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Chinesischer Pavillon: Neuer Park ist offen

Seit 2005 bemüht sich der Dresdner Verein, das außergewöhnliche Gebäude und seine Außenanlagen wieder aufzubauen. Was daraus werden soll.

Hoffen, dass der Pavillon bald ein offenes Haus für den Weißen Hirsch und ganz Loschwitz wird: Oberbürgermeister Dirk Hilbert (r.) und Vereinsvorsitzender Henning Heuer.
Hoffen, dass der Pavillon bald ein offenes Haus für den Weißen Hirsch und ganz Loschwitz wird: Oberbürgermeister Dirk Hilbert (r.) und Vereinsvorsitzender Henning Heuer. © Sven Ellger

Dresden. Die Azaleen und Rhododendren blühen pünktlich zum Eröffnungsfest in Pink und Lila. Zurückhaltender in Weiß kommen die zarten Blüten des Immergrüns dazu. Schön sind sie geworden, die neuen Außenanlagen des Chinesischen Pavillons, die seit Herbst 2020 nach historischem Vorbild gestaltet wurden. Bänke nach historischem Vorbild laden vor dem Haupteingang zum Verweilen ein. Bald sollen auch die Gartenmöbel ankommen, die zu passenden Gelegenheiten am Fuße des außergewöhnlichen Gebäudes aus dem Jahr 1911 aufgestellt werden.

Nach rund einem halben Jahr Bauzeit wurde am Mittwochabend der kleine Park am Chinesischen Pavillon mit einem Fest eröffnet. Eingeladen hatten die Vereinsmitglieder um den Vorsitzenden Henning Heuer nicht nur Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Landeskonservator Alf Furkert, sondern auch den Ehrenvorsitzenden Malte von Bargen, der die Bemühungen für den Wiederaufbau des außergewöhnlichen Gebäudes 2005 angeschoben und viele Jahre begleitet hat. Heute, mit 92 Jahren, ist er überwältigt, dass seine Vision wahr geworden ist.

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Wie der Wiederaufbau möglich war

OB Hilbert dankt in seiner Ansprache vor allem den vielen ehrenamtlichen Helfern für das bürgerschaftliche Engagement. Ohne sie wäre die Wiederherstellung des Baus trotz der finanziellen Unterstützung von Stadt, Land Bund und Spendern nicht so gut vorangekommen. Der Pavillon habe eine besondere Bedeutung für die Stadt und sei Ausdruck ihrer Internationalität. Dresden habe enge Beziehungen zu China, speziell zur Partnerstadt Hangzhou. Es gebe wirtschaftliche Beziehungen in das asiatische Land, Investoren von dort erwerben auch Immobilien in Dresden. Dazu lebt eine große chinesische Studentengruppe in der Stadt. "Außerdem freue ich mich heute auf persönliche Begegnungen, die lange nicht möglich waren."

Sachsen oberster Denkmalpfleger Alt Furkert erinnert sich an Besuche als Heranwachsender im Lesecafé, das es im Pavillon gab. Auch er hatte Zweifel, dass der Wiederaufbau nach einem verheerenden Brand 1997 und folgendem Vandalismus überhaupt möglich sei. Doch sein Amt habe die Arbeiten am "einzigartig original chinesisches Bauwerk dieser Art in Deutschland" von Anfang an begleitet. Der Erfolg sei nun für jedermann sicht- und bald auch nutzbar.

Was aus im Haus geplant ist

Künftig soll der Chinesische Pavillon ein Nachbarschaftstreff werden. "Wir möchten Räume gestalten, die für alle offenstehen und sich für einen Nachbarschaftstreff eignen. In ihnen sollen Schüler lernen und spielen können, sollen Vereine aus der Umgebung ihre Sitzungen und Seminare abhalten können. Auch ein Lesecafé mit Tageszeitungen und Literatur möchten wir einrichten", sagt der Vereinsvorsitzende Henning Heuer. Eine Leipziger Verlagsgesellschaft will das unterstützen.

Dafür müssen aber noch die Räume im Sockelgeschoss ausgebaut werden. Das lässt sich nicht sofort umsetzen, vorher muss es von einem Architekten in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz geplant werden. Dafür hat jetzt der Stadtbezirksbeirat Loschwitz Geld bewilligt. 2023, so rechnet Heuer, könnte der Treff Wirklichkeit werden. Die Veranstaltungsreihe startet aber schon im Juni wieder mit Theater und einem Konzert. Klar, dass die Gäste dafür getestet sein müssen.

Wie der Pavillon nach Dresden kam

Der Chinesische Pavillon wurde 1911 in Shanghai erbaut, in Einzelteilen nach Deutschland verschifft und anlässlich der ersten internationalen Hygiene-Ausstellung von Anfang Mai bis Ende Oktober 1911 in Dresden wieder aufgebaut.

Nachdem die Ausstellung zu Ende gegangen war, kaufte die Gemeinde Weißer Hirsch den Pavillon 1912 und stellte ihn im Rathausgarten auf. Er wurde er als Lesehalle und Kurcafé für die Gäste des nahe gelegenen Lahmann Sanatoriums genutzt. 1951 wurde eine Gaststätte im Pavillon eingerichtet, später war er Waldcafé und Ausbildungsstätte für das Gaststättengewerbe, auch eine Werbeagentur nutzte ihn.

1992 eröffnete darin das Restaurant “Jasmin“ als erstes chinesisches Spezialitätenlokal in Dresden. In der Nacht vom 27. zum 28. August 1997 brannte der Pavillon fast vollständig aus, Vandalismus folgte.

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2005 gründete Malte von Bargen gemeinsam mit Bewohnern des Weißen Hirsches den Verein „Chinesischer Pavillon zu Dresden e.V.“, der seit 2006 Eigentümer der Anlage ist. Damit wurde das Gebäude vor dem Verfall gerettet. Seitdem versucht der Verein unermüdlich, Sponsoren zu finden und den Wiederaufbau voranzutreiben, was zwar langsam, aber stetig gelang. Im Pavillon ist eine öffentliche Begegnungsstätte mit 120 Sitzplätzen und der Möglichkeit zu gastronomischer Nutzung mit 70 Tischen entstanden. Im Sommer können die Terrasse, die Umgänge und der Garten mit genutzt werden.

Das Innere des Obergeschosses, hier finden Veranstaltungen statt, wenn es wieder möglich ist.
Das Innere des Obergeschosses, hier finden Veranstaltungen statt, wenn es wieder möglich ist. © Christian Juppe Photography

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