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Masken-Ärger um Dresdner Kopierladen

Im Druckgeschäft "Copy Cabana" bei der TU Dresden wird die Corona-Maskenpflicht missachtet. Die Uni empfiehlt, den Laden zu meiden. Boykott, sagt der Besitzer.

Umstrittener-Copy-Shop: Das Copy Caban auf der Dresdner Helmholtzstraße.
Umstrittener-Copy-Shop: Das Copy Caban auf der Dresdner Helmholtzstraße. © Sven Ellger

Dresden. Das grün-gelbe Schild wirkt zwischen den hohen dunkelgefärbten Universitätsgemäuern wie ein bunter Farbklecks. Copy Cabana steht in braunen Lettern darauf, daneben lugt eine gemalte Palme hervor. "Drucken. Kopieren. Binden. Plotten", damit wirbt ein Druckereigeschäft an der TU Dresden.

Wenn Kaffee für Studierende zu den lebensnotwendigen Dingen gehört, dann sollte auch ein Kopierladen dazuzählen. Skripte, Diplomarbeiten oder Baupläne - normalerweise gehen viele Studierende ins "Copy Cabana". Da drinnen rattern für gewöhnlich die Druckmaschinen, die Luft riecht nach Tintenpatronen und frischem Papier, Schlange stehen für die Hausarbeit gehört hier zum Alltag. Doch seit Pandemie-Zeiten ist es ruhig geworden im "Copy Cabana" am Campus der TU Dresden. Das hat mehrere Gründe.

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"Überall sind Viren - wir sind viral. Team Impffrei. Wusstest du, dass keine Maske nachweislich vor Viren schützt?", steht auf den Flyern und Plakaten vor dem Kopierladen. Eine große Schautafel macht jeden Tag auf die aktuellen Corona-Zahlen aufmerksam. "99,65 Prozent aller Einwohner in Deutschland sind von Corona nicht betroffen. Denken Sie selbst und ziehen Sie die richtigen Schlüsse?" Es macht den Anschein, dass der Inhaber den Maßnahmen kritisch gegenübersteht. Besonders gegenüber der Mund-Nasen-Bedeckung.

"Kein Mundschutz trotz Pandemie"

"Wir bedienen auch gern ohne Maulkorb": Aufsteller vor dem umstrittenen Geschäft.
"Wir bedienen auch gern ohne Maulkorb": Aufsteller vor dem umstrittenen Geschäft. © Google/Luisa Zenker

Das zeigen auch Google-Bewertungen: "Schade, dass kein Wert auf die geltende Mundschutzpflicht gelegt wird und auch kein Hygienekonzept ausgearbeitet ist. Mit dem aktiven Hinweis darauf, auf einen Mundschutz zu verzichten wird nicht nur den hier einkaufenden Menschen, sondern auf lange Sicht allen geschadet. Die Missachtung der Mundschutzpflicht ist keine Meinungsfreiheit, sondern verantwortungslos", schreibt jemand bei Google-Rezensionen. Eine andere Person kommentiert: "Kein Mundschutz trotz Pandemie."

Seit Sommer 2020 seien gehäuft Hinweise auf Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen von Studierenden an die Universitätsleitung herangetragen worden, so Konrad Kästner, Sprecher der TU Dresden. Die Ursache: Die Maskenpflicht werde missachtet. Kunden sorgten sich vor einer Corona-Infektion, weil Maßnahmen im Laden nicht konsequent eingehalten würden. Andere kritisierten, der Laden würde als Plattform für Panikmache und Verbreitung von Verschwörungsideologien genutzt.

Coronaskepsis an der TU Dresden?

Stutzig machte die Studierenden, dass auf der Webseite des Copy-Shops das TU- Logo zu finden war. Auch gibt es im Copy Cabana exklusive Skripte von Lehrpersonen der TU Dresden, die nur in dem Kopierladen erhältlich sind. Hat der corona-skeptische Laden etwas mit der Universität zu tun? Nein, es gebe zwar eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der TU Dresden, aber keinen gemeinsamen Vertrag oder ähnliches, sagt TU-Sprecher Kästner. Der Laden ist privat und gehört dem Inhaber Paul-Stefan Scholz.

Trotzdem wurde das Rektorat unruhig. Man sorgte sich um Studierende, die in einem campusnahen Kopierladen ihre Skripte druckten, wo augenscheinlich die Infektionsmaßnahmen nicht eingehalten würden. Die TU Dresden informierte den Inhaber mehrmals über die Ängste der Studierenden. Im Januar 2021 habe es dann erneute Hinweise auf Verstöße gegeben, so TU-Sprecher Kästner.

Die TU Dresden empfiehlt, das Geschäft zu meiden

Die Universität hat deshalb im Februar beschlossen, ein Schreiben an alle Studiendekane, also die Vorsitzenden einer jeden Studienfakultät, zu senden. Darin heißt es: "Aus Fürsorgepflicht und um die Mitglieder der TU Dresden vor einem erhöhten Infektionsrisiko zu schützen, möchten wir darauf hinweisen, dass sofern sich die Copy Cabana Digitaldruckerei weiterhin nicht an die Corona-Schutz-Maßnahmen halten sollte, auf alternative Angebote, etwa andere campusnahe Copy-Shops, ausgewichen werden sollte." Die TU Dresden empfiehlt also, das Copy Cabana zu meiden und andere Kopierläden zu nutzen. Darf sie das?

Der Inhaber des Kopierladen sieht darin einen Boykottaufruf. Einige Studierende pflichten ihm bei, sie kritisieren die Hochschule wegen der Meinungsäußerung, die Uni sei doch eigentlich als öffentliche Einrichtung der politischen Neutralität verpflichtet. In einem offenen Brief an die Uni schreiben sie:

"Es ist mitnichten die Aufgabe der TU Dresden, über die Haltung eines privaten Unternehmers zu einem derzeit viel diskutierten Virus zu befinden. Für uns ist es nicht nachvollziehbar, woraus die Leitung der Technischen Universität das Mandat zu derartigen Stellungnahmen ableitet." Die Lehramtsstudentin Almut liest den Brief auch bei der Kundgebung am 3. Mai von Querdenken351 auf dem Dresdner Altmarkt vor. Eine Antwort von der Unileitung auf den Brief blieb bisher aus. Er sei anonym verfasst gewesen, heißt es von Seiten der TU Dresden.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

"Denke selbst! Ziehe die richtigen Schlüsse!" Ein anderer Aufsteller vor dem Copy-Shop.
"Denke selbst! Ziehe die richtigen Schlüsse!" Ein anderer Aufsteller vor dem Copy-Shop. © Sven Ellger

Der Ladeninhaber Paul-Stefan Scholz entschied deshalb Anfang März, die Uni zu verklagen. Der Vorwurf lautet: Eingriff auf die Ausübung der Berufsfreiheit. Er sah die Existenz seines Geschäfts durch das Schreiben bedroht. Das Verwaltungsgericht Dresden lehnte seinen Antrag ab, die Begründung:

Der Eingriff in die Berufsfreiheit des Kopierladeninhabers sei durch die Schutzpflicht der TU Dresden legitimiert gewesen, erklärt Robert Bendner, Sprecher des Verwaltungsgerichts Dresden.

"Ich bin kein Coronaleugner"

Äußern möchte sich Inhaber Scholz nicht. Er glaube nicht, an eine wahrheitsgetreue Berichterstattung. Warum er keine Maske trägt, erklärt er in einer Google-Bewertung: "Ich selbst bin im Besitz einer ärztlich attestierten Befreiung vom Mund- und Nasen-Schutz ("Alltagsmaske"). Man beachte die offizielle Wortwahl... Der Grund ist psychischer Natur, weil ich mit Atemproblemen und angstmachenden Engegefühlen zu kämpfen habe." Später schreibt er noch: "Ich bin kein Coronaleugner! Mit hoher Sicherheit haben Sie meine Aushänge nicht gelesen oder nicht verstanden."

Die finanzielle Situation scheint sich seitdem für den Inhaber verschlechtert zu haben, er startete einen Spendenaufruf, um die Prozesskosten zahlen zu können. In einem Schaufenster macht er auf seine Not aufmerksam. Seit mehreren Monaten hat sein Laden auf Grund der pandemiebedingten Maßnahmen geschlossen. Drucken geht nur per Bestellung und Abholung. Druck-to-go sozusagen. Die Studierenden bleiben wegen der digitalen Hochschullehre zuhause und kommen nicht, um Skripte bei ihm zu drucken.

Aber noch aus einem weiteren Grund meiden die Studierenden den Laden: "Ich gehe da nicht hin. Der Laden nimmt die Pandemie nicht ernst und zeigt: Wir haben kein Interesse daran, unsere Mitmenschen und insbesondere Risikogruppen zu schützen", sagt die studentische Senatorin Lara Edtmüller. Ein Großteil denke so, sagt sie. Sie sieht in dem Informationsschreiben der TU Dresden keinen Boykottaufruf, sondern eine wichtige Einordnung gefährlicher Aussagen. Das Urteil des Verwaltungsgerichts könne die Studentin sehr gut nachvollziehen. Derweil erhält der Kopierladen fast jeden Tag positive Bewertungen. "Die beste Druckerei in der Umgebung. Ausgezeichnete Druckqualität, sehr faire Preise und absolut verlässlicher Service. Höchste Empfehlung", schrieb zuletzt eine Kundin.

Anmerkung: In der ursprünglichen Fassung war irrtümlicherweise noch ein zweiter Besitzer des Kopier-Geschäftes angegeben. Paul-Stefan Scholz ist aber seit 2020 alleiniger Inhaber des Kopierladens "Copy Cabana". Wir bitten den Fehler zu entschuldigen und haben ihn im Text korrigiert.

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