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Jan Pratzka zu Dresdens neuem Wirtschaftsbürgermeister gewählt

Monatelang war der Posten unbesetzt, weil sich OB und Stadtrat nicht einigen konnten. Jetzt hat Dresden wieder einen Wirtschaftsbürgermeister. Dennoch kam es zum Eklat.

Von Andreas Weller & Dirk Hein
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Jan Pratzka (CDU) wurde als neuer Dresdner Wirtschaftsbürgermeister gewählt
Jan Pratzka (CDU) wurde als neuer Dresdner Wirtschaftsbürgermeister gewählt © Christian Juppe

Dresden. Die Führungsspitze im Dresdner Rathaus ist wieder komplett. Nachdem sich der Stadtrat der Landeshauptstadt und OB Dirk Hilbert (FDP) monatelang nicht auf die Wahl neuer Bürgermeister einigen konnten, wurde am Donnerstag die letzte offene Stelle besetzt. Jan Pratzka (CDU) wurde zum Bürgermeister für Wirtschaft, Digitales, Personal und Sicherheit gewählt.

Pratzka ist 51 Jahre alt. Der studierte Jurist ist Stadtbezirksbeirat in Klotzsche und CDU-Mitglied. Er war von 2011 bis 2019 Chef des Dresdner Jobcenters und wurde dann Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Dresden. Pratzka ging als Favorit in die Wahl. Neben ihm standen Thomas Ladzinski und Lilla Farkas zur Wahl. Ladzinski (34) ist Fraktionschef der AfD-Fraktion im Dresdner Stadtrat, er wurde von seiner Fraktion vorgeschlagen. Lilla Farkas (52) hat in Budapest und Heidelberg Medizin studiert und nach ihrer Promotion noch ein Managementstudium abgeschlossen. Sie wurde von den Dissidenten vorgeschlagen.

So lief die Wahl

Die Wahl selbst fiel klar aus. Jan Pratzka erhielt 34 Stimmen, 33 hätten im ersten Wahlgang gereicht. Thomas Ladzinski wurde von 15 Räten gewählt, mehr als seine Fraktion Mitglieder hat. Lilla Farkas erhielt 14 Stimmen.

Dem vorausgegangen war ein bundesweit einmaliger Vorgang. Insgesamt viermal scheiterten Wahlversuche für neue Bürgermeister im Rat. Von vormals sieben Bürgermeistern waren mit Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) und Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) im Januar 2023 nur noch zwei Spitzenbeamte im Dienst. Nacheinander waren die Amtszeiten von Eva Jähnigen (Grüne), Peter Lames (SPD), Detlef Sittel (CDU), Kristin Kaufmann (Linke) und Annekatrin Klepsch (Linke) ausgelaufen.

Erst ein Schlichterspruch brachte die Wende. Ende Januar 2023 wurden Eva Jähnigen, Kristin Kaufmann und Annekatrin Klepsch mit teils knappen Mehrheiten gewählt. CDU-Stadtrat Steffen Kaden scheiterte hingegen als potenzieller Wirtschaftsbürgermeister, trotz einer Wahlvereinbarung zwischen Grünen, Linken und CDU. Kaden trat nicht erneut zur Wahl an. Seither hatte die CDU, größtenteils intern und ruhig, nach einem Kompromisskandidaten gesucht. Beobachter sehen darin einen ersten großen Erfolg der neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden Heike Ahnert. Ihr Vorgänger Peter Krüger war unter anderem wegen der gescheiterten Wahl von Steffen Kaden zurückgetreten.

Weiter kein OB Stellvertreter

Ein weiterer Machtkampf zwischen OB Hilbert und dem Stadtrat bleibt offen. Der OB möchte Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) als seinen Stellvertreter und damit zum Ersten Bürgermeister wählen lassen. Zweite Stellvertreterin soll Eva Jähnigen werden. Seit Wochen wird über diese Reihenfolge gestritten.

Ein Änderungsantrag der Dissidenten, Eva Jähnigen zur OB-Stellvertreterin zu wählen, fand in einer ersten Abstimmung eine Mehrheit. Als final abgestimmt werden sollte, scheiterte dieser Plan - und damit auch die komplette Besetzung.

"Mich stinkt diese Verlogenheit an, es geht um wichtige Positionen, wir brauchen Vertrauen, wir brauchen Führungsstärke, leider ist dies nicht zustandegekommen", so ein emotionaler OB. "Dass wir es nicht schaffen, die Vertreter des OBs zu wählen, spricht Bände."