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Wie bleibt Dresden lebenswert?

2018 wurde Dresden vom Bundesforschungsministerium zu einer von acht deutschen "Zukunftstädten" ernannt. Was ist seitdem passiert?

In welche Richtung bewegt sich die sächsische Landeshauptstadt? Wenn es nach den Projektleitern der "Zukunftsstadt" geht, wird Nachhaltigkeit immer wichtiger.
In welche Richtung bewegt sich die sächsische Landeshauptstadt? Wenn es nach den Projektleitern der "Zukunftsstadt" geht, wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. © Sven Ellger

Dresden. Wohnen, Verkehr, Nachhaltigkeit, Menschliches Miteinander. All das sind wichtige Faktoren, die dazu beitragen, dass eine Großstadt von ihren Bewohnern als lebenswert empfunden wird. In Dresden versucht seit 2015 ein von der Stadt finanziertes Forschungsprojekt der Frage nachzugehen: Wie gelingt es, dass sich die Menschen in der Landeshauptstadt auch 2030 noch wohlfühlen?

Vor fünf Jahren hatten sich insgesamt 51 deutsche Städte um den Titel der "Zukunftsstadt" beim Bundesministerium für Forschung und Bildung mit einem Konzept beworben - das Gesamtbudget dafür: über zehn Millionen Euro. 

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In verschiedenen Workshops diskutierten und entschieden insgesamt 650 Dresdner darüber, wie sie ihre Heimatstadt am liebsten in Zukunft sehen würden - und was aus ihrer Sicht dringend verbessert werden muss. 

Nachhaltige Nachbarschaft gegen Fremdenhass

Mit dem Strategiepapier, das aus diesen Workshops hervorging, landete Dresden bei der Fachjury des Ministeriums einen Volltreffer - und wurde 2018 zu einer von acht deutschen "Zukunftsstädten" gewählt. 

Die damalige Vision der Teilnehmer: Dresden soll zum Vorreiter bei umweltfreundlichen Energien werden. Die Stadt soll sich bis 2030 zum größten Teil regional selbst versorgen. Die einzelnen Viertel der Stadt gäben den Dresdnern besonders viel Identität, heißt es ebenfalls in der Bewerbung. Deshalb schlugen die Teilnehmer vor, das nachbarschaftliche Miteinander mehr zu stärken. Mehr Radwege, demokratische Einbindung in lokale Entscheidungen und Nachhaltigkeit als Mittel gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, so lautete der Plan. 

Doch was ist daraus geworden? Am vergangenen Sonnabend zog die Stadt in der Dreikönigskirche Bilanz - dabei kamen auch die Leiter der geförderten Projekte zu Wort. 

Wildobst und triste Schulhöfe: Viele kleine lokale Projekte

Wegen Corona wurde der Rahmen der Veranstaltung allerdings deutlich verkleinert, nur wenige Zuschauer waren vor Ort. Auch Kulturbürgermeisterin Ann-Kathrin Klepsch (Linke) zeigte sich nur am Bildschirm in der heimischen Wohnung mit fast deckenhohen Bücherregalen aus dunklem Holz.

Zukunft? Das ist in Zeiten der Pandemie, in der Tag für Tag schwerwiegende Entscheidungen anstehen, auch für Klepsch gerade eher fremd. Das virtuelle Treffen illustriere "die Bedingungen, unter denen wir handeln", sagte die Politikerin. Corona zeige aber auch, dass sich schnell etwas ändern könne, wenn es notwendig ist. 

Klepsch verwies auf die vielen lokalen Projekte, die momentan in Dresden gefördert werden. Dazu zählt zum Beispiel "Zur Tonne", eine Initiative, die an verschiedenen Orten der Stadt regelmäßig warme Mahlzeiten aus aussortierten Lebensmittels kocht. 

Die Gruppe "Essbarer Stadtteil Plauen" hingegen erntet zusammen mit Menschen aus dem Stadtteil Wildobst, um daraus zum Beispiel Marmeladen oder Kuchen herzustellen. In der Johannstadt wiederum gestaltet der Stadtteilverein zusammen mit Eltern, Lehrern und Schülern triste zubetonierte Pausenhöfe neu. 

Hat die "Zukunftsstadt" wirklich Einfluss?

Klar ist: Die große Zukunft Dresdens wurde und wird hier nicht entschieden. Das bleibt der Politik überlassen. Doch dass die Projekte durchaus einen Effekt auf die Stadtgesellschaft haben, zeigt sich am Beispiel "Autofreie Neustadt". 

Eigentlich war die Woche, in der getestet werden sollte, wie es sich ohne PKW-Verkehr im Szeneviertel lebt, bereits im August geplant und musste wegen Corona verschoben werden. Doch die generelle Idee hat bis in den Stadtrat für heftige Diskussionen gesorgt. 

Projektbetreuerin Anja Dietel zeigte sich am Sonnabend überzeugt, dass die "Zukunftsstadt" mit ihrer Projektstrategie richtig fährt. Allerdings muss sich erst noch zeigen, ob die Stadt Dresden im kommenden Jahr auch weiterhin so viel Energie in die lokalen Ideen stecken kann. Schon jetzt befürchten viele Sozialarbeiter und Kulturschaffende, dass im neuen Haushalt massiv Gelder für freiwillige kommunale Aufgaben gestrichen werden könnten.

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"Pflichtaufgaben sind eben prioritär", sagt Dietel. Sie ruft neben Freiwilligen auch Spender dazu auf, sich mit Geld an den Projekten zu beteiligen. Die Gegenwart der Pandemie - sie überschattet auch in der Stadtpolitik die großen Fragen des 21. Jahrhunderts. 

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