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Neue Sandsteinwände wieder beschmiert

Die letzten Arbeiten am Weißeritzknick werden abgeschlossen. Welchen Zusatzaufwand die Landestalsperrenverwaltung jetzt hat.

Die mit Sandstein verkleideten Uferwände am Weißeritzknick sind an mehreren Stellen wild besprüht worden.
Die mit Sandstein verkleideten Uferwände am Weißeritzknick sind an mehreren Stellen wild besprüht worden. © René Meinig

Dresden. Projektleiter Christoph Rauch von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) ist froh, dass jetzt auch die letzten Arbeiten am Weißeritzknick zwischen den Brücken Kesselsdorfer und Löbtauer Straße abgeschlossen sind. Das Flussbett dieses besonders gefährlichen Abschnitts war zwar schon zur Jahresmitte hochwassersicher ausgebaut. Doch seitdem wurde der Weißeritz-Grünzug in diesem Abschnitt wieder hergestellt. So sind Grünflächen gestaltet und Bäume sowie Büsche gepflanzt worden. Andere Bereiche haben Bauleute neu gepflastert. 

Aufgestellt wurde zudem eine große Designer-Sitzbank, an der Handwerker beschädigte Holzlatten erneuert und alle anderen geschliffen und frisch lackiert haben. Zuletzt war noch der Blitzschutz an den Geländern montiert worden, erklärt der Projektleiter. Außerdem sind die Bänke am Weißeritzgrünzug aufgestellt und befestigt worden. Nach der Abnahme der letzten Arbeiten am kommenden Donnerstag soll der Radweg im Zuge des Weißeritzgrünzuges wieder freigegeben werden. 

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Am kommenden Donnerstag sollen diese Wege am Weißeritzgrünzug neben der Freiberger Straße wieder freigegeben werden.
Am kommenden Donnerstag sollen diese Wege am Weißeritzgrünzug neben der Freiberger Straße wieder freigegeben werden. © René Meinig

Doch jetzt gibt es bereits wieder erste Schäden, erklärt Rauch. Denn die mit Sandstein verkleideten Uferwände im Flussbett sind mit wilden Graffiti besprüht worden. Und das, obwohl der Zugang mit Bauzäunen versperrt ist. Doch die wilden Sprüher müssen über sie geklettert sein, um hinunter zur Weißeritz zu kommen und die Wände zu verschandeln. „Es ist schade, dass so schön verkleidete Wände wieder verunstaltet werden“, sagt der Projektleiter. Bereits drei Mal waren wilde Graffiti am Weißeritzknick beseitigt worden. Zwar wolle die LTV sie auch jetzt wieder entfernen lassen. „Doch wer weiß, wie lange das hält.“

Bereits 15.000 Euro hat die Landestalsperrenverwaltung ausgegeben, um wilde Graffiti am Weißeritzknick zu entfernen.
Bereits 15.000 Euro hat die Landestalsperrenverwaltung ausgegeben, um wilde Graffiti am Weißeritzknick zu entfernen. © René Meinig

Diesen Ärger hatte die LTV bereits ein kleines Stück flussaufwärts oberhalb der Brücke Kesselsdorfer Straße. Dort waren 2018 auch die mit Sandsteinen verkleideten Wände beschmiert worden, sodass die Graffiti aufwendig beseitigt werden mussten. Das geschah auch unterhalb der Brücke Löbtauer Straße. Dabei hatte sich die LTV viel Mühe gegeben, dem vorzubeugen. Rauchs Vorgänger Reinhard Scholz, der 2019 in den Ruhestand ging, war auf die Idee gekommen, eine sinnvolle Strategie zu entwickeln, um wilde Graffiti zu verhindern oder die Schäden in Grenzen zu halten. 

Scholz nahm Kontakt zum Jugend- und Kulturzentrum Spike in Leubnitz-Neuostra auf. Dort bekommen junge Leute aus der Graffiti- und Streetart-Szene die Chance, sich legal zu betätigen. So gestalteten junge Sprayer Wände am Flussbett der Weißeritz. 2014 war der Auftakt am Lok-Sportplatz am Emerich-Ambros-Ufer. Die Wand einer Gewässerzufahrt, über die Wartungsfahrzeuge rollen, wurde mit kecken Motiven wie Bibern und Baggern gestaltet. Ein Jahr später folgte die Weißeritz-Zufahrt oberhalb der Brücke Kesselsdorfer Straße.

2016 gestaltete ein Künstlerkollektiv das neue Friedrichstädter Pegelhäuschen am Emerich-Ambros-Ufer mit Fischen und weiteren Wasser-Motiven. Zuletzt wurde 2018 noch die Gewässerzufahrt unterhalb der Brücke Fröbelstraße von jungen Dresdnern mit stilisierten Wassertropfen gestaltet.

Der zweite Punkt der LTV-Strategie gegen wilde Graffiti ist eine spezielle Sandstein-Beschichtung. Sie ist wasser- und schmutzabweisend. Die Emulsion wird auf die Flächen aufgesprüht.

Zwar können Graffiti dadurch einfacher entfernt werden. „Dennoch ist es ein erheblicher Aufwand“, sagt Projektleiter Rauch. Denn die Anti-Graffiti-Beschichtung muss an den gereinigten Flächen neu aufgebracht werden. „Das ist nicht nur ein zusätzlicher Arbeits-, sondern auch ein hoher Kostenaufwand.“ Allein am Weißeritzknick musste die LTV dafür bisher rund 15.000 Euro ausgeben.

Viele Flächen sind auch an der Waldschlößchenbrücke wild besprüht.
Viele Flächen sind auch an der Waldschlößchenbrücke wild besprüht. © Sven Ellger

Ärger mit wilden Graffiti gibt es aber nicht nur an der Weißeritz. Beispielsweise an der Waldschlößchenbrücke und im Umfeld sind rund 3.200 Quadratmeter verunstaltet. Die Kosten für die einmalige Komplettreinigung schätzt die Stadt auf eine Summe zwischen 190.000 und 320.000 Euro.

Die hohe Zahl der als Straftaten eingestuften illegalen Sprühereien in Dresden hat sich in den vergangen Jahren kaum verändert. Im vergangenen Jahr erfasste die Polizei 1.263 Fälle in Dresden, von denen 130, also 10,5 Prozent, aufgeklärt wurden. 

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