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Kretschmer zum 13. Februar: "Es hat nie ein Ende"

Zum 13. Februar gab es eine virtuelle Menschenkette. Neonazis legten den Verkehr lahm und es gab klare Botschaften gegen den Missbrauch.

Die Menschenkette als Projektion an der Dresdner Frauenkirche.
Die Menschenkette als Projektion an der Dresdner Frauenkirche. © Sven Ellger

Dresden. Es sollte einer der wohl ruhigsten Jahrestage der Bombardierung Dresdens werden und wurde es am Ende auch. Trotzdem gab es erhebliche Verkehrseinschränkungen für die Dresdner.

Wegen der Kontaktbeschränkungen zum Schutz vor dem Coronavirus konnten die Gedenkveranstaltungen nur in sehr kleinen Kreisen durchgeführt werden. Die traditionelle Menschenkette wurde durch eine Projektion ersetzt.

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Trotz der Corona-Krise fanden den ganzen Tag über Gedenkveranstaltungen statt. Das Friedensgebet in der Frauenkirche wurde online übertragen, kleine Gruppen besuchten die Dresdner Friedhöfe und Vertreter der Stadt legten Kränze ab.

Es gab eine Plakat-Kunstaktion in der Innenstadt unter dem Titel "Kunst im Stadtraum - Morgen = Gestern + Heute #weltoffengedenken", das "stille Gedenken" vor der Frauenkirche und kleine Veranstaltungen in einigen Kirchen.

Bevor um 18 Uhr die virtuelle Menschenkette an die Fassaden von Synagoge, Frauenkirche, Kreuzkirche, Rathaus, Schauspielhaus und Staatskanzlei projiziert wurde, legten Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke), Anmelderin und TU-Rektorin Professorin Ursula Staudinger, Stadträte und die AG 13. Februar weiße Rosen an der Gedenkstelle auf dem Altmarkt nieder.

In ihren Reden fanden Kretschmer und Hilbert klare Worte.

OB Hilbert: "Dresden war Teil der Maschinerie"

Oberbürgermeister Hilbert wies in seiner Rede darauf hin, dass von 1933 bis 194 "vielen Deutschen ihre Mitmenschen völlig gleichgültig" waren. "Dresden war mit seinen Rüstungsbetrieben und seinen Verkehrsanlagen Teil der Maschinerie, die von deutschem Boden aus einen mörderischen Krieg anzettelte." Und dieser Krieg habe dann auch in Dresden "gewütet", sodass bei den Luftabgriffen 1945 bis zu 25.000 Menschen getötet wurden.

"Dass dies alles genau so geschehen ist, kann jeder leicht überprüfen", so Hilbert. "Und trotzdem bleibt es auch ein dreiviertel Jahrhundert später wichtig, das Erinnern an den 13. Februar gemeinsam zu pflegen. Gerade hier in Dresden haben wir erlebt – und erleben es noch heute – wie Erinnerungen auch verfälscht, Gedenken vereinnahmt und Fakten geleugnet werden können. Lassen wir der Umdeutung keinen Raum!" Er warnte vor Fake-News und neuen Rechten.

Deshalb und zum Schutz vor Corona sei die virtuelle Menschenkette wichtig. "Diese virtuelle aber zugleich reale Menschenkette ist eine Form des Erinnerns und des Einstehens für Menschlichkeit heute. Gemeinsam zeigen wir Einsatz für unsere demokratischen Grundrechte und achten dabei auf die Gesundheit von uns allen. Genauso wie wir das Recht haben zu demonstrieren, haben wir das Recht, gesund zu bleiben. Wir lassen uns die Geschichte nicht umdeuten – lassen wir uns also auch die Gegenwart nicht umdeuten!"

Man dürfe beim Schutz und der Würde der Menschen keinen Unterschied machen, ob die Personen über 90 Jahre alt sind oder gerade Laufen lernen. "Egal, wo er geboren wurde, wen er liebt, woran er glaubt. Wie er aussieht oder welches Geschlecht er hat", so Hilbert. "Nie wieder dürfen uns unsere Mitmenschen gleichgültig sein!"

MP Kretschmer: Es gibt keinen Schuldkult"

In Dresden habe es eine Weile gedauert, bis die Zivilgesellschaft einen Umgang damit gefunden habe, dass Neonazis versuchen, das gedenken zu vereinnahmen, sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer. "Ich finde, die Menschenkette und die vielen Kerzen sind ein ganz tolles Bild. Dass in diesem Jahr über 1.000 Dresdnerinnen und Dresdner im Internet Gesicht zeigen, ist vielleicht sogar noch großartiger."

Allerdings mahnte der MP auch. "Dass es wieder eine unglaublich große Zahl an Neonazis gibt, die gekommen sind, zeigt, dass es nie ein Ende hat." In dem Zusammenhang attackiert Kretschmer die AfD, die eine Woche zuvor in der Messe ihren Landesparteitag durchführte. Dort fielen heftige Parolen und auch wieder das Wort "Schuldkult" im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. "Es gibt keinen "Schuldkult, sondern einen vernünftigen, ehrlichen Umgang mit der Geschichte", so der Ministerpräsident. "Genau das macht uns so stark und die Dresdnerinnen und Dresdner leisten einen wichtigen Beitrag dafür."

Zur der virtuellen Menschenkette läuteten die Glocken der Dresdner Kirchen für zehn Minuten. Um 21.45 Uhr war das Glockengeläut auch der Abschluss des Gedenkens.

1.400 Polizisten sicherten die Stadt

In der Innenstadt kam von Mittag bis zum nach 16 Uhr der Verkehr streckenweise zum Erliegen. Straßen rund um den Hauptbahnhof wurden gesperrt, Busse und Bahnen fuhren nicht mehr dorthin. Grund dafür war eine Versammlung von Neonazis, angemeldet von Dresdens NPD-Vorsitzenden Maik Müller.

Die Rechtsextremisten versammelten sich auf dem Parkplatz neben dem Bahnhof. Dorthin kamen rund 790 Teilnehmer, etwa 60 davon Anhänger der rechtsextremen Vereinigung III. Weg. Etwa 500 Rechte kamen mit der Deutschen Bahn, dabei gab es für sie Probleme bei der Anreise. Die Bundespolizei kontrollierte, stellte 50 Identitäten fest und sprach 194 Platzverweise aus, alle auf Bahnhöfen. Zudem ließ die Polizei während der Kundgebung ein Banner der Neonazis einrollen, auf dem das Wort "Bombenholocaust" stand.

Die Gegner der Rechten versammelten sich mit dem Bündnis "Dresden Nazifrei" gegenüber auf einer Wiese. Dorthin kamen mit rund 850 etwas mehr Teilnehmer. Die Veranstalter sprechen von mehr als 1.000 Teilnehmern, bei mehreren Versammlungen - so hatte die Grüne Jugend zum Obelisk in Altnickern mobilisiert und die Jusos abends zum Altmarkt.

Es blieb insgesamt friedlich. Die Polizei war mit rund 1.400 Beamten im Einsatz. „Dresden hat den seit vielen Jahren ruhigsten 13. Februar erlebt. Mit Blick auf das Versammlungsgeschehen gab es keine Straftaten und nur vereinzelte Verstöße gegen die Corona-Regeln", so Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa. Während des Einsatzes leiteten die Polizeibeamten drei Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung ein. Dass es so ruhig blieb, dürfte auch daran gelegen haben, dass keine zum Schutz vor Corona-Infektionen Aufzüge zugelassen waren.

Protest gab es dann auch nochmal am Abend, als die AfD auf dem Altmarkt Kränze ablegte und Kerzen aufstellte. Dort blieb es ebenfalls ruhig.

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