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Als Dresdens Zwinger bloß "Vorgarten" war

Sachsens berühmtestes Bauwerk, der Dresdner Zwinger, bekommt eine eigene Ausstellung. Für Besucher soll das ein Erlebnis wie im 3-D-Kino sein.

August der Starke wollte einen Prachtbau errichten, der sich bis zur Elbe erstreckt. Diese Visualisierung zeigt Pöppelmanns Repräsentationsentwurf von 1716/18 für das Residenzareal. Darin hätte der Zwinger nur die Rolle eines „Vorgartens" gespielt.
August der Starke wollte einen Prachtbau errichten, der sich bis zur Elbe erstreckt. Diese Visualisierung zeigt Pöppelmanns Repräsentationsentwurf von 1716/18 für das Residenzareal. Darin hätte der Zwinger nur die Rolle eines „Vorgartens" gespielt. © Visualisierung: Schlösserland Sachsen

Dresden. „Was für eine Pracht“, schwärmt August der Starke beim Anblick seines Zwingers, als er mit dem Fesselballon hoch oben schwebt und seinen prächtigsten Bau bewundert. Mit dabei sein Hofarchitekt Matthäus Daniel Pöppelmann, der die Ideen seines Gebieters umsetzen musste.

Unterwegs sind sie bei einer humorvoll gestalteten Zeitreise durch die Zwingergeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Dresdner und ihre Gäste können die audiovisuelle Präsentation „Zwinger Xperience“ noch in diesem Frühjahr erleben. Die Erlebnisausstellung des Schlösserlands Sachsen trägt den Titel „Macht, Epochen, Dimensionen. Eine Zeitreise“.

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Vieles sieht einfach aus, doch dahinter steckt viel Forschung. Saechsische.de stellt elf Erfindungen aus Sachsen vor, die das Leben besser oder eben schöner machen.

Darin werden Etappen der Zwinger-Entwicklung auf sehr anschauliche Weise dargestellt. In fünf speziellen Welten, sogenannten Sphären, erleben Besucher viele Aspekte der Zwinger-Geschichte. „Es ist eines der wichtigsten Projekte, das wir seit Langem gemacht haben“, sagt Schlösserland-Geschäftsführer Christian Striefler, der mit Kurator Dirk Welich Besonderheiten der außergewöhnlichen Präsentation erläutert.

Kurator Dirk Welich (l.) und Schlösserland-Chef Christian Striefler freuen sich, dass die neue Zwinger-Ausstellung in der Bogengalerie L noch im Frühjahr öffnen kann. Derzeit ist die Installation der Einbauten und der Technik schon weit fortgeschritten.
Kurator Dirk Welich (l.) und Schlösserland-Chef Christian Striefler freuen sich, dass die neue Zwinger-Ausstellung in der Bogengalerie L noch im Frühjahr öffnen kann. Derzeit ist die Installation der Einbauten und der Technik schon weit fortgeschritten. © Sven Ellger

Die Vorgeschichte: Vor 15 Jahren erste Ideen

Der Zwinger ist mit bis zu fünf Millionen Gästen das bekannteste und meistbesuchte Bauwerk Sachsens. Kurfürst August der Starke hatte ihn ab 1709 als Winterquartier für seine Orangenbäume errichten lassen. Damit wollte er mit dem Schloss Versailles und der Wiener Hofburg konkurrieren. 1719 wurde der Zwinger anlässlich der Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha eingeweiht.

„Aber nirgends erfährt man, wie der Zwinger entstanden ist und was im Laufe der Jahrhunderte geschehen ist“, sagt Striefler. Genau das wolle das Schlösserland Touristen, Dresdnern und auch allen Sachsen vermitteln. Einige Zeittafeln und alte Stücke in der Ausstellung würden jedoch keinen vom Hocker reißen.

Deshalb sei vor knapp 15 Jahren das Forschungsprojekt mit Medieninformatikern der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) gestartet worden. Die 14 Bau- und Planungszustände des Zwingers sollten den Besuchern sehr anschaulich nahegebracht werden, erläutert Kurator Welich. Vor acht Jahren gab es die ersten konkreten Pläne.

Der Vorgeschmack: 160.000 Besucher in der Filmkuppel

Ab Juni 2019 konnten Besucher ein Jahr lang einen ersten Eindruck davon gewinnen. Dafür hatte Schlösserland die Filmkuppel im Zwingerhof aufgebaut. Gezeigt wurde eine kurzweilige audiovisuelle 270-Grad-Projektion mit Szenen vom Jupiterfest, dem größten von insgesamt sieben Planetenfesten im Zuge der Jahrhunderthochzeit 1719. Zu sehen war eine nachempfundene Vorführung des Reiterballetts mit 64 Pferden, wie sie die Gäste von Kurfürst August dem Starken erlebt hatten. Über 160.000 Besucher kamen.

In dieser Filmkuppel im Zwingerhof konnten über 160.000 Besucher bis Juni 2020 die Präsentation des Reiterballetts zur Jahrhunderthochzeit 1719 erleben.
In dieser Filmkuppel im Zwingerhof konnten über 160.000 Besucher bis Juni 2020 die Präsentation des Reiterballetts zur Jahrhunderthochzeit 1719 erleben. © Sven Ellger

Das Erlebnis: Zwinger-Geschichte wie im 3-D-Kino

Für die neue Ausstellung wurden die Bogengalerie L und der Französische Pavillon im Zwinger vom Freistaat ausgebaut. „Die Ausstellung ist geplant für eine große Anzahl von Touristen, die wenig Zeit haben“, sagt der Kurator. Deshalb werden alle kulturgeschichtlich wichtigen Aspekte in etwa einer halben Stunde in fünf Sphären anschaulich präsentiert. Für Besucher soll das ein Erlebnis wie im 3-D-Kino sein.

Das ist eine der Sphären, in denen eine audiovisuelle Präsentation in der Zwinger-Ausstellung gezeigt wird.
Das ist eine der Sphären, in denen eine audiovisuelle Präsentation in der Zwinger-Ausstellung gezeigt wird. © Sven Ellger

Die Zeitreise: August konnte nicht alles umsetzen

In der ersten Sphäre erhalten Besucher zum Auftakt einen Überblick zur Orangerie, der Festarchitektur, dem Baugeschehen und weiteren Aspekten. Anschließend erleben bis zu sechs Besucher in der zweiten Sphäre in einem Rondell mit Projektionsflächen die knapp sieben Minuten lange Zeitreise mit dem Ballon.

Sie erstreckt sich von Pöppelmanns ersten kühnen Plänen, bei denen der heutige Zwinger nur der "Vorgarten" war, über die Jahrhunderte hinweg bis zur Zerstörung und dem Wiederaufbau nach 1945. August und Pöppelmann plaudern dabei ganz locker.

In der zweiten Sphäre plaudert August der Starke, hier auf dem Fürstenzug, ganz locker mit seinem Hofarchitekten Pöppelmann über die Entwicklung des Zwingers..
In der zweiten Sphäre plaudert August der Starke, hier auf dem Fürstenzug, ganz locker mit seinem Hofarchitekten Pöppelmann über die Entwicklung des Zwingers.. © Sven Ellger

„Trotz aller Verluste haben sie ihn wieder aufgebaut“, resümiert August am Schluss glücklich. „Der Zwinger bleibt eine beständige Erinnerung an unsere Zeit inmitten einer modernen Stadt. Gar nicht so schlecht, Pöppelmann.“

Der Herkules: Orangen-Liebhaber zeigt Machtanspruch

Im Anschluss erleben Besucher in einer dritten Sphäre die Orangerie Augusts, die auf Fenster projiziert wird. So bekommt man den Eindruck, durch sie in den Zwinger zu schauen. Dabei ist auch Herkules zu sehen, der die Weltkugel hält. Er steht auf dem Wallpavillon und symbolisiert die Verschmelzung von griechischer Mythologie und Augusts Machtanspruch.

Die Prinzenhochzeit: Besucher erleben Reiterballett

In der vierten Sphäre werden Szenen vom Jupiterfest, des größten von insgesamt sieben Planetenfesten im Zuge der Jahrhunderthochzeit 1719, gezeigt. Zu sehen sein wird in einer 270-Grad-Projektion eine nachempfundene Vorführung des Reiterballetts mit 64 Pferden, wie sie vor 300 Jahren die Gäste erlebt hatten.

Diese 3-D-Visualisierung zeigt eine Szene vom Jupiterfest bei der Jahrhunderthochzeit 1719. Damals heiratete Kurprinz Friedrich August die habsburgische Kaisertochter Maria Josepha.
Diese 3-D-Visualisierung zeigt eine Szene vom Jupiterfest bei der Jahrhunderthochzeit 1719. Damals heiratete Kurprinz Friedrich August die habsburgische Kaisertochter Maria Josepha. © Visualisierung: Schlösserland Sachsen

Das Finale: Fahrradtour in virtueller Welt durch Zeittore

„Die fünfte und letzte ist unsere innovativste Sphäre“, erklärt Kurator Welich. Dabei fahren die Besucher wie bei einer Radtour strampelnd durch Zeittore. In einer virtuellen Welt betrachten sie aus der Froschperspektive durch eine Spezialbrille die Zwingergebäude in Kombination mit den ursprünglichen Entwürfen. Dabei erstreckt sich der Zwinger bis zur Elbe hin. „Es ist imposant, diese Entwürfe zu sehen, die fast keiner kennt“, sagt Welich.

Die Eröffnung: Besucher zahlen zehn Euro Eintritt

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Ursprünglich war geplant, die Ausstellung ab Anfang April zu zeigen. „Wegen der Coronakrise können wir sie aber nicht vor Ende April öffnen“, sagt Schlösserland-Chef Striefler. Stündlich können bis zu 80 Besucher die Präsentationen erleben. Erwachsene zahlen dafür zehn Euro, Ermäßigte acht Euro Eintritt. Geplant ist, die Ausstellung täglich von 10 bis 18 Uhr zu öffnen.

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