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Zukunft des Krankenhauses Dresden-Neustadt: Welches Mitspracherecht haben die Anwohner?

Ab Mitte der 2030er-Jahre soll das Neustädter Krankenhaus in Dresden nur noch der ambulanten Versorgung dienen. Entschieden ist das aber noch nicht. Was gegen eine stationäre Versorgung und eine Notfallambulanz spricht und wie Anwohner mitreden sollen.

Von Sandro Pohl-Rahrisch
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Eine Notaufnahme am Krankenhaus Dresden-Neustadt würde ab Mitte der 2030er-Jahre einen Verlust für das Städtische Klinikum bedeuten, geht aus einem neuen Gutachten hervor.
Eine Notaufnahme am Krankenhaus Dresden-Neustadt würde ab Mitte der 2030er-Jahre einen Verlust für das Städtische Klinikum bedeuten, geht aus einem neuen Gutachten hervor. © Sven Ellger

Dresden. Vieles ist noch im Unklaren, was die Zukunft des Neustädter Krankenhauses in Dresden angeht. Das Städtische Klinikum und die Stadtverwaltung forcieren die Umwandlung des Standorts zu einem rein ambulanten Gesundheitsquartier mit einer angedockten Notaufnahme. Bevor überhaupt eine Entscheidung gefallen ist, steht die Notfallversorgung ab Mitte der 2030er-Jahre aber schon jetzt auf der Kippe.

Rund 15.000 Dresdner Haushalte im Umfeld des Krankenhauses sind nun angeschrieben und gebeten worden, sich an der Neugestaltung zu beteiligen. Wie genau das funktionieren wird, warum die Notaufnahme auf der Kippe steht und welche weiteren Optionen für den Standort denkbar wären - das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie können sich Anwohner des Krankenhauses beteiligen?

Angeschrieben wurden Haushalte in Trachau, Trachenberge, Kaditz, Mickten und Pieschen - also im unmittelbaren Umfeld des Neustädter Krankenhauses. Der Brief enthält eine Einladung zu drei Workshops, die bis Anfang Mai stattfinden werden. In diesen Workshops geht es um die Neugestaltung des Krankenhausareals an der Industriestraße.

Schwerpunkte seien laut Stadt die Themen Gesundheit, Wohnen und Leben im zukünftigen Gesundheitsquartier. Die ersten beiden Workshops finden in Präsenz statt, der dritte per Online-Konferenz. Teilnehmen können nur Dresdner, die eine Einladung erhalten haben und sich vorab anmelden. Die Haushalte sind nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden.

Wie sieht der Plan der Stadt für das Krankenhaus aus?

Das Zukunftskonzept sieht vor, in den 2030er-Jahren die komplette stationäre Versorgung zum Friedrichstädter Krankenhaus zu verlagern. In Trachau soll im Gegenzug ein Gesundheitsquartier entstehen.

Denkbar sind laut Stadt Facharztpraxen, ambulantes Operieren, Kurzzeitpflegeangebote, betreutes Wohnen, Sozialwohnungen und soziale Einrichtungen. Auch eine Notaufnahme mit einer angebundenen Überwachungsstation ist Teil des Konzepts. Ob diese kommt, ist jedoch fraglich.

Warum steht die Notaufnahme auf der Kippe?

Zwei Dinge stehen einer Notaufnahme in Trachau entgegen. Zum einen sei eine durchgehend geöffnete Notfallaufnahme an der Industriestraße nicht nötig, um die Versorgungssicherheit in der Umgebung zu gewährleisten. Das ist zumindest das Ergebnis eines Gutachtens, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte.

Derzeit werden täglich zwischen 100 und 115 Patienten in der Notaufnahme im Neustädter Krankenhaus versorgt. Von ihnen werden in der Woche durchschnittlich 44 Patienten stationär aufgenommen, an den Wochenenden 25.

Der Großteil wird demzufolge ambulant behandelt. "Diese Patientinnen und Patienten können künftig entweder einen niedergelassenen Arzt oder eine Bereitschaftsdienstpraxis aufsuchen", gibt die Stadt das Gutachten wieder. Der Bereitschaftsdienst sei täglich bis 23 Uhr verfügbar. In der Nacht könnten Notfallpatienten andere Ambulanzen aufsuchen. Die Fahrzeit betrage maximal 20 Minuten.

Aktuell werden nachts in Trachau durchschnittlich 13 Patienten versorgt. Patienten mit schweren Erkrankungen, zum Beispiel einem Herzinfarkt, sollten ohnehin ein größeres Krankenhaus aufsuchen, in dem es die nötigen Behandlungsmöglichkeiten gibt, so die Stadt weiter. Sollte sich der Stadtrat trotzdem für eine Notaufnahme entscheiden, wäre mit Verlusten von 2,4 Millionen Euro jährlich zu rechnen.

Während es sich dabei um eine politische Entscheidung handelt, könnte es per Gesetz schwierig werden, eine Notaufnahme an der Industriestraße zu betreiben. Denn mit der bevorstehenden Krankenhausreform des Bundes soll die Notfallversorgung nur noch an Standorten, die auch eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung anbieten und bestimmte Gerätschaften vorhalten, erfolgen. Das wäre bei einem rein ambulanten Gesundheitsquartier nicht der Fall. "Deshalb müssen wir abwarten, ob eine Notfallversorgung in Trachau künftig überhaupt noch erlaubt wäre", sagte Dirk Köcher, Kaufmännischer Direktor des Klinikums, in dieser Woche im Interview mit Sächsische.de.

Könnte eine verkleinerte stationäre Versorgung nicht beibehalten werden, um die Notaufnahme zu erhalten?

Auch diese Variante ist letztes Jahr in einem Gutachten untersucht worden. So wurden eine Grund- und Regelversorgung für Innere Medizin, Unfallchirurgie und Allgemeinchirurgie sowie ein Mutter-Kind-Zentrum durchgerechnet. "Im Ergebnis sieht das Gutachten grundsätzlich keine Versorgungsnotwendigkeit für stationäre Leistungen am Standort Trachau", so die Stadt.

Auch wirtschaftlich wäre dies laut Gutachten schwierig: Sollte zur Notaufnahme eine stationäre Versorgung hinzukommen, erhöhe sich der jährliche Verlust auf rund fünf Millionen Euro. Der zusätzliche Betrieb eines Mutter-Kind-Zentrums führe zu einem Verlust von insgesamt acht Millionen Euro. Dieses Geld müsste Dresden aus seinem Haushalt beisteuern, denn die Stadt ist Trägerin des Städtischen Klinikums.

Das einzige Szenario, das sich rechnen würde, sei laut Gutachtern eine Akutgeriatrie, also eine stationäre Klinik für Altersmedizin. Diese würde sogar einen Gewinn von jährlich 1,7 Millionen Euro einbringen. Diese Variante scheidet laut Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) allerdings aus, da es bereits eine Geriatrie am Klinikum gebe - an der Löbtauer Straße.

Wann wird der Stadtrat über die Zukunft entscheiden?

Zunächst soll die Krankenhausreform abgewartet werden. Bis zum Sommer soll es einen Gesetzesentwurf geben. Wann der Stadtrat dann über die Zukunft des Neustädter Krankenhauses entscheiden wird, ist aber unklar. Eine endgültige Beschlussfassung über die nächsten Phasen des Zukunftskonzeptes wolle man "zu gegebener Zeit" entscheiden, hatten die Räte 2021 entschieden.