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Wie gehen Dresdner Schulen mit Hitzefrei um?

Viele Klassenzimmer heizen sich enorm auf, dann fällt das Lernen schwer. Welche Regeln an Schulen gelten und was die Stadt gegen die Hitze unternimmt.

Die Dresdner Schulen entscheiden selbstständig, ob der Unterricht an heißen Tagen stattfindet, verkürzt wird oder ganz ausfällt.
Die Dresdner Schulen entscheiden selbstständig, ob der Unterricht an heißen Tagen stattfindet, verkürzt wird oder ganz ausfällt. © Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Dresden. Der Sommer ist längst in Dresden angekommen und die Temperaturen klettern nicht selten auf über 30 Grad Celsius. Dann kann es in den Klassenzimmern, die seit dem letzten Lockdown für den Präsenzunterricht noch gar nicht so lange geöffnet sind, schon mal sehr heiß werden. Doch Pauken vor Ort um jeden Preis, auch wenn die Kinder noch so schwitzen? Nicht in Dresden, so scheint es. Und dennoch gehen Schulleiter derzeit etwas vorsichtiger mit dem Thema "Hitzefrei" um.

Grundsätzlich gilt: "Jede Schulleitung entscheidet entsprechend den baulichen Voraussetzungen und schulorganisatorischen Bedingungen individuell, ob und wann es Hitzefrei gibt", sagt Petra Nikolov, Sprecherin des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub). In Grundschulen ist es zwar nicht weniger heiß, doch Hitzefrei bedeutet für die Erst- bis Viertklässler nur, dass die Zeit bis zur Hortbetreuung überbrückt wird. "Bei uns ist es bis jetzt erträglich in den Klassenzimmern, sodass das bis jetzt bei uns kein Thema war", sagt Ines Frömmelt, Schulleiterin der 102. Grundschule in der Johannstadt. Viele Lehrer würden die Zeit bis zu den Sommerferien nun ohnehin für Wandertage nutzen.

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Schulen machen Pläne für verkürzten Unterricht

"Sollte es doch mal zu heiß werden, dann können sich die Kinder in den letzten Unterrichtsstunden ein schattiges Plätzchen auf dem Schulhof oder im Schulgarten suchen." Dass die Schüler dadurch Schulstoff verpassen, befürchtet Ines Frömmelt nicht. "Bei uns liegt der Fokus auf den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht - und da liegen wir gut im Rennen."

Anders sieht das an den weiterführenden Schulen aus. Dort sind auch weitere Fächer wie Biologie und Physik wichtig. Deshalb fallen an vielen Oberschulen und Gymnasien die Stunden nicht gänzlich aus, sondern werden nur verkürzt.

Auf den schulinternen Plan für verkürzten Unterricht musste auch Jana Lüders schon an zwei Schultagen zurückgreifen. Sie ist die Leiterin der 32. Oberschule auf dem Campus Tolkewitz, deren Klassenzimmer und Fachkabinette vor allem in Richtung Süden ausgerichtet sind, sodass sich die Zimmer an heißen Tagen ordentlich aufwärmen. Auch der Schulhof liegt in der prallen Sonne, schattige Plätze gibt es kaum.

"Die letzten Stunden werden auf 35 Minuten reduziert und die Pausen fallen kürzer aus", erklärt Jana Lüders. Damit ist der Schultag dann schon etwas zeitiger zu Ende und die Kinder können eher nach Hause gehen.

Einen solchen Hitzeplan, in dem die verkürzten Zeiten festgelegt sind, beschließt jede Schulkonferenz selbst für die eigene Schule. Die Eltern der 32. Oberschule seien bislang entspannt mit den reduzierten Unterrichtszeiten umgegangen. "Aber das ist natürlich keine Dauerlösung, wenn es an vielen Tagen sehr heiß ist", räumt Jana Lüders ein. Bei den zahlreichen ausgefallenen Präsenzstunden im Lockdown sei das Verständnis der Eltern sicherlich begrenzt. "Dennoch müssen wir hier vor Ort in der Schule reagieren, wenn die Schüler sagen, dass es ihnen in den heißen Klassenzimmern schlecht geht."

Auch Jens Reichel, Schulleiter am Gymnasium Bürgerwiese , setzt auf verkürzte Zeiten von 30 Minuten pro Stunde. "Es ist genug Unterricht ausgefallen und wir wollen den Kindern wieder möglichst viel Rhythmus und Struktur geben." Er und seine Kollegen verlegen an heißen Tagen auch Unterricht nach draußen.

Drohne sammelt Hitzedaten über Schulen

Felix Schulz vom Dresdner Kreiselternrat bestätigt, dass die meisten Eltern entspannt damit umgehen, wenn ihre Kinder an heißen Tagen weniger Unterricht haben. Dennoch findet er, dass der Unterricht nach der langen Zeit im Homeschooling nicht komplett ausfallen sollte. "Die Kinder haben in wichtigen Fächern viel verpasst, das sollte nun unbedingt so gut wie möglich nachgeholt werden." Das Verständnis der Eltern ist aber groß, wenn bei großer Hitze sechs oder sieben Stunden anstehen. "Dann ist eine verkürzte Unterrichtsstunde in Ordnung."

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Eine Drohne fliegt zurzeit über mehrere Kindergärten und Schulen in Dresden. Sie soll helfen, den Sommer weniger heiß zu machen.

Auch die Stadt hat längst erkannt, dass das Thema Hitze in den Dresdner Klassenzimmern eine immer wichtigere Rolle spielt. Deshalb flog kürzlich eine Drohne über Kitas und Schulen in der Neu- und Altstadt, die das Stadtklima in diesen Bereichen gemessen hat. Dadurch sollen verschiedene Fragen geklärt werden, etwa, wie sehr sich eigentlich ein Schulhof aufheizt oder wie schnell ein Gründach am Abend wieder abkühlt.

Anhand der Ergebnisse sollen Vorschläge ausgearbeitet werden, wie die Einrichtungen besser vor Hitze geschützt werden können. Dann dürfte auch das Thema Hitzefrei womöglich an Bedeutung verlieren.

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