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Sarrasani: "Ein gebrauchtes Jahr, aber..."

Dieses Jahr wird Magier André Sarrasani nie vergessen. Das liegt nicht nur an Corona, es gab auch einen Tigerbiss einen tragischen Todesfall und einiges mehr.

So richtig stark fühlt sich André Sarrasani auf der Bühne. Das Jahr 2020 ging für ihn gut los, aber dann kam Corona.
So richtig stark fühlt sich André Sarrasani auf der Bühne. Das Jahr 2020 ging für ihn gut los, aber dann kam Corona. © Sven Ellger

Dresden. Dramatischer hätte ein Jahr für André Sarrasani kaum verlaufen können als 2020. Im Januar, noch während seine Dinner-Show lief, enthüllte die SZ, dass seine Zeit im Elbepark abgelaufen ist.

Sarrasani musste einen neuen Standort finden. Die Umsetzung verlief mehr als unglücklich, am Ende wurde sein Zelt als "Schwarzbau" eingestuft. Das war nur eine Episode in einem turbulenten Jahr für Sarrasani.

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Nach dem Aus im Elbepark blickte der Magier optimistisch ins Jahr 2020. Die Show lief gut, nach der Insolvenz und der Privatinsolvenz waren die Geschäfte wieder auf einem guten Weg.

Auch der Beginn der Corona-Krise konnte Sarrasani zunächst wenig anhaben. "Wir hatten richtig Glück, dass unsere Saison vorbei war als es mit Corona losging", so Sarrasani. "Im März hätte ich nicht gedacht, dass das mehr als ein Jahr dauern wird." Die Haupteinnahmen durch die Show waren bereits drin. "Aber dann sind uns im April zwei große Aufträge weggebrochen."

Den Sommer konnte er gut mit der Zeltvermietung für die Landesbühnen Sachsen überbrücken. Im Rathen stellt Sarrasani damit das Theater während des Umbaus der Felsenbühne. "Sonst wäre uns die Finanzierung um die Ohren geflogen", gibt Sarrasani zu. Auch der neue Standort für das Trocadero-Zelt und die Dinner-Shows, die ab November losgehen sollten, war schnell gefunden. Einige andere Aufträge wurden zumindest nicht storniert, sondern die Veranstaltungen wegen Corona verschoben.

Turbulenter Herbst: Schwarzbau und Tiger-Biss

Im Herbst gab es dann einen Schicksalsschlag für Sarrasani und seine Frau Edith. Panther-Mädchen Jada starb nach einer Leidenszeit an einen angeborenen Herzfehler. Jada gehört quasi zur Familie, Sarrasani hatte sie als Baby aufgenommen, sie zunächst in der eigenen Wohnung großgezogen. Später trat der Panther auch in den Shows auf.

Kurz danach gab es den Zwischenfall in Sarrasanis-Sommer-Lager in Ottendorf-Okrilla. Tigerdame Kaya biss einen Handwerker, der sie streicheln "wollte". Der Notarzt musste per Hubschrauber eingeflogen werden, Sarrasani und einige anwesende Zirkusleute leisteten erste Hilfe, retten so das Leben von Mario K., den Chef einer Bodenleger-Firma, der ein Freund von Sarrasani ist. "Wir haben den Finger in die Wunde gelegt", scherzt Sarrasani mittlerweile darüber. Der Mann musste lange in der Uniklinik behandelt werden, Spezialisten retteten seinen Arm. Allerdings hat der Vorfall auch Folgen. Zunächst war unklar, ob Kaya überhaupt noch auftreten kann. Sarrasani sagt ja, allerdings nur im Käfig, nie mehr an der Leine. ""Das ist ein Schlag ins Genick", so der Magier.

Damit war der turbulente Herbst noch nicht vorbei. Sarrasani fing an, sein Zelt am Kongresszentrum aufzubauen. Doch der Standort war nicht genehmigungsfähig und der Magier hatte nicht mal eine Genehmigung beantragt. Er musste seinen Schwarzbau wieder entfernen. Es kam zum offenen Streit mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Der nächste Umzug - es ging zurück nach Kaditz, in die Nähe des Elbeparks.

Mehr Lebensqualität und Hilfe

Doch auch dieser Aufbau führte bisher nicht zum Ziel, wieder zu spielen, Menschen zu unterhalten und Geld zu verdienen. "Wir haben immer Lösungen gefunden, so sind wir Zirkusleute", sagt Sarrasani. Auch in schwierigen Zeiten habe er sich immer darauf verlassen können, dass sein Unternehmen auf mehreren Beinen stehe. Gibt es keine Show, werden Events organisiert - da das alles derzeit nicht geht, vermietet er Zelte.

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Wegen der Corona-Krise ist unklar, wann solche Veranstaltungen wie die Dinner-Shows wieder erlaubt sind. Sarrasani will auf jeden Fall spielen, dann eben irgendwann 2021. Im Sommer wird auch wieder sein Zelt in Rathen stehen und im Herbst hat er einen großen Auftrag in Wiesbaden. Zusammen mit einer Corona-Hilfe, auf die er hoffe, werde es schon reichen. "2020 ist ein gebrauchtes Jahr, aber es gibt auch Positives", sagt Sarrsani. "Ich habe noch nie so viel Zeit mit meiner Familie verbracht und ganz normal geredet, ohne Druck." Das sei eine Lebensqualität, von der er hofft, dass sie über Corona hinaus reiche. "Und die Solidarität ist durch die Krise wieder mehr in den Vordergrund gerückt. Ich habe einige wirklich tolle Hilfsangebote erhalten." Und auch für die bisher verkauften Karten für seine ausgefallene Show haben nur wenige die Rückerstattung gefordert. "Das ist echt cool und eine große Hilfe."

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