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Hotelketten planen noch mehr Betten in Dresden

Schon vor der Corona-Krise war die Zimmerbelegung nur befriedigend. Jetzt wollen Ketten weitere Häuser eröffnen. Experten bezweifeln, dass das nötig ist.

Dresden bekommt noch mehr Hotelbetten. Diese wollen auch gefüllt werden. Ist das angesichts der Corona-Krise überhaupt realistisch?
Dresden bekommt noch mehr Hotelbetten. Diese wollen auch gefüllt werden. Ist das angesichts der Corona-Krise überhaupt realistisch? © dpa/Swen Pförtner (Symbolbild)

Dresden. Wann Dresdens Hotels wieder Urlauber empfangen dürfen, ist ungewiss. Wann Urlauber wieder bereit sein werden zu reisen, ebenso. Trotzdem wollen die großen Hotelketten in Sachsens Landeshauptstadt expandieren. Selbst große Immobilienunternehmen, die normalerweise behilflich sind, das passende Grundstück zu finden, zweifeln inzwischen an den Plänen.

Doch von vorn. Zwischen Hauptbahnhof und Neustädter Bahnhof sollen in diesem Jahr rund 1.000 weitere Hotelbetten entstehen, im kommenden Jahr noch einmal so viele.

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Das geht aus einer Übersicht der Dresden Marketinggesellschaft (DMG) hervor. Auf dem westlichen Wiener Platz ist das neue Simmel-Haus fast fertig. Aktuell wird die Fassade verglast. Im Sommer soll das mehr als 200 Meter lange Gebäude gegenüber dem Hauptbahnhof erste Mieter empfangen, darunter die Meininger-Gruppe, die dort über 700 Gästebetten aufstellen möchte. Das ist nur ein Beispiel.

"Wie viele Hotels die Krise überstehen werden, ist unklar"

„Die steigende Besucherzahl veranlasste viele Investoren und Hotelketten, sich in Dresden zu engagieren, um sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden“, sagt die Dresdner Niederlassungsleiterin Anett Richter von Aengevelt Immobilien. So war 2019 in vielerlei Hinsicht ein Rekordjahr. Was die Zahl der Touristen in Dresden angeht, aber auch die Zahl der angebotenen Betten.

Es waren fast 24.000 und damit 27 Prozent mehr als noch 2010. Die Bettenauslastung kletterte im selben Zeitraum nur um sieben Prozentpunkte auf 55 Prozent. Das macht deutlich, dass es die Häuser wegen der wachsenden Konkurrenz schwer haben, mehr Betten zu füllen, obwohl sich Dresden vor Touristen kaum retten kann.

Hinzu kommt die Corona-Pandemie. Im November checkten 88 Prozent weniger Übernachtungsgäste ein. Ähnlich dürfte es im Dezember ausgesehen haben – die Zahlen werden Ende Februar bekanntgegeben. „Wie viele Hotels nun die Corona-Krise überstehen werden, ist unklar“, sagt Anett Richter.

Auch in Dresden sei mit Insolvenzen zu rechnen. „Ob Corona-bedingter Schließungen und sinkender Einnahmen: Es bleibt nur zu hoffen, dass die Besucher wie im letzten Sommer möglichst schnell wieder zurückkehren und das Geschäft ankurbeln.“ Ungeachtet dessen stelle sich aber die Frage, ob und wie viele weitere neue Standorte wirklich noch benötigt würden, so die Immobilien-Expertin.

Immerhin könnten die Dresdner Hoteliers von einem veränderten Reiseverhalten nach der Corona-Pandemie profitieren. Die Branche rechnet damit, dass sich die Deutschen vermehrt für Inlandsurlaube interessieren werden. Schwieriger dürfte es mit Touristen aus dem Ausland werden, die bislang etwa 20 Prozent aller Übernachtungen in der Stadt buchten.

Doch unterschiedliches Vorankommen bei den Corona-Schutzimpfungen, womöglich selbst zu zahlende Tests für Einreisen und ein ebenfalls aufkeimender nationaler Tourismus in den Ländern werden es schwierig machen, dort anzuknüpfen, sagt Robert Keil, Vorstand des sächsischen Landestourismusverbandes. Die DMG versucht es trotzdem. Im Januar hat sie das neue „Dresden Magazin“ mehreren Zeitungen beigelegt, auch in den deutschsprachigen Nachbarländern, unter anderem der Neue Zürcher Zeitung und den Salzburger Nachrichten. Das Heft hat eine Auflage von rund 240.000 Exemplaren.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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