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Drogenprozess: Mit der Türramme ins Dealerversteck

In Dresden soll ein Pärchen 14 Kilo Crystal und andere Drogen in einer Einraumwohnung gehortet haben. Ein kurioser Fund der Polizei.

Im Oktober schnappte die Polizei ein Pärchen, in dessen Wohnung 14 Kilo Crystal sichergestellt wurde. Jetzt stehen die beiden Angeklagten vor dem Landgericht Dresden.
Im Oktober schnappte die Polizei ein Pärchen, in dessen Wohnung 14 Kilo Crystal sichergestellt wurde. Jetzt stehen die beiden Angeklagten vor dem Landgericht Dresden. © dpa

Dresden. Es ist noch nicht lange her, da war eine Menge von 14 Kilo Crystal mehr, als Polizei und Zoll in einem ganzen Jahr sicherstellten. Ein Schmuggler, der mit zweieinhalb Kilo an der Grenze erwischt wurde, wanderte für acht Jahre in staatliche Obhut. Am 3. Oktober 2020 soll Sandor S. 14 Kilo Crystal in seiner Wohnung in der Reitbahnstraße aufbewahrt haben. Als die Polizei nachmittags vor seiner Wohnungstür stand, soll er eine Tasche mit rund 13 Kilo der aggressiven Partydroge von seinem Balkon im siebten Obergeschoss auf den darunterliegenden Balkon geworfen haben. Eine atemberaubende Menge. Der Straßenverkaufspreis dürfte bei weit mehr als einer halben Million Euro liegen.

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Der 32-jährige Ungar Sandor S. und seine damalige Partnerin Mercedesz F. (26) sitzen seit jenem Wochenende in Untersuchungshaft. Jetzt hat ihr Prozess wegen gemeinschaftlichen Handels von Betäubungsmitteln am Landgericht Dresden begonnen. Die Einraumwohnung war voll mit Drogen, wie sich aus der Anklageschrift ergab. Die Beamten stellten in der eilig entsorgten Sporttasche in 28 Plastikschalen abgepackte Mengen von jeweils 400 bis 500 Gramm des Crystal-Gemischs sicher, dazu ein paar Gramm Marihuana.

In der Küchenzeile fand die Polizei eine weitere Sporttasche mit einem dreiviertel Kilo und in der Stube unter Bekleidung versteckt noch einen Beutel mit 270 Gramm. Außerdem entdeckten die Ermittler in der Küchenzeile, in einem Flurtisch und einem Schrank weitere, weit kleinere Mengen Methamphetamin und Marihuana sowie zwölf Ecstasy-Pillen, dazu Feinwaagen und anderes Zubehör. Nicht zu vergessen ein Cliptütchen mit zwölf Gram Crystal, dass S. auch vom Balkon auf die Straße geworfen hatte – vor den Augen eines Polizisten, der den spontanen Einsatz vor dem Haus abgesichert hatte.

„Lagebereinigung“ nennt das die Polizei

Während die Mitangeklagte schwieg, erklärte Verteidiger Carsten Brunzel, sein Mandant sei erst im Juni 2020 aus der Haft entlassen worden. Er habe über Bekannte die Wohnung gemietet und die Mitangeklagte, seine angehende Ehefrau aus Ungarn zu sich geholt. S. habe ihr ein gemeinsames Leben in Deutschland versprochen. Er habe sich ohne das Wissen seiner Partnerin dazu entschieden, über den Handel mit Drogen zu Geld zu kommen.

Mercedes F. habe davon nichts gewusst. Sie habe kaum Deutsch gesprochen und sei meist zu Hause gewesen, S. sei der einzige gewesen, der über die notwendigen Kontakte verfügt habe. Erst kurz vor der Verhaftung sei es zu einem Zerwürfnis des Paars gekommen, als F. die Drogen entdeckt habe, so Brunzel.

Ein Ermittler vom Kriminaldauerdienst berichtete als erster Zeuge, an dem Tag habe sich eine Frau gemeldet, die von ihrem Partner geschlagen worden war. Sie berichtete, ihr Freund habe bei S. Drogen gekauft. Sie konnte sogar die Fußmatte vor dessen Wohnungstür beschreiben.

Wenig später standen auch die Beamten mit Durchsuchungsbeschluss auf der Matte. Sie klopften erst artig, und gaben sich als Polizei zu erkennen. Doch weil niemand öffnete, setzten sie die Türramme ein. „Lagebereinigung“ nannte das der Polizist. Sandor S. stand an der Balkontür.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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