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Marmor-Prunkvasen für den Großen Garten

Nach Jahren sind die außergewöhnlichen Kunstwerke für Dresdens Großen Garten fertig geworden. Wann sie wieder am Eingang der Hauptallee stehen werden.

Freude über das besondere Kunstwerk. Tillmann Richter, Bärbel Hempel, Romy Kumann, Eva-Maria Rausch (v.l.) und weitere Steinbildhauer haben die Teile dieser Prunkvase geschaffen. Jetzt wurde sie probeweise in Großenhain zusammengebaut.
Freude über das besondere Kunstwerk. Tillmann Richter, Bärbel Hempel, Romy Kumann, Eva-Maria Rausch (v.l.) und weitere Steinbildhauer haben die Teile dieser Prunkvase geschaffen. Jetzt wurde sie probeweise in Großenhain zusammengebaut. © Kristin Richter

Dresden. Für Tillmann Richter ist das ein besonderer Tag. Monatelang hatte der Steinbildhauer an zwei Frauenköpfen gearbeitet. Jetzt zieren sie die Prunkvase „Vier Elemente“. Sie steht im Hof der Großenhainer Naturstein- und Denkmalpflegefirma Witschel, wo der 40-Jährige arbeitet, gleich neben der Prunkvase „Vier Erdteile“.

Richter und weitere neun Steinbildhauerinnen und Steinbildhauer aus Dresden, Potsdam und Berlin hatten die Einzelteile hergestellt. In den vergangenen Tagen waren sie zusammengefügt und mit Gewindestangen aus Edelstahl verschraubt worden. An diesem Tage treffen sich die Fachleute an den Prunkvasen. Dabei handelt es sich jedoch noch um einen Testaufbau, bei dem begutachtet wird, ob alles gut zusammenpasst.

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Im Großenhainer Natursteinbetrieb Hartmut Witschel hatten sich die Steinbildhauer getroffen, die die Prunkvasen aus Carrara-Marmor hergestellt haben.
Im Großenhainer Natursteinbetrieb Hartmut Witschel hatten sich die Steinbildhauer getroffen, die die Prunkvasen aus Carrara-Marmor hergestellt haben. © Kristin Richter

Die Originale der Dresdner Prunkvasen standen bis 2007 am Zugang zum Großen Garten an der Lennéstraße. Seitdem sind die Sockel an der Hauptallee verwaist. „Sie waren nicht mehr standsicher“, erläutert Kai-Uwe Beger, der als Sachgebietsleiter des Staatsbetriebes Sächsisches Bau- und Immobilienmanagement (SIB) dafür zuständig ist. Im Marmor gab es Risse. Zudem waren die Eisenstäbe, die die Einzelteile miteinander verbinden, verrostet. Bei ihrem Alter ist das aber kein Wunder.

Die Prunkvasen „Vier Elemente“ und „Vier Erdteile“ wurden vom berühmten italienischen Bildhauer Antonio Corradini um 1720 hergestellt. Sachsens Kurfürst August der Starke hatte seine Einkäufer losgeschickt, um Kunstwerke aus Carrara-Marmor zu erwerben und ab 1728 im Großen Garten aufstellen zu lassen. „Es war ein Prestigeprojekt“, erläutert Beger. 1730 kamen Corradinis Vasen in den Großen Garten, wo damals etwa 200 Marmorskulpturen aufgestellt wurden. Seit 1830 standen die Prunkvasen an der Hauptallee. Sie gehören zu den heute noch 37 Skulpturen im Großen Garten.

Diese Postkarte zeigt einen Blick zum Königlich Großen Garten um 1910. Zu dieser Zeit hatten die Prunkvasen schon 80 Jahre dort gestanden.
Diese Postkarte zeigt einen Blick zum Königlich Großen Garten um 1910. Zu dieser Zeit hatten die Prunkvasen schon 80 Jahre dort gestanden. © Archiv Holger Naumann

Das Problem: Zwar wurde auf die Vasen eine spezielle Lösung aufgetragen, um die Substanz des eigentlich sehr harten Marmors zu festigen. Doch im Freien können die maroden Skulpturen nicht mehr aufgestellt werden. Deshalb fiel 2016 die Entscheidung, die Prunkvasen zu kopieren.

Zuerst hatte der SIB den Bildhauer Andreas Klein aus Potsdam beauftragt, in den Steinbrüchen um Carrara bei Pisa geeignete Blöcke für die tonnenschweren Vasen zu beschaffen. Ein von der Bauhütte Pisa vermittelter Fachmann hatte für die Dresdner den Marmor mit Ultraschall getestet. Die tonnenschweren Blöcke für diese und weitere Skulpturen im Großen Garten, wie „Die Zeit raubt die Schönheit“, rollten mit Tiefladern über den Brennerpass nach Deutschland.

2018 hatte der SIB die Fachleute beauftragt, die Einzelteile zu kopieren. Damit sollte ihnen die Gelegenheit gegeben werden, das Wissen und die Fähigkeiten bei der Marmorbearbeitung zu erweitern. „Denn sie ist fast dreimal so aufwendig wie die von Sandstein“, erläutert Beger. Schließlich ist das Material sehr hart. Bei Corradini entstanden die Teile in einer Werkstatt, die Kopien wurden jetzt von zehn Fachleuten gefertigt.

Für Steinbildhauer Richter eine enorme Herausforderung. „Dabei kommt es auf den Millimeter an“, erklärt der Fachmann. Der gelernte Steinmetz aus Naunhof bei Großenhain hatte nach dem Abitur bei der Firma Witschel zuerst Steinmetz gelernt und später im italienischen Südtirol noch einen Abschluss als Marmor-Bildhauer erworben. Seitdem hat er unter anderem Kunstwerke für den Park von Schloss Sanssouci, für das Moritzburger Schloss, für die Frauenkirche und das Dresdner Residenzschloss geschaffen.

Für ihn war es nicht einfach, Kopien von den originalen Köpfen der alten Vase zu fertigen. „Die Oberfläche war stark verwittert“, berichtet er. Doch der Fachmann fand eine Lösung: „Mit Knete hatte ich die Originaloberfläche wieder hergestellt.“ Dann brachte er den Marmorblock in eine grobe Form, sodass die genauen Maße vom Original mit einem Punktiergerät übertragen werden konnten. Richter bearbeitete den Marmor mit dem Presslufthammer und stellte mit Hammer und Meißel die Feinheiten her. „Letztlich habe ich die Köpfe mit der Raspel und mit Schleifpapier fein bearbeitet“, erläutert der Bildhauer. Währenddessen hatte sein Dresdner Kollege Oliver Matz die Köpfe für die andere Prunkvase gefertigt.

Monatelang hatte der Dresdner Steinbildhauer Oliver Matz daran gearbeitet, diesen und einen weiteren Frauenkopf vom Original (r.) zu kopieren.
Monatelang hatte der Dresdner Steinbildhauer Oliver Matz daran gearbeitet, diesen und einen weiteren Frauenkopf vom Original (r.) zu kopieren. © Sven Ellger

Besonders aufwendig sei es gewesen, die kleinen Perlen in den Kronen der beiden Frauenköpfe herzustellen, so Richter. „Es ist die größte Gefahr, dass sie bei der Bearbeitung abbrechen. Dann hätte ich noch einmal von vorn beginnen müssen.“ Doch das war nicht nötig. Der Probeaufbau im Hof der Großenhainer Firma ist nötig, um keine böse Überraschung zu erleben. „Es ist schön, jetzt zu erleben, dass alles gut zusammenpasst“, sagt er. Auch die Farbtöne der verschiedenen Marmorteile würden sehr gut harmonieren.

Ein Blick auf die beiden Prunkvasen. Im Vordergrund sind Details der Vase "Vier Erdteile" zu sehen.
Ein Blick auf die beiden Prunkvasen. Im Vordergrund sind Details der Vase "Vier Erdteile" zu sehen. © Kristin Richter

Darüber freuen sich auch Bärbel Hempel, Eva-Maria Rausch und Romy Kumann, die im Dresdner Industriegelände eine Steinbildhauer-Werkstatt betreiben. Die Kunsthandwerkerinnen hatten den Deckel und das Unterteil der Vase „Vier Elemente“ hergestellt. Bärbel Hempel erinnert sich noch daran, wie sie aus dem 2,5 Tonnen schweren Marmorblock die Teile mit dem Winkelschleifer zuschneiden musste. „Ich hatte vorher zwar schon viel mit Sandstein gearbeitet, mit Marmor aber noch nicht“, sagt die 40-Jährige. „Das war für uns der Einstieg in die Marmorbearbeitung.“

Genau das war auch das Ziel des SIB, erklärt Sachgebietsleiter Beger. „Damit wollten wir die Kunstfertigkeiten der Bildhauerinnen und Bildhauer fördern. Die Jüngeren sollten von den älteren lernen“, erläutert er. Dabei sei es keineswegs einfach, die Werke von Corradini zu kopieren.

Seit 14 Jahren sind diese Sockel am Zugang zur Hauptallee verwaist. Noch im Spätsommer sollen die Prunkvasen wieder dort stehen.
Seit 14 Jahren sind diese Sockel am Zugang zur Hauptallee verwaist. Noch im Spätsommer sollen die Prunkvasen wieder dort stehen. © SZ/Peter Hilbert

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„Jetzt sind wir sehr zufrieden und beeindruckt, was Sie geschaffen haben“, sagt er den in Großenhain versammelten Kunsthandwerkern. Auch die Dresdner werden bald die Prunkvasen bewundern können. Im September bauen sie die Kunsthandwerker am Großen Garten zusammen und heben sie auf ihre Sockel. Am 17. September sollen die Prunkvasen übergeben werden, kündigt Beger an.

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