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Schnee zerstört Theaterzelt in Dresden

Mit dem Lockdown im Herbst strandete das Theater Zauberwald in Dresden. Nun ist die Existenz der Familie endgültig bedroht.

Nach der Zerstörung ihres Zeltes durch die Schneemassen wissen die Puppenspieler nicht weiter.
Nach der Zerstörung ihres Zeltes durch die Schneemassen wissen die Puppenspieler nicht weiter. © Christian Juppe

Dresden. Das Knacken und Krachen im Schneegestöber verhieß nichts Gutes. Montagmorgen 5.20 Uhr weckten die Geräusche Familie Sperlich, die in ihren Wohnwagen am Alberthafen in Dresden neben dem Theaterzelt schliefen.

Mit ihrem Figurentheater "Zauberwald" sind die Puppenspieler im November in Dresden gestrandet, als der Lockdown sie ausbremste. Bekannt sind ihre Inszenierungen wie "Der Grüffelo" und "Das Dschungelbuch" vor allem von ihren regelmäßigen Gastspielen auf der Cockerwiese, die normalerweise Jahr für Jahr Hunderte kleine und große Gäste anlocken.

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Doch seit Monaten geht für die Familie nichts mehr. "Auch im vergangenen Jahr haben wir nur drei, vier Vorstellungen spielen können", sagt Markus Sperlich. Insgesamt zwölf Familienmitglieder gehören dem Wandertheater an.

Sie leben das ganze Jahr über in ihren vier Wohnwagen und habe wie viele andere Schausteller keine eigene Heimstätte und kein Winterlager. Deswegen zahlen sie nun am Alberthafen Miete.

"Staatliche Hilfen haben wir bislang noch gar keine bekommen und uns irgendwie durchgekämpft", sagt Sperlich, der selbst in der siebten Generation auf Reisen ist. Seine Vorfahren waren Puppenspieler und Gaukler.

Das Zeltdach hielt den Schneemassen nicht Stand.
Das Zeltdach hielt den Schneemassen nicht Stand. © privat

Eine Phase wie diese habe wohl niemand von ihnen je erleben müssen. Längst seien die wenigen Rücklagen aus besseren Tagen aufgebraucht, sagt Sperlich.

Seit diesem Montag hat sich die Lage nun weiter verschärft. Unter der Schneelast brach ihr Theaterzelt zusammen, das sie aufgebaut hatten, um wenigstens weiter proben zu können. "Abends hatten wir es noch abgekehrt, aber dann ist nachts so viel Schnee gefallen, dass das Dach nachgab." Die Beschädigungen seien gravierend. Die Giebel aus Aluminium wurden zu einem Klumpen zusammengedrückt, Teile der Planen zerrissen.

Noch in der Nacht hätten die Familienmitglieder vergeblich versucht, die Reste des Daches vom Schnee zu befreien. Dann habe man in die Feuerwehr gerufen, die mit zwei Einsatzfahrzeugen anrückte. "Als die aber gesehen haben, dass es sich um ein Privatgelände handelt, meinten sie, sie könnten uns nicht helfen", sagt Sperlich. "Ansonsten hätten wir den Einsatz bezahlen müssen."

"Das Dschungelbuch" gehört zu den größten Publikumserfolgen des Theaters.
"Das Dschungelbuch" gehört zu den größten Publikumserfolgen des Theaters. © privat

Erst nach dem Sonnenaufgang konnte sich die Familie selbst vom Ausmaß der Schäden überzeugen. "Bislang mussten wir das Zelt noch nie reparieren, aber das wird uns mit Sicherheit einige Tausend Euro kosten."

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Geld, das die Familie nach vielen Monaten im Ausnahmezustand nicht hat. "Aus eigener Kraft können wir das nicht schaffen", sagt Sperlich, der nun hofft, womöglich auf die Unterstützung der Dresdner zählen zu können. "Damit wir nach den Lockerungen wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachen und auf Tournee gehen können, sind wir dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen."

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