademie, Anfang des 19. Jahrhunderts am Dresdner Hofe von seiner Entdeckung, dem brennbaren Steinkohlegas, berichtete, ging die Zeit der Öllämpchen zu Ende. Denn mit dem Gas ließ sich nicht nur heizen, sondern auch Licht erzeugen. Von 1820 an wurden unter Federführung von Rudolf Sigismund Blochmann, damals Inspektor des mathematisch-physikalischen Salons und der Rüstkammer, erste Versuche angestellt. Der Erfinder und Unternehmer hatte sich mit der Gasbeleuchtung intensiv beschäftigt, die 1814 in London erstmals Laternen erstrahlen ließen. Ab 1819 brannte eine Gaslampe zu Versuchszwecken vor dessen Wohnung.

Gasleuchten für Altstadt und Neustadt

Fünf Jahre später weitete Blochmann seine Proben erfolgreich auf das Schloss aus und baute schließlich am Zwingerwall das erste deutsche Gaswerk. Blochmann entwarf die ersten Kandelaber aus Gusseisen selbst. 1837 gab es in der Altstadt bereits 538 und in der Neustadt 129 Gasleuchten. Die ersten öffentlichen Gebäude folgten. Bis 1839 brannten in Dresdens Wohnungen schon 2.100 Gasleuchten. Auch immer mehr Hotels zogen nach und setzten auf die neue Technik. Die Semperoper war das erste Theater in Deutschland, in dem die gesamte Beleuchtung auf Gas umgestellt wurde. Insgesamt installierte Blochmann dort 764 Lampen. Ab 1850 wurde Gas für die öffentliche Straßenbeleuchtung auch in den Außenbezirken Dresdens eingeführt. 1871 gab es 3.569 Gasleuchten und nur noch 371 Öllampen.

Das "Lichtwerk" kommt

Dann brach jedoch schon das Zeitalter der Elektroenergie an, die Industriebetriebe, Kaufleute und Hotel-Besitzer hakten immer wieder beim Rat der Stadt nach, und als in den 1880er-Jahren erste Private die elektrische Beleuchtung selbst installierten, feierte die Bevölkerung das als Sensation. Die Premiere war am 17. Dezember 1882 bei der Möbelfabrik Türpe in der Marienstraße. Und doch stritten noch fast 15 Jahre Befürworter und Kritiker der Elektroenergie. Schließlich wurde 1895 auf dem Gelände des mittlerweile abgerissenen Gaswerkes Altstadt das neue "Lichtwerk" errichten, das später zum Heizkraftwerk Mitte erweitert wurde. Zwei Maschinen erzeugten am 28. November 1895 den ersten elektrischen Strom. Auf den Hauptstraßen der Innenstadt wurde parallel das Verteilungsnetz aufgebaut. Am 15. Dezember 1895 wurde die Vorweihnachtszeit zum überwältigenden Erlebnis, als "die Schloß- und Seestraße zum ersten Male mit den blendenden Strahlen elektrischer Bogenlampen übergossen worden", wie es hieß.

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