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Prozess: Mit der Fahrertür ein Auto geschrottet

Auch Supermarkt-Parkplätze können ein gefährliches Terrain sein. Warum ein ungeduldiger Arzt jetzt wegen Unfallflucht verurteilt wurde.

Einen solchen schönen Zettel hatte der Angeklagte nicht hinterlassen, nachdem er bei Aussteigen aus seinem SUV einen VW demoliert hatte. Stattdessen fuhr er ohne zu warten weiter.
Einen solchen schönen Zettel hatte der Angeklagte nicht hinterlassen, nachdem er bei Aussteigen aus seinem SUV einen VW demoliert hatte. Stattdessen fuhr er ohne zu warten weiter. © Archivfoto: Thomas Fiedler

Dresden. Mit nur einer Handbewegung könnte ein Dresdner Arzt möglicherweise ein wenig für die Umwelt geleistet haben, so eine nicht sehr emphatische Deutungsmöglichkeit des Geschehens an jenem Tag. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich allerdings wenig dankbar, sondern verfolgte einen 60-jährigen Mediziner wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort.

Es geschah an einem Oktober-Montag 2020 auf dem Parkplatz eines Striesener Supermarktes: Der Doktor hatte mit seinem imposanten Range Rover hinter einem Passat Baujahr 2009 gehalten, um dort auszusteigen. Ob er den VW wahrgenommen hat, ist nicht bekannt. Ironisch betrachtet könnte man sagen, der Mann habe der Umwelt einen Gefallen getan: Beim Öffnen der Fahrertür seines SUV zerstörte er nämlich den elf Jahre alten Passat wirtschaftlich. Ein altes Auto weniger auf der Straße? Zumindest dem VW-Fahrer dürfte dieser Eingriff in die Ökobilanz kaum Freude gemacht haben.

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Das eingeschlagene Rücklicht und eine Beule in der Stoßstange verursachten einen gutachterlich festgestellten Schaden von mehr als 2.300 Euro. Bei dieser Summe gab die Staatsanwaltschaft das Zählen auf, weil die vermeintlichen Reparaturkosten längst den Zeitwert des demolierten Kombis übertrafen. Zum Problem für den Arzt wurde, dass er die Unfallstelle verlassen hatte. Doch es gab Videobilder und so erhielt der bislang nicht vorbestrafte Rover-Fahrer per Strafbefehl eine Geldstrafe nebst Fahrverbots. Ein Routine-Fall.

Schaden ist reguliert

Nun stand der 60-Jährige jedoch persönlich vor Gericht, er hatte seinen Strafbefehl nicht akzeptiert. Sein Glück, er hat eine Rechtsanwältin in seiner Familie, die nun an seiner Seite saß. Die Verteidigerin machte keinen Hehl aus dem Augenblicksversagen des Angeklagten, berichtete aber, der Unfallschaden sei längst reguliert. Zwar sei die Höhe des Schadens „nach wie vor nicht nachvollziehbar“, doch der Angeklagte wolle sich nicht streiten. Er bitte das Gericht nur um eine mildere Strafe. Könnte man nicht auf das Fahrverbot verzichten?

Während die Anwältin in einem Rechtsgespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit wohl um das Fahrverbot feilschte, berichtete der Arzt, er sei wegen dieser unnötigen Geschichte von seiner Kfz-Versicherung – angeblich – um monatlich 300 Euro nach oben eingestuft worden. 3.600 Euro im Jahr? „Ja.“ Der Schaden habe aus seiner Sicht dagegen nur bei wenigen Hundert Euro gelegen – bei so einem alten Auto. „Ich habe angeboten, das machen zu lassen.“ Eigentlich sei er doch nur, jetzt wurde es wieder „ökologisch“, zum Altglascontainer weitergefahren.

Richterin Birgit Keeve verurteilte den ungeduldigen Arzt zu einer Geldstrafe von 4.500 Euro (30 Tagessätze) und einem Fahrverbot von drei Monaten. Sie beschrieb den Schaden als weit erheblicher als der Angeklagte, der einfach nur an der Unfallstelle hätte warten müssen.

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