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"Wir hatten 95 Prozent deutsche Touristen in Dresden"

Der Tourismus hat unter der Pandemie sehr gelitten. Vor allem Gäste aus dem Ausland fehlten. Jetzt gibt es neue Ideen, um das Geschäft anzukurbeln.

Der neue Vorstand des Dresdner Tourismusverbandes: Anne Schwarz, Sebastian Klink und Katrin Richter (v.l.).
Der neue Vorstand des Dresdner Tourismusverbandes: Anne Schwarz, Sebastian Klink und Katrin Richter (v.l.). © Sven Ellger

Dresden. Die Corona-Pandemie hat viele Branchen in Dresden hart getroffen. Eine davon ist der Tourismus. Die Gäste sind verunsichert, buchen nicht oder nur sehr spontan einen Urlaub. Der Tourismusverband will für mehr Urlauber in der Stadt kämpfen. Neben seinem Vorsitzenden Johannes Lohmeyer sind das auch die neuen Vorstände Katrin Richter von den Dresdner Residenzkonzerten, Anne Schwarz vom Reisebüro Opernreisen Dresden und Sebastian Klink, Chef des Bilderberg-Bellevue sowie stellvertretender Tourismusverband-Vorsitzender. Die drei erzählen, wie es ihnen in den vergangenen Monaten ergangen ist und was sie jetzt vorhaben.

Wie lief das Jahr 2021 bisher im Tourismus?

"Sieben Monate Lockdown waren natürlich eine lange Zeit, im Juni ging es dann wieder langsam los", erzählt Bellevue-Chef Sebastian Klink. Im Juli und August habe das Geschäft dann wieder Fahrt aufgenommen. Die meisten seiner Gäste hatten sich in diesem Jahr für Urlaub im eigenen Land entschieden. "2019 etwa kamen so 80 Prozent unserer Gäste aus Deutschland, in diesem Jahr waren es 95 Prozent."

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Vieles musste sich erst wieder einspielen, zum Teil waren Lieferketten unterbrochen. "Das waren kleine Dinge wie eine bestimmte Saftsorte, die nicht da war", so der Hotelchef.

Auch Katrin Richter beobachtete, dass der Sommer verhalten anlief im Vergleich zum vergangenen Jahr. "Jetzt sind die Konzerte im Wallpavillon im Zwinger aber wieder sehr gut besucht."

Anne Schwarz von den Opernreisen erlebte, dass viele Gäste sich für Urlaub ohne Risiko entschieden. "Viele buchten Aktivreisen mit Wandern und Radfahren, Hauptsache draußen. Opernreisen laufen erst wieder langsam an."

Klink merkte außerdem eine Veränderung bei den Geschäftsreisen. "Die großen Firmen vermieden jede unnötige Reise und verlagerten viel auf Videokonferenzen. Ich bin gespannt, wie hier die Entwicklung weiter geht."

Wie schlimm war der Einbruch der Gästezahlen?

Das lässt sich noch nicht wirklich beziffern, da vom Statistischen Landesamt bislang nur Zahlen von Januar bis Juni veröffentlicht wurden. In dieser Zeit lief es für die Dresdner Hoteliers, Pensions- und Campingplatzbetreiber deutlich schlechter als 2020. Der Lockdown endete Anfang Juni und damit etwa zwei Wochen später als im vergangenen Jahr. So wurden im Juni 2021 nur 153.767 Übernachtungen gezählt. Noch einmal rund 55.000 weniger als im Vorjahresmonat, der bereits durch herbe Verluste gekennzeichnet war.

Welche Probleme müssen schnell gelöst werden?

Wie in der Gastronomie heißt das Problem auch im Tourismus: Personalmangel. Hotelchef Klink stellt wie viele seiner Kollegen fest, dass im Lockdown viele Mitarbeiter in die Pflege oder in die Supermärkte abgewandert sind. "Das betrifft nicht unbedingt das Stammpersonal, sondern auch die Leiharbeiter." Er habe teilweise 30 bis 40 Leiharbeiter pro Tag beschäftigt, gerade wenn um die 600 Frühstücke zu servieren waren.

Wieder und neu gewinnen will er das Personal jetzt mit Wertschätzung und Flexibilität. "Ein Hochlohnsektor wird der Tourismus nicht werden. Schweizer Preise mit deutschen Gehältern will niemand."

Ein anderes Problem sei die fehlende Planbarkeit in der Pandemie. "Die Gäste buchen sehr verhalten und eher kurzfristig, weil keiner weiß, sie sich die Zahlen entwickeln", sagt Schwarz. Die Branche wünsche sich , dass die 3-G-Regel, also der Zugang nur für Geimpfte, Genese und Getestete, konsequent umgesetzt wird, sodass der Tourismus offen gehalten werden kann.

Welche Ziele hat der neue Vorstand jetzt?

"Wir wollen den Tourismus in Dresden als Ganzes verstehen, nicht nur als Übernachtung, sondern als Erlebnis mit Kultur, Museum und Gastronomie", so Richter. Die Gäste sollen einen Reiseanlass bekommen wie den Besuch eines Theaterstückes oder des Striezelmarktes.

Außerdem sollen speziell junge Menschen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. "Junge Menschen sind sehr handyaffin, also müssen wir dort als Tourismus in Dresden präsent sein. Bei Instagram und Co.", sagt Hotelchef Klink.

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Ein weiteres Vorhaben: "Stärker den Finger in die Wunde legen bei Baustellen und Co., die es unserer Branche schwer machen", sagt Richter. Aktuell meint sie damit etwa die Baustellen im Zwinger, die die Fotos der Touristen nicht unbedingt attraktiver machen.

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