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OB Hilbert zählt Dynamo Dresden an

Dresden unterstützt Dynamo finanziell. Bei der Fördermittelübergabe stellte die Stadtspitze klare Forderungen wegen der jüngsten Ausschreitungen an den Verein.

Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend und Oberbürgermeister Dirk Hilbert mit nachdenklichen Mienen.
Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend und Oberbürgermeister Dirk Hilbert mit nachdenklichen Mienen. © Christian Juppe

Dresden. Eigentlich sind Termine zur Übergabe von Fördermitteln mit netten Worten und gegenseitigem Schulterklopfen überfrachtet. Nicht so in diesem Fall. Am Donnerstag haben Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) zwei Bescheide über mehrere Millionen Euro an Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend und den Chef der Stadion-Projektgesellschaft Axel Eichholtz übergeben.

Dabei gab es klare Ansagen an Dynamo - wegen der Krawalle im Zusammenhang mit dem letzten Heimspiel der vergangenen Saison und einem weiteren Fehltritt.

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Fünf Millionen Euro bekommt Dynamo Dresden als Zuschuss für das Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum im Ostragehege. Der Bau ist gut vier Millionen Euro teurer geworden als geplant und kostete am Ende knapp 20 Millionen Euro.

Nach langem Streit im Stadtrat hatte dieser dann doch beschlossen, die Unterstützung der Stadt von vier auf fünf Millionen Euro zu erhöhen. Dass die "AOK Plus Walter-Fritzsch-Akademie", wie das Zentrum offiziell heißt, teurer geworden ist, war nachweislich nicht Schuld des Vereins. Baupreissteigerungen, Planungsänderungen und höhere Entsorgungskosten trieben die Kosten nach oben.

"Die Diskussion im Stadtrat darum ist nicht gut gewesen", so OB Hilbert. Aber nun habe sich auch der Rat mit großer Mehrheit zum Trainingszentrum und damit zur SGD bekannt. "Das ist für alle Seiten ein wichtiges und auch wegweisendes Signal.“

Dann ging Hilbert auf die Krawalle ein. „Fakt ist aber auch, dass wir alle nach den Ereignissen rund um den Aufstieg in die 2. Liga nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Die Szenen zum letzten Heimspiel müssen aufgearbeitet werden. Rassismus und Gewalt haben auch in Dresden im und um das Stadion herum nichts zu suchen!"

Aber Hilbert sehe gute Ansätze. "Ich bin deshalb dankbar, dass sowohl die Verantwortlichen bei Dynamo, als auch Fan-Vertreter den Ernst der Lage erkannt haben und nun ein intensiver Gesprächsprozess mit allen Beteiligten in Gang kommen wird. Politik und Verwaltung werden im Kriminalpräventiven Rat und im Stadtrat nicht über, sondern mit Polizei und Verein sprechen.“

Bei den Randalen Mitte Mai waren viele Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt worden, sie wurden mit Böllern und Steinen beworfen. Die Beamten setzten Wasserwerfer gegen die Randalierer ein. Seit Donnerstag sucht die Polizei öffentlich auf Plakaten nach Gewalttätern.

Dynamo-Geschäftsführer Wehlend sicherte zu: "Wir sind mitten in der Aufarbeitung." Vertreter von Dynamo seien in Gesprächen mit Fangruppen, Polizei und Stadt. "Es gibt keine zwei Meinungen dazu: Es gibt keine Rechtfertigung für die Gewalt. Jeder Verletzte ist einer zu viel", so der Dynamo-Boss. Er betont aber auch, dass die Fanszene eindeutig erklärt hat, wofür sie steht und wofür nicht. "Für Gewaltfreiheit und gegen Rassismus", so Wehlend. Das sei auch in der Charta des Vereins klar festgehalten. "Wer gegen diese Charta verstößt, stellt sich über den Verein."

Die Dynamo-Führung werde Ende Juni im kriminalpräventiven Rat einen Impulsvortrag zu dem Thema halten. Aus den Gesprächen mit allen Seiten sollen konkrete Handlungsziele erarbeitet werden, die auf den bisherigen aufsetzen. "Es geht um Ordnung und Sicherheit im Stadion, das hat bisher meist gut funktioniert - in diesem Fall aber nicht", so Wehlend.

Axel Eichholtz von der Stadion-Gesellschaft und Bürgermeister Peter Lames haben die neuen Verträge unterschrieben.
Axel Eichholtz von der Stadion-Gesellschaft und Bürgermeister Peter Lames haben die neuen Verträge unterschrieben. © Christian Juppe

Zudem unterschrieben Finanz-Bürgermeister Peter Lames und Axel Eichholtz von der Stadion-Gesellschaft den Vertrag, mit dem Dresden die Stadionmiete von Dynamo fordert. Es geht um jeweils 1,5 Millionen Euro für die Saison 2020/2021 und für 2021/2022. Die Stadt gibt sie, damit Dynamo eine "wettbewerbsfähige" Stadionmiete zahlt.

Der vorherige Vertrag war ausgelaufen. "Das ist eine zusätzliche Leistung, die die Stadt erbringt", stellte Lames klar. Auf seinen Vorschlag hin hatte der Stadtrat beschlossen, diese Förderung fortzusetzen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind. "Das geht nicht einfach so", erklärte Lames. Dabei gehe es um eine komplizierte Anträge wegen Beihilfen, die von der Europäischen Union genehmigt werden müssen.

"Dazu gab es ja auch eine Petition", so Lames. In dieser wurde ein dauerhafter Zuschuss für Dynamo gefordert. "Diese Petition wurde genutzt, um die Verantwortlichen mit Dreck zu bewerfen, das ist auch ein Teil dessen, was in dem Verein geschieht und auch das gilt es aufzuarbeiten", mahnte Lames. Aber der Stadtrat habe sich richtigerweise klar zu Dynamo bekannt.

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Dafür bedankte sich Geschäftsführer Wehlend bei der Stadtspitze und dem Stadtrat. Der Zuschuss zu den Stadion-Betriebskosten sei "eine für die SGD existenzielle Entscheidung". Der erhöhte Zuschuss für das trainingszentrum zeige: "Die Landeshauptstadt ist und bleibt ein verlässlicher Partner des Dresdner Sports, und zwar für alle Vereine, egal ob groß oder klein.“

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