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Kriminalität: Wie sicher fühlen sich die Dresdner?

Chaotische Neustadt, gefährliches Gorbitz – stimmen diese Klischees? Tausende Dresdner sind befragt worden. Die Ergebnisse.

Ausgeh-Viertel Neustadt: An der Ecke Rothenburger und Louisenstraße ist regelmäßig die Polizei im Einsatz. Auch mit Drogendelikten haben es die Beamten häufig zu tun. Für die Bewohner kein Grund Angst zu haben.
Ausgeh-Viertel Neustadt: An der Ecke Rothenburger und Louisenstraße ist regelmäßig die Polizei im Einsatz. Auch mit Drogendelikten haben es die Beamten häufig zu tun. Für die Bewohner kein Grund Angst zu haben. © Archiv: Benno Löffler

Dresden. Teile von Gorbitz und der Äußeren Neustadt gelten als Schwerpunkte der Kriminalität. Doch fühlen sich die Dresdner in den beiden Stadtteilen wirklich unsicher? Forscher der Technischen Universität Dresden haben 4.500 Einwohner befragt. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse.

Wo fühlen sich die Bewohner sicherer – in der Neustadt oder in Gorbitz?

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Tatsächlich sind es die Neustädter, die in ihrem Viertel kaum Angst haben, nach Einbruch der Dunkelheit allein zu Fuß über Alaun-, Louisen-, Görlitzer Straße oder Bischofsweg zu laufen. Insgesamt 77 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich sicher fühlen. Ganz anders sieht das in Gorbitz aus: Dort gehen 71 Prozent mit Unbehagen oder erst gar nicht im Dunkeln auf die Straße – sie sprechen davon, sich etwas bis sehr unsicher zu fühlen.

Und wie sicher fühlen sich die restlichen Dresdner in ihren Wohngebieten?

Stadtweit gesehen fürchten sich 65 Prozent der befragten Dresdner überhaupt nicht, in der Dunkelheit und in ihrem Wohngebiet zum Opfer einer Straftat oder eines Verkehrsunfalls zu werden. Sie fühlen sich sehr oder bis eher sicher. Demgegenüber stehen 32 Prozent, die sich eher unsicher fühlen und 13 Prozent, die von starker Unsicherheit sprechen. Was heißt das für die beiden Stadtteile, die näher betrachtet wurden? Die Neustadt schneidet im Sicherheitsempfinden bei ihren Einwohnern im Schnitt besser ab als ganz Dresden zusammen, Gorbitz dagegen schlechter.

Was sehen Gorbitzer und Neustädter am problematischsten?

Gefragt nach den häufigsten Problemen sehen die Neustädter den Abfall in ihrem Stadtteil als das Leidthema Nummer eins. Auf den Plätzen danach folgen rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr, Pöbeleien, Vandalismus, Streitigkeiten sowie Schlägereien. Am unteren Ende der Liste rangieren Menschenansammlungen und Spuren von Drogenkonsum. Drogenhandel selbst liegt jedoch im Mittelfeld der als am schlimmsten wahrgenommen und beobachteten Probleme.

Zumindest in der Problemwahrnehmung gleichen sich Neustädter und Gorbitzer ziemlich. Abfall, Verkehrsrowdys, Pöbeleien und Vandalismus bestimmen die Liste. Tendenziell wird Drogenkonsum allerdings weniger stark als ein Problem in dem Stadtteil gesehen. Dagegen ist man mit der Ansammlung größerer Menschengruppen unzufriedener.

Haben die Dresdner den Eindruck, dass es generell unsicherer in der Stadt geworden ist?

Nein, die überwiegende Mehrheit, nämlich 71 Prozent, finden, die Sicherheitslage in Dresden sei in den vergangenen fünf Jahren gleichgeblieben. Knapp ein Viertel der Landeshauptstädter sagt, es sei unsicherer geworden, fünf Prozent sind der Meinung, Dresden wäre sogar sicherer als früher. 

Und in den beiden näher betrachteten Stadtteilen? Zwar fühlen sich die meisten befragten Neustädter in ihrem Viertel auch nachts sicher, allerdings denken 44 Prozent, dass es in den letzten Jahren schon unsicherer dort geworden ist. Mit 48 Prozent empfindet weniger als die Hälfte, es habe sich nichts geändert. Immerhin acht Prozent sagen, es sei sicherer geworden. 

In Gorbitz haben die Bewohner noch stärker den Eindruck, sie lebten unsicherer. Hier finden 71 Prozent, die Lage habe sich zum Schlechteren verändert. Nur 24 Prozent haben das Gefühl, dass sich nichts verändert hat.

Der Amalie-Dietrich-Platz ist ein beliebter Treffpunkt in Gorbitz. Auch hier ist die Dresdner Polizei häufig im Einsatz.
Der Amalie-Dietrich-Platz ist ein beliebter Treffpunkt in Gorbitz. Auch hier ist die Dresdner Polizei häufig im Einsatz. © Sven Ellger

Stimmt das mit den Zahlen der Polizei überein?

Tatsächlich hat die Zahl der erfassten Straftaten in Gorbitz stark zugenommen. Wurden 2009 noch 7.576 Vergehen je 100.000 Einwohner gezählt, waren es im vergangenen Jahr 9.940. Das liegt über dem Dresden-weiten Schnitt von 8.061 Straftaten. Insbesondere die Gewaltkriminalität ist in Gorbitz häufiger ein Thema als im Rest der Stadt. 

In der Äußeren Neustadt liegt die Zahl der Straftaten mit 18.143 Taten sogar doppelt so hoch wie in Gorbitz. Auch hier hat die Gewaltkriminalität in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Lediglich von 2018 zu 2019 ging die Zahl leicht zurück.

Wie schätzen die Forscher die Ergebnisse ein?

Die Neustadt ist besser als ihr Ruf, Gorbitz habe viel Entwicklungspotenzial, lautet das Fazit. Die Neustädter seien sich des Spannungsfelds zwischen Party- und Wohnviertel sehr bewusst, so die Experten. Aber die allgemeine Sicherheitswahrnehmung werde nicht nur von dieser Thematik bestimmt. Von den abgefragten Problemlagen im Stadtteil belege rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr einen der vorderen Plätze, noch vor Pöbeleien, Drogen und Schlägereien. „Mit dem Blick auf mögliche Ansätze der kommunalen Präventionsarbeit bevorzugen die Neustädter vorbeugende Maßnahmen.“ Angebote und Hilfen für Jugendliche, mehr Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung, mehr Zivilcourage und mehr Sozialarbeiter würden als sinnvoll erachtet. Kritische Einstellungen ließen sich jedoch gegenüber mehr Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen und mehr privaten Wachdiensten feststellen.

Und Gorbitz? Ein Grund für die großen Unterschiede des Sicherheitsempfindens könnte der soziale Zusammenhalt sein, heißt es. „Während die Ergebnisse zeigen, dass der soziale Zusammenhalt zum Beispiel in Gorbitz von den Bewohnerinnen und Bewohnern kaum wahrgenommen wird, ist der soziale Zusammenhalt in der Äußeren Neustadt stark ausgeprägt“, erklärt Professor Hans Vorländer, Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung an der TU. „Nachbarschaftlicher Zusammenhalt ist ein wichtiger Faktor der lokalen Sicherheit. Dessen Potenziale sollten künftig noch stärker genutzt werden.“ Die Gorbitzer seien ebenfalls offen für Lösungsvorschläge. „Sie erachten sowohl härtere Strafen von Straftätern als auch mehr Angebote und Hilfen für Jugendliche für sinnvoll.“ Kritisch sehe man aber auch hier den Einsatz von mehr privaten Wachdiensten, heißt es.

Wie geht es nun weiter?

Ausgehend von den Ergebnissen des Forschungsprojekts soll die Kriminalprävention in der Stadt neu ausgerichtet werden. „Kommunale Kriminalprävention muss sich an den konkreten Problemen in den Stadtteilen orientieren“, sagte Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU). „Wir wollen daher die politischen Entscheider und die Ämter stärker als bisher für kriminalpräventive Belange auf Stadtbezirksebene sensibilisieren.“

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Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zu den beiden Stadtteilen finden Sie hier:

Dresdner Neustadt 

Dresden-Gorbitz

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