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Schiffsreise vom Alberthafen nach Dubai

Nicht nur die Coronakrise hat Auswirkungen auf Schwertransporte auf der Elbe. Wovon diese besonders abhängen.

Disponentin Silvia Straßenburg kümmert sich um die Transporte im Alberthafen. Zum Glück führt die Elbe derzeit genügend Wasser.
Disponentin Silvia Straßenburg kümmert sich um die Transporte im Alberthafen. Zum Glück führt die Elbe derzeit genügend Wasser. © Marion Doering

Dresden. Hoch ragt der Kran auf der Schwerlastverladefläche des Alberthafens direkt an der Elbe empor. Hafendisponentin Silvia Straßenburg ist froh, wenn er wieder Arbeit bekommt. Erst am Sonnabend konnte eine große Verladeaktion gemeistert werden. Doch deren Zahl ist begrenzt. Denn nicht nur die Coronakrise hat Auswirkungen aufs Transportgeschäft der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe, sondern auch der Wasserstand im Fluss. 

Während der Wasserstand viele sprichwörtlich nicht interessiere, sei das bei ihr ganz anders, sagt die 42-jährige Hafendisponentin. „Der Wasserstand interessiert mich am meisten.“ Denn davon hängt bei Schwerlasttransporten auf der Elbe alles ab.

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Der Wasserstand: Großtransporte nur bei tiefer Fahrrinne

Das Unternehmen betreibt neben dem Alberthafen auch Häfen in Riesa und Torgau sowie im tschechischen Lovosice und Decin. Bei allen ist der Wasserstand der Elbe entscheidend. „Ich bekomme jeden Tag meine Wasserstandsmeldung vom Wasser- und Schifffahrtsamt, sagt Straßenburg. Für die volle Schiffbarkeit ist ein Pegelstand von zwei Metern nötig. Die Fahrrinne ist noch 40 Zentimeter tiefer. Diese Tiefe ist erforderlich, wenn ein Motorschiff mit 1.000 Tonnen beladen wird, beispielsweise mit Getreide. „Wenn ich nur ein bis zwei schwere Stücke lade, wie eine Turbine, können wir auch schon bei einer Fahrrinnentiefe von 1,20 Metern fahren“, erläutert sie. Dann ist das Gewicht aber begrenzt.

Am Sonnabendmorgen wurde diese Turbine an der Ro-Ro-Anlage des Alberthafens direkt an der Elbe aufs Schiff verladen.
Am Sonnabendmorgen wurde diese Turbine an der Ro-Ro-Anlage des Alberthafens direkt an der Elbe aufs Schiff verladen. © Sven Ellger

Derzeit sieht es gut aus. Der Dresdner Elbpegel liegt bei 2,44 Metern. Also bietet die noch tiefere Fahrrinne gute Bedingungen. „Wenn der Wasserstand längere Zeit stabil bleibt, können wir ganz anders planen“, sagt die Hafendisponentin.

Die Großaktion: Einheben beim ersten Mal geklappt

Und so ist die Verladekation am Sonnabend sehr gut über die Bühne gegangen. Gegen 5 Uhr war der Schwerlasttransporter mit seinen 22 Achsen auf dem Verladeplatz am Alberthafen angerollt. Gestartet war er mit einer 185 Tonnen schweren Turbine im Görlitzer Siemens-Werk. Disponentin Straßenburg und sieben Hafenfacharbeiter hatten ihn am Hafen bereits erwartet. Am Vortag war der Kran mit 220 Tonnen schweren Gegengewichten bestückt worden, sodass die Turbine gut verladen werden kann. Das gehöre genauso wie andere Dinge zur Planung. „Wir müssen auch gucken, wie breit die Last ist“, nennt Straßenburg eine weitere Voraussetzung. So wird die Breite der Spreiztraverse am Kran angepasst, an der die Turbine an Stahlseile hängt. 

In der Morgendämmerung ging es um sechs Uhr mit der Verladung der Turbine los. Bereits um sieben hing sie am Kran. Später schwebte sie langsam auf das Schiff der Deutschen Binnenreederei. Um neun war die Verladung abgeschlossen. „Dieses Mal hatten wir Glück“, sagt Straßenburg. Bereits beim ersten Versuch stand die Turbine gerade auf dem Schiff. Bei niedrigem Wasserstand gelinge das meistens nicht. „Das ist großer Aufwand.“ Teilweise müsse die Last bis zu fünfmal eingehoben werden, bis sie richtig steht.

Jetzt ist der Schubverband mit Schubschiff und Schiffsbehälter auf der Fahrt zum Schwerlastterminal im Hamburger Hafen. Spätestens am Freitag soll er dort sein. Dort wird die Turbine umgeladen und auf dem Seeweg nach Dubai gebracht.

Die Höhepunkte: Turbinen und Trafos verladen

„Ich bin froh, dass es wieder los geht und wir weitere Transporte in Planung haben“, sagt die Hafendisponentin. Denn der Wasserweg habe enorme Vorteile. Werde der für Schwertransporte nicht genutzt, müssten sie über Straßen rollen Für die und auch für Brücken sei das eine zusätzliche Belastung. Zumal der Zustand nicht immer der beste sei.

Nächste Woche soll es weiter gehen. Dann rollt wieder eine Siemens-Turbine aus Görlitz an. Geplant ist zudem, sechs, jeweils bis zu 70 Tonnen schwere Transformatoren aufs Schiff zu verladen. „Sie sollten eigentlich auf der Straße transportiert werden. Da die Elbe aber hoch genug steht, wollen wir sie jetzt auf dem Wasserweg transportieren“, erläutert Straßenburg. Anfang November soll ein weiterer, 140 Tonnen schwerer Siemens-Trafo folgen, der über die Elbe und den Mittellandkanal nach Gelsenkirchen gebracht werden soll.

Hier hing ein 173 Tonnen schwerer Trafo im vergangenen Frühjahr am Kran. Im Alberthafen begann seine Schiffsreise auf dem Wasserweg, die bis nach China führte.
Hier hing ein 173 Tonnen schwerer Trafo im vergangenen Frühjahr am Kran. Im Alberthafen begann seine Schiffsreise auf dem Wasserweg, die bis nach China führte. ©  Foto: Rene Meinig

„Dieses Jahr hatten wir noch nicht sehr viele solche Schwertransporte“, sagt die Hafendisponentin. So waren im April ein Generator, eine Turbine und eine Ölanlage von Siemens von Alberthafen aus mit einem Schiffstransport nach Hamburg gebracht worden. „Wir hatten auch Glück, dass die Elbe im Sommer immer wieder einen guten Wasserstand hatte.“ In den beiden vergangenen Jahren ging in dieser Zeit monatelang nichts mehr. So konnte Anfang Juli ein Schiffstransport mit zwei großen, jeweils 170 Tonnen schweren Elektromotoren vom VEM Sachsenwerk Dresden im Alberthafen starten. In dem Monat konnte dort zudem auch ein weiterer Siemens-Transport mit einer Turbine, einem Generator und einer Ölanlage verladen werden. 

Die Corona-Folgen: Weniger Transporte für Autozulieferer

Der Vorteil des rund einen Kilometer langen Alberthafens ist, dass er über die Straße, die Schiene und den Wasserweg erreichbar ist. Ist der Elbpegel zu niedrig, gibt es Alternativen. „Dieses Jahr war sehr durchwachsen“, sagt Straßenburg. In der Coronakrise habe besonders die Automobilbranche gelitten. So seien zeitweise Schienentransporte aus dem besonders betroffenen Italien ganz ausgeblieben. Als ein Beispiel führt sie Stabstahl für Schmieden an, die die Automobilindustrie beliefern. Dazu gehörte auch die Frauenthal Powertrain GmbH in Roßwein bei Döbeln. Zwar konnte sie zwischenzeitlich wieder beliefert werden. Aber letztmalig im September. Denn das Schmiedewerk mit 110 Mitarbeitern, das zur österreichischen Frauenthal-Gruppe gehört, soll zum Jahresende schließen.

Corona wirkt sich im Alberthafen auch anders aus. „So sind die Mitarbeiter teilweise in Kurzarbeit, da wir auf Hygiene achten müssen und sich die Schichten nicht überlappen dürfen“, erklärt die Hafendisponentin. 

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