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Sarrasani-Schläger verurteilt

Der Angriff auf den bekannten Magier und seine Partnerin offenbart erhebliche Probleme in der Dresdner Türsteher-Szene.

André Sarrasani und seine Partnerin Edith Slavova durften nicht in eine Dresdner Disko. Während ihre Kollegen dort feierten, wurden sie von einem Türsteher geschlagen.
André Sarrasani und seine Partnerin Edith Slavova durften nicht in eine Dresdner Disko. Während ihre Kollegen dort feierten, wurden sie von einem Türsteher geschlagen. © SZ/Alexander Schneider

Es ist leider Alltag, dass es an den Türen von Clubs und Diskotheken zu Auseinandersetzungen kommt. Daher schützen die Veranstalter nächtlicher Vergnügungen ihre Tanztempel mit den Dienstleistungen von Wachdiensten. Zu dem Job der Damen und vor allem Herren gehört es, einiges ertragen zu können, sich nicht provozieren zu lassen – und freundlich zu bleiben. Fehlverhalten belastet die Auftraggeber.

Doch was sich die Männer im Januar 2019 am Eingang der Diskothek Blue in der Wallstraße geleistet haben, hat weder mit „Dienst“ etwas zu tun, noch mit „Leistung“. Und dass ausgerechnet, als an jenem Sonnabend gegen 3 Uhr morgens der bekannte Zauberer, Dompteur und Trocadero-Gastgeber André Sarrasani vor ihnen stand. Seit Mitte Januar steht das Geschehen im Mittelpunkt eines Strafprozesses am Amtsgericht Dresden.

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Der Magier und seine Partnerin Edith Slavova wollten mit Mitarbeitern, die schon im Blue waren, den Geburtstag eines Kollegen feiern – doch sie wurden von den beiden Türstehern nicht hineingelassen. Als die Frau selbst hineinging, wurde sie von einem dritten Mann, offenbar auch ein Wachmann, hinausgeführt. Dabei gab es ein Gerangel, die Frau soll von dem Mann gegen die Tür gestoßen worden sein.

Unerwarteter Kopfstoß

Dann mischte sich Sarrasani ein, verbat sich das – und erhielt von dem Mann einen Kopfstoß. Sarrasani verlor zwei Schneidezähne. Als wenig später die Polizei kam, war der Schläger verschwunden. Die Wachmänner gaben sich ahnungslos.

Ihr Verhalten wirft ein fahles Licht auf die Branche – und auf die Polizeiarbeit. Denn das Agieren der Blue-Security scheint in dem Ermittlungsverfahren allenfalls am Rande eine Rolle gespielt zu haben. Dienstbücher und Tätigkeitsnachweise wurden offenbar nicht untersucht.

So konnte einer der Wachmänner, Erik L. (32), den Beamten monatelang Lügen auftischen. Der Täter sei kein "dritter Wachmann", sondern ein "Gast" gewesen, hatte er behauptet. Die Identität des zweiten Türstehers ist bis heute unklar. Jedenfalls gehörte der Name, der den Polizisten vor Ort am Blue genannt worden war, einem Wachmann, der an jenem Tag dort nicht im Dienst war.

Die Polizei hatte als mutmaßlichen Täter Sebastian R. ermittelt. Aufgrund seiner markanten Beschreibung war er schnell im Visier. Hinzu kommt, dass der Polizeicomputer mehrere Fälle angezeigt hatte, in denen ein dritter Mann an der Tür aufgefallen war, auf den ebenfalls die Täterbeschreibung passte. Insofern war die Polizeiarbeit erfolgreich. Der 42-jährige wurde angeklagt, Sarrasani und Slavova verletzt zu haben. Außerdem soll er eine Urkunde unterdrückt haben, indem er einem beamten bei einer Verkehrskontrolle den Dienstausweis abgenommen und erst nach Einsatz vom Zwangsmitteln wieder herausgegeben hatte.

Wachmann lügt bei der Polizei

Der Angeklagte ist tatsächlich Wachmann, wie nun bekannt wurde, mehrfach vorbestraft und ein bekannter Rechtsextremer, der kaum eine einschlägige Demo auslässt. Vor Gericht schwieg der Mann jedoch. Auch nachdem ihn die Geschädigten sofort und ohne Zweifel wiedererkannt hatten. Der Fortsetzungstermin war jedoch nötig, weil Wachmann L. sich kurzfristig krankgemeldet hatte.

Am Mittwoch war auch schnell klar, warum es dem 32-Jährigen nicht so gut ging. Er habe in seiner Polizeivernehmung gelogen, um den Angeklagten zu schützen, sagte der Zeuge. Ja, der Angeklagte sei vor Ort gewesen. Ob er jedoch Dienst hatte, könne er nicht sagen. Schläge habe er nicht gesehen, es sei so turbulent gewesen.

Der Richter hatte nach der dreistündigen Verhandlung keine Zweifel mehr. R. habe Sarrasani einen Kopfstoß verpasst und zuvor dessen Partnerin gegen eine Tür gestoßen. Die Geschädigten seien glaubwürdig. Einzig Türsteher L. sei als Zeuge vage und schwammig geblieben. Sebastian R. wurde wegen zweifacher Körperverletzung zu fünf Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er Sarrasani 2.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Den zweite Vorwurf, die angebliche Urkundenunterdrückung, hatte der Richter schon zuvor im Hinblick auf das Urteil eingestellt.

Verteidiger akzeptiert Urteil nicht

Verteidiger Rolf Franek hatte Freispruch gefordert und kritisiert, die Zeugen seien nicht glaubhaft, das Geschehen könne auch anders gewesen sein. Es sei regelmäßig so, dass Türsteher niemanden mehr einließen und die Leute nicht nach Hause gehen wollten. Ein "normaler Mensch", so Franek, hätte seinen Kollegen eine SMS geschickt und gesagt, "Ok, wir kommen nicht mehr rein". Doch Sarrasani und Slavova, möglicherweise habe es am Alkohol gelegen, hätten das nicht akzeptiert. Sie hätten unbedingt hineingewollt und die Frau habe es "irgendwie geschafft". Der Verteidiger kündigte an, das Urteil nicht zu akzeptieren und in Berufung zu gehen.

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Was am Ende niemanden mehr interessiert hatte: Als Sarrasani nebst Frau gegen 3 Uhr in die Disko wollten, war dort noch lange nicht Schluss. Die Kollegen des Künstlers feierten noch bis 5 Uhr. Da erreichte die Polizei der nächste Notruf aus dem Blue, weil zum Feiern gekommen war Was Franek jedoch nicht sagte: Im Blue wurde noch bis gegen 5 Uhr gefeiert. Denn zu dieser Uhrzeit war die Polizei ein zweites Mal dorthin alarmiert worden, weil es wieder Ärger zwischen den Türstehern, Sarrasani und seinen Kilolegen, die nun am Gehen war, gegeben hatte. Sarrasanis Begleiter hätten darauf bestanden, die Türsteher zu filmen, berichtete ein Polizist als Zeuge. Die Gäste hätten dann in Taxen den Ort verlassen.

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