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Riesenrad verschwindet vom Postplatz

Viele Schwertransporte rollen jetzt. Wo das Riesenrad nächstes Jahr wieder aufgebaut werden soll.

Noch steht das Riesenrad am Postplatz. Doch jetzt wird es abgebaut. Michael Stöß und weitere Kraftfahrer bringen die Teile auf Schwertransporten zurück ins Rheinland.
Noch steht das Riesenrad am Postplatz. Doch jetzt wird es abgebaut. Michael Stöß und weitere Kraftfahrer bringen die Teile auf Schwertransporten zurück ins Rheinland. © René Meinig

Dresden. Michael Stöß steht an seinem Lkw zu Füßen des Riesenrads am Postplatz. Der 57-jährige Kraftfahrer schaut zu, wie der 200-Tonnen-Kran Teil für Teil auf den Sattelauflieger hievt, der an seiner Zugmaschine hängt. 

Die diesjährige Saison des Aussichtsriesenrads Wheel of Vision in Dresden ist beendet. Am Sonntag konnten die letzten Fahrgäste aus bis zu 55 Metern Höhe die spektakuläre Aussicht auf Dresden genießen. 

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Das Kassenhäuschen soll verladen werden. Kurz danach schwebt es am Ausleger des Krans.
Das Kassenhäuschen soll verladen werden. Kurz danach schwebt es am Ausleger des Krans. © René Meinig

Ende Juni hatte der Düsseldorfer Betreiber Oscar Bruch das Riesenrad mit seinen 42 Gondeln auf der Freifläche zwischen Freiberger und Annenstraße aufbauen lassen. Er hatte ein spezielles Hygienekonzept, damit er auch in Coronazeiten starten konnte. 

So durften in die Gondeln mit jeweils acht Plätzen nur Fahrgäste zusteigen, die zu einem Haushalt gehören. Deshalb hatten einzelne Besucher das exklusive Erlebnis, allein in den Gondeln zu fahren, die jetzt wieder verladen werden.

55 Meter hoch ist das Riesenrad, das derzeit mithilfe eines Krans abgebaut wird.
55 Meter hoch ist das Riesenrad, das derzeit mithilfe eines Krans abgebaut wird. © René Meinig

Kraftfahrer Stöß war am Sonntagabend um zehn zu Hause gestartet, damit er Montagmorgen in Dresden ist. Er hatte vor 28 Jahren bei Bruchs Vater in dem rheinländischen Familienunternehmen angefangen, das bereits seit 1828 im Schaustellergewerbe aktiv ist. 

Stöß ist mit Riesenrädern schon in viele Orte gefahren, so in die polnische Hafenstadt Gdynia an der Ostsee und in die schwedische Hauptstadt Stockholm. 

Solche Ausblicke konnten die Fahrgäste vom Riesenrad aus genießen.
Solche Ausblicke konnten die Fahrgäste vom Riesenrad aus genießen. © Sven Ellger

Oscar Bruch betreibt heute drei Aussichtsriesenräder, von denen das größte 60 Meter hoch ist. Vergangene Woche hatte Stöß noch ein Riesenrad aus Trier abtransportiert. Jetzt ist er in Dresden. 

„Für mich ist die Arbeit interessanter als bei einer Spedition, wo mir immer die Zeit im Genick sitzt“, sagt er. Stöß fährt nicht nur, sondern organisiert auch die Transporte, koordiniert den Einsatz der Fahrer und kümmert sich um die Wartung sowie die TÜV-Abnahme von Bruchs Fahrzeugen. 

„Der hat genug geladen“, ruft Firmenchef Bruch zu Füßen seines noch stehenden Riesenrads. „Er soll sehen, dass er jetzt loskommt.“ Kraftfahrer Stöß steigt in seinen Lkw und fährt um die Ecke in Richtung Autobahn. 

Das ist der erste von insgesamt 26 Transporten, erklärt Bruch. Insgesamt müssen Teile und Container mit einem Gewicht von 300 Tonnen verladen werden. Das Riesenrad ist ohne die Gondeln 120 Tonnen schwer. 

Als der erste Transport um die Ecke ist, schweben bereits die Container der beiden Kassenhäuschen auf den nächsten Tieflader. Allein bis Montagabend folgen noch weitere vier Schwertransporte in Richtung Rheinland. 

Bruchs Betriebsleiter Gabriel Pal und weitere elf Mitarbeiter bauen bis Mittwoch das Riesenrad ab. Das ist nicht einfach. 

„Dabei müssen sie – mit Gurten gesichert – aufs Riesenrad Klettern, um die Bolzen der Speichen zu lösen“, erläutert Bruch. Jede der insgesamt 21 Speichen wiegt stattliche vier Tonnen. Hinzu kommen noch 42 Teile des Außenkranzes. 

Danach wird das Podest abgebaut. Am Freitag rollt der letzte Transport ab. Dann wird die Fläche vor der Baustelle der Mary-Ann-Apartments komplett beräumt sein.

Auf dem Platz zwischen Wasservorhang und Schauspielhaus will Betreiber Oscar Bruch nächstes Jahr sein Riesenrad aufbauen. Dort hatte es bereits 2019 gestanden. Dieses Jahr war die Fläche als Teil des Promenadenrings ausgebaut worden.
Auf dem Platz zwischen Wasservorhang und Schauspielhaus will Betreiber Oscar Bruch nächstes Jahr sein Riesenrad aufbauen. Dort hatte es bereits 2019 gestanden. Dieses Jahr war die Fläche als Teil des Promenadenrings ausgebaut worden. © René Meinig

„In Dresden ist es gut gelaufen. Die Gäste waren sehr zufrieden “, sagt Bruch. Wegen des Hygienekonzepts sei die Kapazität im Gegensatz zu 2019, als das Riesenrad erstmals in Dresden aufgebaut wurde, allerdings beschränkt gewesen. Deshalb sei die Zahl der Fahrgäste gegenüber dem vergangenen Jahr geringer, als täglich etwa 1.000 Fahrgäste das Angebot genutzt hatten.

„Am Anfang hatten wir Tage mit 50 bis 100 Besuchern. Da mussten wir noch draufzahlen“, erklärt er. Ursprünglich sollte das Riesenrad nur bis 23. August stehen. „Ich bin jedoch zufrieden, dass wir noch verlängert hatten.“ Dann konnten an Spitzentagen bis zu 1.700 Besucher gezählt werden. 

Das schützende Dach vom Eingangsbereich ist ausgehoben. Jetzt wird es in Einzelteile zerlegt.
Das schützende Dach vom Eingangsbereich ist ausgehoben. Jetzt wird es in Einzelteile zerlegt. © René Meinig

„Mittlerweile haben wir schon viele Stammgäste“, sagt der Betreiber. Vor allem ältere Leute, die schwer auf Türme steigen können, hätten das Riesenrad genutzt, um die Aussicht auf Dresden genießen zu können. Einheimische Besucher brachten Gäste und Senioren ihre Enkel mit zum Riesenrad.

„Bei uns hatten sich viele Leute bedankt“, sagt Betriebsleiter Pal, der schon seit 16 Jahren bei Bruch arbeitet. Seine Frau Elisabeth, die an der Kasse saß, hätte von Fahrgästen als kleines Dankeschön sogar Schokolade geschenkt bekommen.

Nach dem Abbau in Dresden geht für Pals Team am Sonnabend die Arbeit in Düsseldorf gleich weiter. Dort muss das Riesenrad auf dem zentralen Burgplatz in der Altstadt direkt am Rheinufer aufgebaut werden, wo es sich bis Januar dreht. 

Betriebsleiter Gabriel Pal koordiniert die Arbeiten beim Abbau. Dabei hat der 42-Jährige schon viel Erfahrung. Schließlich arbeitet er schon seit 2004 bei Oscar Bruch.
Betriebsleiter Gabriel Pal koordiniert die Arbeiten beim Abbau. Dabei hat der 42-Jährige schon viel Erfahrung. Schließlich arbeitet er schon seit 2004 bei Oscar Bruch. © René Meinig

„Nächstes Jahr komme ich mit dem Riesenrad auf jeden Fall wieder nach Dresden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, erklärt Bruch. Die genauen Termine müsste er aber noch abstimmen. Bruch habe sich in Dresden verliebt. 

„Dieses Flair in der Innenstadt ist toll.“ Er stelle mittlerweile schon Fotos von Dresden auf Facebook, worüber sich einige Freunde noch wundern würden.

2021 will Bruch sein Riesenrad wie 2019 zwischen Wasservorhang und Schauspielhaus aufbauen. Dieses Jahr musste der Platz gewechselt werden, da diese Fläche für den Promenadenring um die Altstadt ausgebaut wurde. Die Arbeiten sind abgeschlossen. Jetzt ist das Areal noch attraktiver, da neue Beete gebaut und Bänke aufgestellt wurden. 

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