merken
PLUS Dresden

Hilberts Balanceakt: Altmarkt und Blaues Wunder

Um den Dresdner Altmarkt umzubauen, sollen Millionen vom Blauen Wunder abgezweigt werden. Doch das Rechnen geht weiter.

Zwischen dem Altmarkt und dem Blauen Wunder werden Millionen Euro hin. und hergeschoben.
Zwischen dem Altmarkt und dem Blauen Wunder werden Millionen Euro hin. und hergeschoben. © Rene Meinig/Sven Ellger/Montage: SZ-Bildstelle

Dresden. Im Dresdner Rathaus werden Millionen Euro hin und her geschoben. Man könnte auch sagen, wichtige Bauprojekte werden gegeneinander ausgespielt. Einen neuen Höhepunkt hat dies nun bei der Diskussion um die Sanierung des Altmarktes und des Blauen Wunders erreicht.

Lange wurde um die Sanierung des Altmarktes gestritten. Klar ist, der zentrale Platz ist unterirdisch marode, Veranstaltungen wie der Striezelmarkt sind eine Gefahr, weil die elektrischen Leitungen hinüber sind. Wenn große Veranstaltungen wieder stattfinden dürfen, wird eine mobile Elektroanlage benötigt, die zusätzlich kostet.

Anzeige
Fachkraft für Digitale Transformation gesucht
Fachkraft für Digitale Transformation gesucht

Die KURZ TYPOFOL GmbH sucht einen Manager Digital Transformation und ERP-Betreuer (m/w/d).

Das Problem unter dem Altmarkt ist die Tiefgarage. Bei deren Konstruktion wurden Fehler gemacht, sodass sich zwischen Garagendach und Pflaster Wasser staut. Der Bau der Garage liegt aber so lange zurück, dass der Investor nicht mehr haftbar gemacht werden kann.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert verschiebt derzeit Millionen Euro bei Dresdner Projekten - zum Teil sind es offenbar Taschenspielertricks.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert verschiebt derzeit Millionen Euro bei Dresdner Projekten - zum Teil sind es offenbar Taschenspielertricks. © René Meinig

Die Stadträte waren sich einig, dass etwas gemacht werden muss. Es folgte aber ein langer Streit darum, ob auf dem kompletten Platz geschnittenes Pflaster verlegt werden soll. Das gibt mehr Halt, ist besser für Rollstuhlfahrer, aber auch Kinderwagen. Dafür ist es allerdings deutlich teurer.

Eine Mehrheit hatte sich für die teurere Variante für rund zwölf Millionen Euro ausgesprochen, der OB Hilbert aber widersprach. Dann wurde eine Variante gefunden, wie das spezielle Pflaster dennoch verbaut werden kann, die Kosten aber "nur" vier statt sechs Millionen Euro über der einfachen Ausführung liegen. Dem stimmte der Stadtrat dann zu.

Ursprünglich hieß es, die zusätzlichen vier Millionen Euro werden ganz allgemein aus dem Budget des Straßen- und Tiefbauamtes genommen. Nun hat Hilbert aber eine Vorlage in den Stadtrat eingebracht, mit der klar wird, woher das Geld tatsächlich genommen wird. "Durch das Straßen- und Tiefbauamt ist die Sanierung des Blauen Wunders aufgrund fehlender Fördermittelzusagen neu zu konzipieren, die der Haushaltsplanung zu Grunde liegende Terminschiene anzupassen", so Hilberts Begründung.

Nach "aktueller Lesart" würde sich die Sanierung um zwei Jahre - mit den Hauptleistungen 2024 - verschieben. Die ursprünglich für 2023 veranschlagten Mittel von 7,6 Millionen Euro werden derzeit "nicht benötigt". Deshalb könnten davon die knapp vier Millionen Euro "zur Absicherung der Finanzierung des Altmarktes zur Verfügung gestellt werden".

Denn die Sanierung des Blauen Wunders soll gestreckt werden, was allerdings die Kosten auf rund 160 Millionen Euro anschwellen lassen könnte. Nun will Hilbert beim Blauen Wunder aber plötzlich doch aufs Tempo drücken. Das forderte er zumindest, als er und Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) in der vergangenen Woche plötzlich 109 Millionen Euro Überschuss entdeckt hatten.

Damit will Hilbert nicht nur ein "neues Sachsenbad" finanzieren, sondern forderte auch Geld für das Blaue Wunder. Von der "gefundenen" Summe sollen 4,3 Millionen Euro für das Blaue Wunder reserviert werden. "Damit wir mit den Planungen vorankommen und unseren Beitrag leisten können", so Hilberts Begründung. Er sehe dennoch das Land in der Pflicht, Fördergeld für die Brücke zu geben, denn sie sei ein "wichtiges Kulturdenkmal".

Allerdings ist für die Brücke, die Loschwitz und Blasewitz verbindet, damit wenig gewonnen. Für den Altmarkt sollen knapp vier Millionen Euro abgezweigt werden, jetzt 4,3 Millionen Euro wieder für die Brücke reserviert werden.

Weiterführende Artikel

Millionen für den Dresdner Altmarkt

Millionen für den Dresdner Altmarkt

Der zentrale Platz in Dresden muss saniert werden. Darüber wurde lange gestritten. Nun gibt es eine Einigung, die Kritiker als "Luxussanierung" bezeichnen.

Dresdner Altmarkt: teure Sanierung

Dresdner Altmarkt: teure Sanierung

Der Untergrund ist futsch, deshalb muss Dresdens zentraler Platz aufgerissen werden. Warum OB Dirk Hilbert bei den Planungen eine Schlappe erleidet.

Die teurere Sanierung des Altmarktes hatte Hilbert nicht gefallen, weil zu der Zeit angeblich das Geld dafür fehlte. Nun gibt es Gegenwind, weil das Blaue Wunder nicht schnell genug saniert wird. Das wurde bereits als "Planungs-Fiasko" kritisiert. Es gab auch bereits den Vorschlag, per Förderverein Geld für die Brücke zu sammeln. Das Abziehen von Millionen Euro für die Brückensanierung zugunsten des Altmarktes, dürfte für weitere Kritik sorgen. Mit seinem neuen Vorschlag gibt es zwar in Summe nicht viel extra fürs Blaue Wunder, aber Hilbert gleicht es zumindest aus.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden