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Petition gegen Dresdens Kunstwerke-Umbenennung

Die Staatlichen Kunstsammlungen haben die Namen von 143 Kunstwerken geändert. Dagegen regt sich Widerstand, von "Identitätsraub" ist die Rede.

Aus dem Titel dieser Skulptur mit Smaragdstufe wurde "Mohr" gestrichen. Geht das zu weit?
Aus dem Titel dieser Skulptur mit Smaragdstufe wurde "Mohr" gestrichen. Geht das zu weit? ©  Archiv: dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Torsten Küllig traute seinen Augen nicht, als er aus den Medien erfuhr, dass die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bereits 143 Kunstwerke umbenannt haben, weil deren Titel als rassistisch oder diskriminierend eingestuft wurden.

"Mein Ärger darüber musste sofort raus", so der Ministerialbeamte. Küllig ist Vorstandsmitglied der Freien Wähler in Dresden, hat seine Petition gegen die Umbenennungen aber als Privatperson gestartet.

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Seit Anfang 2020 werden in der SKD-Datenbank Titel von Werken auf rassistische oder anderweitig diskriminierende Begriffe oder Inhalte hin überprüft. Dass bereits 143 Kunstwerke umbenannt worden sind, brachte die Antwort auf eine Anfrage der Landtagsfraktion der AfD zutage.

Gestrichen wurden Begriffe wie „Mohr“, „Zigeuner“ und „Eskimo“ und stattdessen durch Sternchen ersetzt. So wurde beispielsweise aus dem weltberühmten "Mohr mit der Smaragdstufe" im Historischen Grünen Gewölbe die Figur "**** mit der Smaragdstufe", weil das Wort "Mohr" rassistisch ist. Das Werk mit dem einstigen Titel „Afrikanischer Krieger, den Bogen schwingend“ wurde zum "**** Krieger, den Bogen schwingend". Bei Letzterem wurde laut SKD sogar ein Fehler behoben, denn aus Sicht heutiger Forschung stammt der abgebildete Krieger mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus Südamerika.

Ein Fall von "Sprachtotalitarismus2?

Doch Küllig geht das alles zu weit. "Folgt Identitätsraub auf Kunstraub?", heißt deshalb der Titel seiner Petition. "Wir fordern die Rückbenennung der 143 Dresdner Kunstobjekte". Damit macht er seine Forderung deutlich.

"Das sind sprach-ideologische Reinigungsprozesse", so Küllig. "Das ist wie mit dem Gendern. Es passiert, wenn man nicht dagegen hält." Er spricht von einem "Sprach-Totalitarismus".

Torsten Küllig fordert, dass die 143 umbenannten Kunstwerke der Staatlichen Kunstsammlungen ihre bisherigen Titel zurückbekommen.
Torsten Küllig fordert, dass die 143 umbenannten Kunstwerke der Staatlichen Kunstsammlungen ihre bisherigen Titel zurückbekommen. © privat

Die Umbenennungs-Aktion wurde allerdings nicht vorgegeben. Vielmehr veranlasste SKD-Chefin Marion Ackermann sie im Rahmen der Wissenschafts- und Kunstfreiheit. Die Änderungen erfolgten auch nur online, in der sogenannten Daphne-Datenbank. Denn im Historischen Grünen Gewölbe gibt es keine Bezeichnungen der Werke, diese werden nur mit dem Audioguide beschrieben.

Zudem werden laut SKD auch nur Titel verändert, die nicht die Original-Titel sind. Haben die Künstler ihren Werken konkrete Namen gegeben, die bis heute gebräuchlich sind, bleiben diese erhalten und werden mit dem Hinweis "historischer Titel" versehen. Sind in anderen Titeln aber Begriffe enthalten, die als rassistisch oder diskriminierend empfunden werden könnten, sollen diese gestrichen werden. SKD-Chefin Ackermann äußerte sich dazu in einem Gastbeitrag in der SZ: Im "spezifischen Sprachgebrauch einer Zeit" hätten auch "unreflektiert Begriffe" Eingang gefunden, die heute als eindeutig rassistisch oder diskriminierend bewertet würden. Das betreffe Werktitel, alte Aufschriften oder zitierte Quellen.

Fehlendes Mandat zu handeln?

Küllig sieht hingegen darin eine große Gefahr. "Je mehr sie so einen Unsinn machen, umso mehr bestärken sie diejenigen, die eh schon die Schnauze voll haben." Vor allem Menschen, die in einer Diktatur sozialisiert wurden, seien besonders sensibel. "Wir kennen diese ganze Umbenennungen von Straßen und so weiter aus der DDR", so Küllig. Bei den Kunstwerken widerspreche es der Kunstfreiheit.

Seine Petition hat bereits rund 3.600 Unterstützer. Etwa 1.800 davon stammen aus Sachsen. Finden sich mindestens 12.000 Unterstützer in den kommenden sechs Wochen, ist das Quorum erreicht, dann wird das Portal "openPetition" von den Staatlichen Kunstsammlungen eine Stellungnahme einfordern.

Der Petent kritisiert, dass es keinen gesellschaftlichen Diskurs dazu gegeben habe. "Diese Kunstwerke gehören den sächsischen Bürgern", so Küllig. Ackermann sei lediglich die "Sachwalterin" der weltweit einzigartigen Kunstschätze. "Ohne sich bei den Sachsen, also den Eigentümern, für so einen weitreichenden Eingriff die Zustimmung einzuholen, fehlt der Museumsleitung schlichtweg jedwedes Mandat."

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Er wolle nun verhindern, dass weitere Kunstwerke umbenannt werden und die 143 Stücke ihre bisherigen Titel zurückbekommen. "Eingriffe in die Sprachgestaltung sind grundsätzlich autoritären Regimen zuzuschreiben und von Demokraten klar abzulehnen." Er spricht von "Manipulation der Sprache", die letztendlich auch eine "Manipulation des Denkens" sei. Es sei ihm bewusst, dass nur Ackermann darüber entscheiden kann. "Aber sie soll die Gegenwehr der Bürger spüren", findet Küllig.

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