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Sachsen-Energie sichert Wasser-Nachschub

Dresdens größter Wasserspeicher erhält einen besseren Schutz. Warum das Großprojekt viel teurer wird.

Lisa-Marie Mähler steht in einer riesigen Kammer im Hochbehälter Räcknitz, die sonst mit Trinkwasser gefüllt ist. Dresdens größter Wasserspeicher wird schrittweise saniert. Die Bauingenieurin dokumentiert die Schäden an der Decke.
Lisa-Marie Mähler steht in einer riesigen Kammer im Hochbehälter Räcknitz, die sonst mit Trinkwasser gefüllt ist. Dresdens größter Wasserspeicher wird schrittweise saniert. Die Bauingenieurin dokumentiert die Schäden an der Decke. © René Meinig

Dresden. Lisa-Marie Mähler steht in einer riesigen Halle. Sie gehört zum Trinkwasser-Hochbehälter Räcknitz der SachsenEnergie. Er wird der von der Dresdner Niederlassung Firma Wiedemann schrittweise saniert. Bei zwei der insgesamt vier Doppelkammern ist das seit 2019 bereits geschafft. In diesem Jahr wurde in den beiden nächsten jeweils 60 Meter langen und 5,8 Meter hohen Hallen mit ihren insgesamt 174 Säulen das Wasser abgelassen, um sie sanieren zu können.

Die Voraussetzung: Junge Ingenieurin erfasst Schäden

Die junge Bauingenieurin dokumentiert gerade die Schäden an den Decken. Etwa drei Tage benötigt die 22-Jährige dafür. Ihre Aufzeichnungen werden einerseits für die Abrechnung der Arbeiten, andererseits für die Dokumentation des Zustandes für die SachsenEnergie genutzt. Sie erfasst an der freigelegten Decke beispielsweise, wo die Stahlbewehrung durchgerostet und ersetzt werden muss.

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Die Dresdnerin hat bereits ihren Bachelor-Abschluss und will bis September ihr Diplom-Studium beenden. Parallel dazu arbeitet sie seit über zwei Jahren bereits bei Wiedemann. „Es ist eine sehr abwechslungsreiche Arbeit. Auf jeder Baustelle gibt es etwas Neues“, sagt Lisa-Marie Mähler. „Wir haben vor, sie nach dem Abschluss auch zu übernehmen“, erklärt der Dresdner Wiedemann Niederlassungsleiter Toralf Schuppan. Sie wird dann auf eigenen Wunsch als Bauleiterin eingesetzt und solche Projekte wie im Räcknitzer Hochbehälter führen.

Insgesamt 174 Säulen tragen die beiden Decken der Doppelkammer des Hochbehälters. Zum Schutz sind sie während der Sanierung mit Folie verhüllt.
Insgesamt 174 Säulen tragen die beiden Decken der Doppelkammer des Hochbehälters. Zum Schutz sind sie während der Sanierung mit Folie verhüllt. © René Meinig

Der wachsende Verbrauch: Im Juni Jahresrekord erzielt

Die SachsenEnergie investiert viel für die Trinkwasser-Anlagen in der Großstadt. Dass sie wächst, ist auch am Verbrauch spürbar. Wurden 2011 täglich im Durchschnitt noch rund 102.000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, so waren es 2015 bereits 112.000 Kubikmeter. Im vergangenen Jahr flossen bereits täglich im Durchschnitt 124.689 Kubikmeter zu den Verbrauchern, erklärt SachsenEnergie-Sprecherin Nora Weinhold. Der diesjährige Verbrauchsrekord wurde am 7. Juni mit knapp 144.264 Kubikmetern erreicht.

Der Trend liegt hauptsächlich an der Industrie, die stark wächst. So hat Bosch jetzt seine neue Mikrochipfabrik im Rähnitzer Gewerbegebiet Airportpark eröffnet. Schon jetzt benötigt die gesamte Mikroelektronikbranche im Dresdner Norden so viel Wasser, wie das Tolkewitzer Werk aufbereiten kann. Rund 58 Prozent des Wassers verbrauchen Haushalte und Kleingewerbetriebe, etwa 36 Prozent Industrie und Gewerbe. Der Rest wird für öffentliche Einrichtungen, Gärten und die Landwirtschaft benötigt.

In Dresden wird immer mehr Trinkwasser verbraucht. Am 7. Juni waren es 144.264 Kubikmeter. Das ist der bisherige Jahresrekord.
In Dresden wird immer mehr Trinkwasser verbraucht. Am 7. Juni waren es 144.264 Kubikmeter. Das ist der bisherige Jahresrekord. © Claudia Hübschmann

Das Trinkwasser-System: 35 Hochbehälter in Dresden

Aufbereitet wird das als Lebensmittel eingestufte Trinkwasser in den Werken Coschütz, Hosterwitz und Tolkewitz und dann in Hochbehältern gespeichert. Mit seinen acht unterirdischen Kammern ist der Räcknitzer der größte der 35 Hochbehälter. Insgesamt können dort 60.000 Kubikmeter Wasser gespeichert werden. Das ist etwa ein Viertel des gesamten Fassungsvermögens aller Dresdner Hochbehälter. Versorgt wird damit das linkselbische Dresdner Stadtgebiet zwischen Prohlis und Cossebaude. Diese Räcknitzer Anlage wurde 1929 übergeben.

Ein Blick auf das Gelände des Hochbehälters an der Räcknitzhöhe. Die riesigen Wasserspeicher sind unter dem Rasen.
Ein Blick auf das Gelände des Hochbehälters an der Räcknitzhöhe. Die riesigen Wasserspeicher sind unter dem Rasen. © Marion Doering

Der erste Schritt: Vier Speicherkammern bereits saniert

2019 hatte die SachsenEnergie die erste Doppelkammer saniert, 2020 die zweite. Die Decken der 90 Jahre alten Bauwerke wurden dabei neu beschichtet. In diesem Jahr ist die dritte Doppelkammer an der Reihe. Im März hatten die ersten Vorbereitungen begonnen.

Die ersten Probleme: Bauschutt muss auf Spezialdeponie

Allerdings gab es zwei Probleme, erklärt SachsenEnergie-Projektleiter Martin Kayser. Die zeigten sich, nachdem die alte Mörtelschicht mit einer Wasserstrahlanlage mit einem Hochdruck von 1.900 Bar entfernt worden war. Wie bereits bei den anderen Kammern hatten die Decken in einigen Bereichen nicht mehr die nötige Zugfestigkeit von 1,5 Newton pro Quadratmillimeter. An solche Bauwerke werden extrem hohe Anforderungen gestellt. Schließlich entspricht der geforderte Wert umgerechnet einer Gewichtskraft von 65 Kilogramm auf der Fläche einer Ein-Euro-Münze, erläutert er. Auf diese Flächen werden Edelstahlmatten mit Edelstahlstiften befestigt.

Außerdem war wie schon bei den anderen Kammern der Beton an den Decken mit Phenol belastet. „Das stammt vermutlich von alten bituminösen Anstrichen“, erläutert der Projektleiter. „Zu Verunreinigungen des Trinkwassers ist es aber nicht gekommen.“ Schließlich werde das Lebensmittel regelmäßig auf zahlreiche Parameter untersucht. „Es hatte vorher keine Beanstandungen gegeben“, sagt Kayser.

So müssen die insgesamt rund 400 Tonnen Strahlschutt, die bei der Sanierung des gesamten Hochbehälters anfallen, auf Spezialdeponien entsorgt werden. Insgesamt wachsen die Kosten deshalb um 600.000 Euro auf insgesamt 4,3 Millionen, erklärt er.

Das nächste Problem: Langes Warten auf Baumaterial

Mit dem nächsten Problem muss sich der Dresdner Wiedemann-Chef Schuppan herumschlagen, der die Arbeiten leitet. „Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren ist es sehr schwierig, Baumaterial zu bekommen“, sagt er. Probleme hatte es unter anderem bei der Beschaffung von Bauholz zum Abstützen der Decken, von Bewehrungsmatten oder von Gipskartonplatten gegeben. Offenbar hatten viele Firmen wegen Corona ihre Produktion zurückgefahren, obwohl besonders in Dresden der Bau boomt. So war wochenlanges Warten angesagt. „Jetzt haben wir aber alles."

Bauleiter Toralf Schuppan (l.) von der Firma Wiedemann und SachsenEnergie-Projektleiter Martin Kayser freuen sich, dass die Arbeiten trotz mancher Schwierigkeiten zügig voran gehen.
Bauleiter Toralf Schuppan (l.) von der Firma Wiedemann und SachsenEnergie-Projektleiter Martin Kayser freuen sich, dass die Arbeiten trotz mancher Schwierigkeiten zügig voran gehen. © René Meinig

Die Arbeiten: Besserer Schutz für Hallendecke

Die Arbeiten sind jetzt so weit vorangeschritten, dass die Decken komplett abgestrahlt und Wände sowie Säulen mit Folien geschützt sind. Die Sanierer werden die rund 3.000 Quadratmeter der Decke neu beschichten, was fast der Größe eines Fußballfeldes entspricht. Danach wird die bis zu 3,5 Zentimeter starke Schicht bis Ende September aushärten. Am Ende prüfen Fachleute mit einem Haftzugmessgerät die Zugfestigkeit der Betonschicht an der neuen Decke. Schließlich sei beim Trinkwasser eine besondere Betonqualität nötig.

Sven Huck bereitet die neue Beschichtung der Decke vor. Der 42-jährige Betonsanierer bringt an den Köpfen der Säulen Metallschinen an. Nur so ist es möglich, wieder ordentliche Kanten herzustellen.
Sven Huck bereitet die neue Beschichtung der Decke vor. Der 42-jährige Betonsanierer bringt an den Köpfen der Säulen Metallschinen an. Nur so ist es möglich, wieder ordentliche Kanten herzustellen. © René Meinig

Das Finale: Labortest vor Inbetriebnahme nötig

Danach werden die Kammern im Oktober noch gereinigt und desinfiziert, um sie zu einem Drittel mit Wasser befüllen zu können. Das wird noch im Labor geprüft. Erst, wenn es die Freigabe erteilt, kann dieser Teil des Hochbehälters wieder in Betrieb genommen werden erklärt Kayser. Erst dann werden die riesigen Kammern bis zu einer Höhe von fünf Metern komplett mit Wasser befüllt. Im kommenden Jahr kommt die letzte Doppelkammer an die Reihe. Damit wird das Großprojekt abgeschlossen.

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