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Flüchtlingswohnungen in Dresden ungleich verteilt

Die Stadt spricht von Konfliktpotenzial, da die Wohnungen für Geflüchtete oft in Prohlis und Gorbitz liegen. Warum das so ist und wie sich das ändern soll.

In Dresden-Prohlis wohnen besonders viele Flüchtlinge.
In Dresden-Prohlis wohnen besonders viele Flüchtlinge. © Archiv: Marion Doering

Dresden. Kommen Geflüchtete neu nach Dresden werden sie erst einmal in den Erstaufnahmeeinrichtungen an der Bremer- und Hamburger Straße sowie auf der Stauffenbergallee untergebracht. Dürfen sie bleiben, werden sie auf die Kommunen verteilt und von diesen dann in Wohnungen untergebracht. Doch die Suche nach Wohnraum für die Menschen in der Stadt ist nicht so einfach.

Wie viele Wohnungen für Flüchtlinge gibt es aktuell?

Dresden hat derzeit insgesamt 590 Wohnungen zur Unterbringung von geflüchteten Menschen angemietet. Doch diese waren zuletzt sehr ungleich verteilt. Mit Stand Anfang 2020 waren es in Gorbitz 120 und in Prohlis rund 75 Wohnungen, in Plauen, Striesen und Weißig nur jeweils eine. Rund um den Großen Garten liegen fünf. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

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Doch nun scheint es ein Umdenken zu geben, die Wohnungen gleichmäßiger über die ganze Stadt zu verteilen. Im Jahr 2020 wurde keine Wohnung neu angemietet, im Jahr 2021 waren es bisher 37 Wohnungen. Die neu angemieteten Wohnungen befinden sich in den Stadtteilen Radeberger Vorstadt, Prohlis, Gorbitz, Äußere/Innere Neustadt, Johannstadt, Pirnaische Vorstadt, Reick, Cotta, Leubnitz-Neuostra, Zschertnitz und Seidnitz, so das Sozialamt auf SZ-Anfrage. Dieses Jahr wurden zum 1. Juni 37 Wohnungen mit einer monatlichen Bruttowarmmiete von insgesamt 20.327,50 EUR angemietet. Eine weitere Anmietungstranche zum 1. August entsprechend dem angemeldeten Bedarf des Sozialamts wird gerade abgestimmt. Die Mietkosten stehen deshalb noch nicht fest, so die Stadt.

Decken diese den Bedarf?

Aktuell könne die Stadt mit den zur Verfügung stehenden Kapazitäten die Unterbringungspflicht für Geflüchtete sicherstellen. Ob noch mehr Wohnungen angemietet werden, wird entschieden, je nachdem, wie viele gebraucht werden.

Gibt es dort vermehrt Konflikte?

Von Stadträten und aus den sozialen Trägern kommt oft die Kritik, dass die Wohnungen zu ungleichmäßig über die Stadt verteilt seien und es deshalb zu Konflikten zwischen verschiedenen Interessensgruppen komme. Die Stadt beschreibt das in ihrem Fachplan Asyl so: "Insbesondere in den Stadtbezirken Gorbitz und Prohlis ist es zu einer Konzentration durch städtische Unterbringung oder Zuzüge von Migranten und/oder Menschen mit SGB-II-Leistungsbezug gekommen."

Die Verteilung der Geflüchteten in der Stadt bedinge Akzeptanzprobleme und Auseinandersetzungen zwischen Geflüchteten und Einheimischen in den Vierteln. Die Stadt spricht von Tendenzen zu Nutzungskonkurrenzen in Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, auf Plätzen oder im öffentlichen Raum. "Mit notwendigen Integrationsanstrengungen sind die Nachbarschaften überfordert", heißt es.

Fragt man das Sozialamt ganz aktuell zu den konkreten Konflikten, heißt es, dort, wo Menschen zusammenleben, könne es - unabhängig von Herkunft oder anderer soziodemografischer Merkmale - aus unterschiedlichsten Gründen zu Meinungsverschiedenheiten und zwischenmenschlichen Konflikten kommen. Doch, so betont die Stadt, das Sozialamt befördere mit der Migrationssozialarbeit ein gutes gemeinschaftliches Miteinander.

Warum sind die Wohnungen nicht besser verteilt?

Auf die Frage, warum die Stadt die Unterkünfte nicht besser verteilt, sagte Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) 2019 im Sächsische.de-Interview: "Das würde ich sehr gerne, aber uns fehlt der entsprechende Partner. Das einzige Unternehmen, das dem Sozialamt Wohnungen bereitstellt, ist die Vonovia.“ Doch warum beteiligen sich die Genossenschaften nicht?

"Die Einräumung von Belegungsrechten für die Stadt ist uns bereits aus dem Genossenschaftsgesetz und unserer Satzung nicht möglich", sagt Dana Jacob, Sprecherin der Wohnungsgenossenschaft "Glückauf" Süd Dresden. Sie sehe die Wohnungsversorgung in der Verantwortung der Stadt Dresden. "Auch Bürgern mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen bieten wir je nach Verfügbarkeit ein Zuhause in allen Stadtteilen, in denen wir Wohnungen haben. Dabei müssen wir natürlich berücksichtigen, dass wir zuallererst unseren Mitgliedern verpflichtet und nahezu vollständig vermietet sind." Alrik Mutze, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) betont, die WGJ beteilige sich nicht daran, da sie nur einen sehr geringen Anteil an freien Wohnungen habe. "Darüber hinaus sind die Anforderungen zur Wohnungsvergabe nicht beliebig wählbar, sondern von unserer Satzung vorgegeben."

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Vonovia-Sprecher Matthias Wulff sagt: "In Dresden haben wir einen Bestand von rund 40.000 Wohnungen, rund ein Prozent des Bestandes ist zur Unterbringung von Flüchtlingen vermietet." Die Mieten würden sich an der Größe der Wohnung und Anzahl der Personen orientieren, sie entsprächen den Kosten der Unterkunft. "Die Wohnungen sind über das Stadtgebiet verteilt", betont er.

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