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Naturkunst in Dresden: Den Wald mit anderen Augen betrachten

Ein Trend, der sich der Natur aus einem anderen Blickwinkel nähert, nennt sich Land Art. Eine Dresdnerin erklärt, was sich dahinter verbirgt.

Dresdnerin Sarah Morwinski (33) fertigt vergängliche Kunst aus der Natur. "Die meisten haben bestimmt schon Land Art gemacht, ohne, dass sie es wussten."
Dresdnerin Sarah Morwinski (33) fertigt vergängliche Kunst aus der Natur. "Die meisten haben bestimmt schon Land Art gemacht, ohne, dass sie es wussten." © René Meinig

Dresden. Blaue Blütenblätter schmücken die Mitte eines kleinen Mandalas, den Rahmen bilden ovale abgestorbene Blätter. Normalerweise werden Mandalas - im Hinduismus und Buddhismus verbreitete Schaubilder - auf Papier gemalt. Das hier liegt hingegen dreidimensional mitten in der Natur neben der Dresdner Prießnitzmündung. „Das reicht schon aus, um es Land Art zu nennen“, erklärt Sarah Morwinski und zeigt auf das kleine Werk.

Die 33-Jährige arbeitet für den Umweltverein BUND Sachsen. In ihrer Freizeit ist sie viel in der Natur unterwegs, geht klettern, wandern, sammelt Wildkräuter für die eigene Hausapotheke. Und sie macht Land Art – eine Naturkunst, die versucht, mit einem anderen Blick durch die Welt zu gehen. Auch die Dresdner Stadtnatur könne man so auf verschiedene Weise entdecken, so Morwinski. Dabei zerbricht sie einen kleinen Ast und legt ihn zu dem Mandala. Fertig. „Es ist keine große Kunst, aber sie macht Spaß und schärft den Blick für die Natur, die uns umgibt.“

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Kunst hat sich von ihren Ursprüngen entfernt

Die sogenannte Land Art komme ursprünglich aus den USA. In den 60er-Jahren kritisierten die Gründer, dass Kunstwerke häufig an Eigentümer gebunden waren. Die Gemälde hingen an den Wänden von Stadtvillen und waren für niemanden außer den Bewohnern zugänglich. Das wollten die Künstler ändern, sie brachten mit der Land Art die Kunst in den öffentlichen Raum – jede Person sollte sie sehen.

Es wurden Werke geschaffen, die in keiner Galerie ausgestellt werden konnten. Ganze Landschaften haben die Künstler daraufhin verändert. Beispielsweise die „Spiral Jetty“ – eine aus Steinen gelegte Spirale mit einer Länge von 460 Metern im Großen Salzsee Nordamerikas.

Land Art heute habe aber nicht mehr viel mit dem damaligen Verständnis zu tun, erklärt Sarah Morwinski. „Eigentlich müsste das, was wir machen, eher Natur-Kunst heißen.“ Denn schon bald geriet die Land Art in den Fokus der aufkommenden Ökobewegung. Sie kritisierte den gravierenden Eingriff in die Natur, wollte vielmehr vergängliche Kunst aus Naturmaterialien schaffen. „Heute ist die Natur-Kunst ohne großen Aufwand zu machen, man braucht kein Geld, und egal, ob alt oder jung, jeder kann sie machen.“

Der Natur-Kunst sind keine Grenzen gesetzt

"Bei der Natur-Kunst können alle Naturmaterialien verwendet werden", fährt Morwinski fort. Sie gibt manchmal Kurse für Jugendliche und Erwachsene über Land Art. Steine, Erde, Blätter, Blüten, Stöcke, Gräser. Aus ihnen können große und kleine Kunstwerke geschaffen werden. Mandalas, Skulpturen, politisch oder unpolitisch, versehen mit einer tiefen Geschichte oder einem dekorativen Anspruch. "Die erste Herausforderung ist es, einen Ort dafür zu finden, wo wir das Werk platzieren wollen", erläutert Morwinski.

Sie hat für ihr kleines Werk den Prießnitzstrand an der Elbe gewählt. Dort hat sie das Mandala vor einer Stunde aufgebaut, jetzt sind schon einige Blätter verweht. "Land Art ist vergänglich." Der Regen wäscht die Erde fort, der Wind verteilt die Kunst schnell in alle Richtungen. Gestaltet für den Augenblick, nicht für die Ewigkeit.

Land Art kann ganz verschieden aussehen, hier ein Igel aus Laub und Tannenzapfen.
Land Art kann ganz verschieden aussehen, hier ein Igel aus Laub und Tannenzapfen. © Sarah Morwinksi

Dass eine Naturschützerin wie Sarah Morwinksi Land Art macht, ist etwas verwunderlich. Verändert sie ja die Natur um sich herum. „Wichtig ist, dass man keine Pflanzen ausreißt, die bedroht sind. Aber solche, wie die Gemeine Wegwarte, wachsen ja an jeder Ecke, da darf man schon mal eine blaue Blüte verwenden“, so die junge Frau, die eigentlich Diplom-Psychologin ist.

Was die Land Art mit Naturschutz zu tun hat

Schnell merkte sie aber, dass sie etwas für die Umwelt tun möchte. Jetzt arbeitet sie beim BUND Sachsen, stellt Projektanträge, um den Schutz für Feuersalamander und Sachsens Gewässer zu finanzieren. „Die größte Veränderung muss in den Köpfen der Menschen passieren, damit wir den Klimawandel aufhalten.“ Zur Land Art ist sie über die Erlebnispädagogik gekommen. Spielerisch wird dabei über die Natur und das eigene Selbst reflektiert. Psychologie und Umweltschutz scheinen dann doch nicht mehr so weit voneinander entfernt.

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Sarah Morwinski schätzt an der Land Art, dass sie damit die Natur aus anderen Augen erlebt. Fernab vom hektischen Großstadttumult sei die Naturkunst ein entspannter Waldspaziergang, der die Umwelt in ein anderes Licht rücke. Naturmaterialien würden anders wahrgenommen. Ein Blatt, eine Wurzel wird ganz genau betrachtet, es wird beobachtet und in Beziehung gesetzt. Plötzlich fühlt sich der Spaziergänger wie ein Schaffender. „Und was das Schönste ist, man macht auch anderen damit eine Freude.“

Sarah Morwinski trifft man jedes Jahr beim Langen Tag der Stadtnatur in Dresden an. Das Programm vom BUND stellt den Großstadtdschungel mit all seinen Tieren und Pflanzen in den Fokus.

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