merken
PLUS Dresden

Wie es im Dresdner Parkhotel weitergeht

Seit vielen Monaten dürfen keine Veranstaltungen stattfinden, doch Besitzer Jens Hewald nutzt die Zeit für zahlreiche Sanierungen. Auch ein Neubau entsteht.

Auch der Wintergarten im Parkhotel wird einer Frischekur unterzogen, bekommt eine neue, gedämmte Decke und einheitliche Heizkörper, wie Jens Hewald zeigt.
Auch der Wintergarten im Parkhotel wird einer Frischekur unterzogen, bekommt eine neue, gedämmte Decke und einheitliche Heizkörper, wie Jens Hewald zeigt. © Christian Juppe

Dresden. Über die Plakate für den Hutball im März 2020 sind große Banner geklebt: verschoben auf 2021. Auch die beliebten Ü-30-Partys und die Italo-Nacht können nicht stattfinden. Im Blauen Salon und der Kakadu-Bar wird so bald wohl nicht wieder getanzt werden.

Für Jens Hewald hat die coronabedingte Schließung zwei Seiten. Einerseits muss er auf Einnahmen verzichten, andererseits will er die Zeit nutzen, um wichtige Arbeiten zu erledigen. Denn er möchte das Haus viel stärker als es heute der Fall ist als ein ganzes Gebäude betreiben und nicht immer in Ballsaal, Blauen Salon und Kakadu-Bar trennen. "Beim Hutball dürfen wir alles gemeinsam bespielen, sonst aber nicht", erklärt der Berliner, der das Parkhotel vor fast fünf Jahren gekauft hat. Das hat vor allem auch mit dem Brandschutz zu tun.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Um die Situation zu verbessern, werden seit Jahren sämtliche Räume mit Rauchmeldern bestückt. Nun hat Hewald auch eine Baugenehmigung beantragt, um die Fluchtwege innen zu verbessern. "Wenn die Leute mehrere Möglichkeiten haben, das Haus zu verlassen, ist es ja auch viel sicherer. Bisher dürfen wir aber immer nur die Ein- und Ausgänge des jeweiligen Raumes nutzen", sagt er.

Hewald vermutet, dass die Genehmigungsbehörde Angst hat, dass er dann jedes Wochenende Partys mit 2.000 Gästen veranstaltet. Nur so kann er sich erklären, dass es immer wieder Nachforderungen aus dem Bauamt gibt. "Stattdessen wollen wir das Parkhotel künftig auch für neue Veranstaltungen wie Firmenfeiern, Lesungen oder Konzerte zur Verfügung stellen. Da wäre es angesichts der Hygieneanforderungen gut, ein bisschen mehr Fläche zu haben, als immer nur einen Bereich", sagt Hewald.

Der Parkhotel-Chef weiß aber auch, dass sich manche Anwohner vom Lärm durch Gäste belästigt fühlen. Deshalb hat er die Nachbarn vor zwei Monaten zu einem runden Tisch eingeladen, wo alle ihre Bedenken vorbringen konnten. "Wir haben bereits Maßnahmen bei den Veranstaltungen ergriffen, um den Lärm zu mindern. So dürfen die Gäste nur raus, wenn sie dann ein zweites Mal Eintritt zahlen beim zurückkommen." So wolle man verhindern, dass beispielsweise draußen Alkohol konsumiert und gelärmt wird. Für die Raucher sind einige Fläche markiert. "Aber wir können nichts daran ändern, wenn die Gäste im öffentlichen Raum laut sind", sagt Hewald.

Parkhaus soll Lärmproblem lösen

Damit seine Besucher zumindest bald keine langen Wege mehr im Wohngebiet zu den Autos zurücklegen müssen, lässt der Parkhotelchef ein Parkhaus im hinteren Bereich bauen. Es wird 80 Plätze haben, mit einigen Außenflächen stehen dann rund 100 Parkplätze bereit. Eine riesige Grube ist dafür bereits ausgehoben, im Herbst 2021 soll es fertig sein. Anderthalb Millionen Euro kostet das Projekt. "Wir stellen die Parkplätze nicht nur unseren Gewerbemietern und abends unseren Gästen zur Verfügung, es kann auch öffentlich genutzt werden. Natürlich gibt es eine Parkraumbewirtschaftung."

Hinter dem Parkhotel entsteht ein Parkhaus, das im Herbst 2021 fertig sein soll.
Hinter dem Parkhotel entsteht ein Parkhaus, das im Herbst 2021 fertig sein soll. © Christian Juppe

Und auch im Haus wird fleißig gearbeitet. Die neuen Toiletten am Blauen Salon sind bereits fertig. Die vor wenigen Monaten freigelegten historischen Bleiglasfenster sind bereits von hinten beleuchtet. Sie müssen noch aufgearbeitet und versiegelt werden. "Wir haben sie hinter Trockenbauwänden gefunden, die 1988 eingebaut wurden", sagt Jens Hewald, der Eigentümer des Parkhotels. Insgesamt sind es zwölf Fenster, von denen jedes ein Motiv aus der Region wie den Dresdner Zwinger sowie die Schlösser Pillnitz und Moritzburg. Direkt in der Mitte prangt ein Weißer Hirsch, der Bezug auf die einst eigenständige Gemeinde Bad Weißer Hirsch nimmt, die 1921 nach Dresden eingemeindet wurde. 1988, bei Umgestaltungsarbeiten im Parkhotel, hat man die Fenster mit Trockenbau eingehaust.

Außerdem soll die bemalte Decke neu gestaltet und ein neuer Fußboden im Salon verlegt werden. Hewald hofft dafür auch auf Fördermittel vom Denkmalschutz. Jeden Tag könnte die Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns in der Post sein. Über die Farbgebung der Decke ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen, wahrscheinlich wird sie in verschiedenen Grautönen gestaltet.

Im Blauen Salon werden die historischen Bleiglasfenster aufgearbeitet und Decke und Fußboden erneuert.
Im Blauen Salon werden die historischen Bleiglasfenster aufgearbeitet und Decke und Fußboden erneuert. © Christian Juppe

Eiszeit im Wintergarten bald vorbei

Und es gibt weitere Projekte. So soll die Decke des Wintergartens endlich gedämmt und erneuert werden. "Die Wärme zieht sofort oben raus, das wollen wir jetzt verbessern." In dem Zusammenhang soll es auch einheitliche Heizkörper geben, bisher ist es ein Sammelsurium aus verschiedenen Epochen. Dazu kommt ein neues Lichtkonzept, das den schönen Raum noch besser ins Szene setzen soll.

Auch die Terrasse, die sich im hinteren Bereich an den Wintergarten anschließt, wird erneuert. Sie wurde bereits abgedichtet, denn der darunterliegende Keller war bisher eine Tropfsteinhöhle, sagt Hewald und lacht. Nun erhält die Terrasse einen neuen Belag, künftig soll sie eventuell auch gastronomisch genutzt werden. Erst vor kurzem habe er mit Interessenten dafür gesprochen. "Im Winter ist das alles kein Problem, aber im Sommer braucht man dafür Außenflächen. Mal sehen, was aus den Idee wird." Zumindest für Feiern wie Hochzeiten ist dieser Bereich dann schön gestaltet.

Die Terrasse bekommt einen neuen Belag. Geplant ist, sie auch gastronomisch zu nutzen.
Die Terrasse bekommt einen neuen Belag. Geplant ist, sie auch gastronomisch zu nutzen. © Christian Juppe

Die Kooperation mit Eventveranstalter Thomas Röpke hat Jens Hewald im Sommer beendet. "Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen von einer einheitlichen Strategie, ich möchte das Haus sehr langfristig entwickeln." Alle Mieteinnahmen fließen deshalb in das Parkhotel zurück. Die beliebten Tanzveranstaltungen würden aber weiterhin stattfinden, wenn das wieder möglich ist.

Weiterführende Artikel

Parkhotel-Chef: "Ich will endlich loslegen!"

Parkhotel-Chef: "Ich will endlich loslegen!"

Vor vier Jahren hat Jens Hewald das Dresdner Parkhotel gekauft. Inzwischen ist es zur Hälfte saniert. Ein Vorhaben scheitert bisher aber.

Die Zukunft des Dresdner Parkhotels

Die Zukunft des Dresdner Parkhotels

Früher beherbergte das Haus die kultigste Bar der Stadt. Daran und an den Mauerfall wird mit einer Ost-West-Party erinnert. Was der Eigentümer noch vorhat.

Der Parkhotel-Besitzer bekommt derzeit Überbrückungshilfe, aber keine weiteren Förderungen wie beispielsweise aus dem Programm Neustart Kultur. Auch deshalb will Hewald das Haus mit neuem Konzept bespielen. "Wir haben dafür auch weitere Ideen, über die wir zum Jahresbeginn 2021 informieren."

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden