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Wild, aber nicht aggressiv: Was Dresdner für mehr Wildbienen in der Stadt tun können

Das Dresdner Umweltzentrum will mit einem neuen Projekt mehr Aufmerksamkeit für Wildbienen erreichen. Davon gibt es zahlreiche Arten in der Stadt, die Hilfe benötigen.

Von Kay Haufe
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Die Skabiosen-Sandbiene ist auf diese Pflanzen als Nahrungsquelle spezialisiert. Mittlerweile ist sie auch auf den Dresdner Elbwiesen im Ostragehege zu finden, weil dort viele Skabiosen wachsen.
Die Skabiosen-Sandbiene ist auf diese Pflanzen als Nahrungsquelle spezialisiert. Mittlerweile ist sie auch auf den Dresdner Elbwiesen im Ostragehege zu finden, weil dort viele Skabiosen wachsen. © Matthias Rietschel

Dresden. Sie sind groß, pummelig und beeindruckend schwarz-bläulich gefärbt wie die Holzbiene, oder nur fünf Millimeter lang, grazil und mit rötlichem Hinterleib wie die Wespenbiene. Rund 450 Arten von Wildbienen gibt es in Sachsen und ein Teil von ihnen ist auch in Dresden heimisch. Allerdings sind laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen (BUND) mittlerweile 31 Arten in Deutschland vom Aussterben bedroht, über 220 sind gefährdet. Vor allem, weil ihnen immer mehr vom Lebensraum durch Bebauung verloren geht, aber auch, weil sie in den Monokulturen auf den Feldern kaum noch Nahrung finden.

Dabei kann jeder Dresdner mit einfachen Mitteln helfen, den Wildbienen bessere Lebensbedingungen zu schaffen und für mehr Nahrungsangebote zu sorgen. Wie das geht, darüber möchte das Umweltzentrum Dresden im neuen Projekt BienenBrückenbauen informieren.

"Unser Ziel ist es, die Dresdner dafür zu sensibilisieren, dass wir auf unseren öffentlichen Flächen, aber auch in privaten Gärten und auf Balkonen ökologische Vielfalt benötigen, damit Wildbienen mehr Nistplätze und Nahrung finden", sagt Projektleiterin Annett Römer. Immerhin sorgen die Insekten dafür, dass 80 Prozent aller Wild- und Kulturpflanzen bestäubt werden.

Wildpflanzen als perfektes Nahrungsangebot

Was genau können nun die Dresdner tun, damit sich mehr Wildbienen in der Stadt ansiedeln und wohlfühlen? Sie können beispielsweise Wildpflanzen in ihre Gärten oder Balkonkästen pflanzen, die von vielen Wildbienenarten geschätzt werden wie die Ackerwitwenblume, das Lungenkraut, die die Gelbe Skabiose oder den kriechenden Günsel. Diese Stauden sind im Frühjahr in der Gärtnerei des Umweltzentrums ausgesät worden und können im September von Interessierten dort kostenlos zum Einpflanzen abgeholt werden, damit sie im kommenden Frühjahr und Sommer blühen.

"Wir sind dieses Jahr mit 15 Wildpflanzenarten gestartet und werden bis Projektende im März 2028 dann 29 verschiedene anbauen", sagt Annett Römer. Möglichst an vielen Orten in der Stadt solche Pflanzen wachsen, damit die Wildbienen ihre Lebensräume erweitern können. Trittsteinbiotope nennt es die Projektleiterin. Dafür möchte das Umweltzentrum nicht nur private Akteure gewinnen, sondern auch Firmen wie Wohnungsgenossenschaften oder andere, die man für eine insektenschonende Grasmahd oder die Anlage von Sandarien sensibilisieren will.

Sandarien als Nisthilfe im Erdboden

Rund 50 Prozent der Wildbienen baut seine Nester in gegrabenen Gängen im Erdboden. Dabei kann man ihnen mit dem Bau von Sandarien helfen. Diese möglichst vollsonnig gelegenen Bereiche sollen eine 50 Zentimeter tiefe Mulde haben, in die ein Sand-Lehm-Gemisch gefüllt wird. "Wir beraten Interessenten zum Bau", sagt Römer.

Diese Pelzbiene ähnelt auf den ersten Blick unserer Honigbiene, ihr Körper ist aber kleiner und pummeliger. Ihre Nester graben sie in sandigen oder lehmigen Boden.
Diese Pelzbiene ähnelt auf den ersten Blick unserer Honigbiene, ihr Körper ist aber kleiner und pummeliger. Ihre Nester graben sie in sandigen oder lehmigen Boden. © Matthias Rietschel

Umweltbildung ist eine weitere Säule des Projektes. Das Umweltzentrum bietet kostenlose Workshops und andere Veranstaltungen für alle Altersgruppen vom Kindergartenkind bis zum Erwachsenenalter. Unter anderem sollen auch Wildbienenspezialisten ausgebildet und Bienenfunde in die Artendatenbank des Landes Sachsen aufgenommen werden. Im Winter sind Wildbienenstammtische geplant, außerdem wird es Mitmachnachmittage in der Gärtnerei geben, bei denen Saatgut geerntet wird, Nisthilfen entstehen oder Infos zu geeigneten Nahrungspflanzen vermittelt werden.

Zudem beinhaltet das Projekt ein Wildbienen-Monitoring auf jährlich vier Flächen geplant. Dabei soll ermittelt werden, wie viele Bienen zu Beginn und nach bestimmten Maßnahmen dort leben. "Wir suchen noch Kooperationspartner, die Flächen von mindestens 500 Quadratmetern haben, die aber vier Jahre lang für nichts anderes genutzt werden dürfen."

Angst vor den Wildbienen muss übrigens niemand haben. Im Gegensatz zu Honigbienen zeigen sie kein Abwehrverhalten vor dem Nest. "Selbst wenn man versehentlich auf sie tritt, ist ihr Gift von der Menge geringer und ein Stich weniger schmerzhaft", sagt Insektenkundlerin Jenny Förster vom Umweltzentrum.

Wer Interesse hat, beim Wildbienenprojet mitzuarbeiten, kann sich auf der Webseite des Umweltzentrums informieren und anmelden unter https://uzdresden.de/project/bienenbrueckenbauen/