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Dresdens neue Stadtbahn: Verzögerung um Jahre

Der dritte Abschnitt der Straßenbahntrasse von Löbtau bis Strehlen verläuft über Nürnberger Straße und Nossener Brücke. Die Planungen gefallen nicht allen.

So soll die Nürnberger Straße kurz vor dem Nürnberger Ei einmal aussehen - mit der Straßenbahn in der Mitte.
So soll die Nürnberger Straße kurz vor dem Nürnberger Ei einmal aussehen - mit der Straßenbahn in der Mitte. © DVB

Dresden. Eigentlich hieß das Projekt mal Stadtbahn 2020. Und eigentlich sollten über die Trasse von Löbtau nach Strehlen bereits 2021 Straßenbahnen rollen. Doch die einstigen Planungen sind längst Makulatur, auch, weil es unvorhergesehene Schwierigkeiten wie Klagen von Anwohnern an der Oscarstraße oder einen Streit über die Anzahl der Fahrspuren auf dem Zelleschen Weg gab.

Inzwischen sind die zwei Endabschnitte der Stadtbahn fertig, die Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße und der Abschnitt an der Oscarstraße mit dem Haltepunkt Strehlen bis zum Wasaplatz. Bis die Strecke durchgängig nutzbar wird, werden aber noch mindestens fünf Jahre vergehen, eher mehr.

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Wie ist der Planungsstand?

Wie das Straßen- und Tiefbauamt informiert, ist das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt über die Nossener Brücke und die Nürnberger Straße in vollem Gang. Die Planungsunterlagen lagen bis zum 2. Juni unter anderem im Geschäftsbereich Stadtentwicklung im WTC Dresden aus. Nun kann jeder bis zum 2. Juli Einwände dagegen vorbringen. Diese werden anschließend von der Landesdirektion geprüft und abgewogen.

Auf die Dauer des Baurechtsverfahrens hat die Stadt keinen Einfluss, es liegt komplett bei der Landesdirektion. Mit einem Beschluss zur Planfeststellung rechnet die Stadtverwaltung frühestens im zweiten Quartal des kommenden Jahres. Erst danach können die Arbeiten öffentlich ausgeschrieben und vergeben werden. Baubeginn wird frühestens 2023 sein.

Doch nicht nur Anwohnerproteste und Klagen sowie politische Rangeleien um Autofahrspuren und Radwege haben die Planungen für die Trasse verzögert. Auch der Wunsch der Deutschen Bahn (DB), auf der Nossener Brücke eine S-Bahnhaltestelle als Umsteigepunkt zum Bahnverkehr zu bauen, erforderte zahlreiche und zeitintensive Umplanungen, sagt das Straßen- und Tiefbauamt (STA). Umfangreiche Abstimmungen mit dem Verkehrsverbund Oberelbe und der DB AG waren dafür notwendig.

Die S-Bahnhaltestelle mit Anbindung an den ÖPNV erhöhe allerdings die Funktionalität des neuen Verkehrszuges ganz entscheidend. Insbesondere für Studenten auf dem Weg zum TU-Campus und für Berufstätige verteile sich der Verkehr besser, so das STA. Die neue Haltestelle sei auch für die Entwicklung und Verkehrserschließung des Areals Fabrikstraße / Alte Fleischfabrik ein deutliches Plus.

Dann fehlt aber immer noch der letzte Abschnitt der Trasse vom Nürnberger Platz über den Zelleschen Weg bis zum Wasaplatz. Die Planungsunterlagen dafür will die Stadt erst 2023 einreichen. Bis das Verfahren abgeschlossen sein wird, könnten zwei Jahre vergehen. Wann Baubeginn sein wird, ist noch völlig unklar.

Welche Details werden kritisiert?

Völlig klar ist jedoch, dass der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) große Einwände gegen die Pläne für den Abschnitt über die Nossener Brücke und die Nürnberger Straße hat. Zwar profitiere der öffentliche Nahverkehr durch die neue Trasse, aber gleichzeitig erhalte der Autoverkehr noch mehr Raum als bisher durch zusätzliche Abbiegespuren, während der Rad- und Fußverkehr dafür Platz machen muss. "Mit dieser veralteten und nicht mehr zeitgemäßen Planung konterkariert Dresden seine eigenen Ziele zur Förderung nachhaltiger Mobilität, festgeschrieben im Klimaschutzkonzept und Radverkehrskonzept der Stadt", regt sich ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert auf.

Die Nürnberger Straße sei Teil der hochfrequentierten Ost-West-Radroute zum TU-Campus. Da müsse dringend nachjustiert werden. Am Dienstag hat der ADFC die E-Petition "Nürnberger Straße sicher und bedarfsgerecht für Fuß- und Radverkehr gestalten" auf der Stadtseite geschaltet.

Seifert kritisiert, dass im Rahmen der Planungen weder die Stärke des Rad-, noch die des Fußverkehrs erfasst wurde. Es würden lange Wartezeiten von bis zu zwei Minuten für den Fuß- und Radverkehr an den Ampeln in Kauf genommen. Bei der künftigen Gestalt der Nürnberger Straße sollen aus den bisherigen Hochbordradwegen schmale Radfahrstreifen auf der Fahrbahn werden mit der Mindestbreite von 1,85 Metern.

Aus Sicht des ADFC Dresden bestehe kein Grund die Nürnberger Straße so massiv aufzuweiten und ein derartiges "Verkehrsmonster" zu bauen. "Die neue Stadtbahntrasse kann auch bestandsnah realisiert werden und die Straßenbahn wie auf der anderen Seite des Nürnberger Eis als Pulkführer fahren", so Seifert.

Die auf der Hohen Straße geplante Radvorrangroute von Plauen in die Innenstadt werde überhaupt nicht berücksichtigt. Hinzu käme, dass in der Nürnberger Straße 8.100 Quadratmeter zusätzlich versiegelt und fast alle derzeitigen Bäume gefällt werden müssen. Der ADFC hofft, dass noch ein Umsteuern möglich ist.

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Am Donnerstag, 10. Juni, lädt der ADFC zu einer virtuellen Infoveranstaltung zur Nürnberger Straße ein. Die Verantwortlichen erklären dort unter anderem ihre Argumente. Beginn ist 19.30 Uhr.
Link zur Teilnahme: https://adfc-dresden.de/2502
Meeting Passwort: Info
Über Telefon beitreten: +49-619-6781-9736

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