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Schock-Gutachten für Dresdner Verkehrsbetriebe

Um die Kosten für Busse und Bahnen zu reduzieren, gibt es geheime Pläne. Das DVB-Angebot soll verringert, Personal abgebaut und die Preise erhöht werden.

Von Andreas Weller
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Die DVB sollen kräftig sparen, Gutachter haben dazu Vorschläge mit drastischen Auswirkungen für die Dresdner.
Die DVB sollen kräftig sparen, Gutachter haben dazu Vorschläge mit drastischen Auswirkungen für die Dresdner. © Robert Michael/dpa-Zentralbild (Symbolbild)

Dresden. Dresdens Busse und Bahnen sind beliebt bei den Dresdnern und die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) bieten auch im bundesweiten Vergleich ein sehr gutes Angebot.

Doch das kostet und wird immer teurer, auch weil Dresdens Politiker immer mehr Wünsche haben, neue Strecken beschließen und den Anteil am Verkehr erhöhen wollen, um das Klima zu schützen. Jetzt gibt es ein Gutachten, das dies alles infrage stellt. Noch ist es geheim, der SZ liegt es aber vor.

Die Technischen Werke Dresden (TWD) als Dachorganisation der DVB haben das Gutachten bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC in Auftrag gegeben. Ähnlich wie beim städtischen Klinikum werden darin mehrere Szenarien als Optionen benannt.

Diese haben es in sich, hätten heftige Auswirkungen auf die Dresdner, die Bus und Bahn fahren. Anlass ist, dass der Zuschussbedarf steigt. Die TWD schießen über ihren Gewinnbringer SachsenEnergie die Summe zu, die den DVB fehlen. Bis 2018 waren es rund 40 Millionen Euro pro Jahr. In dem Gutachten steht, dass es künftig 65 Millionen sein werden. Da das den TWD zu viel ist, gibt es jetzt die Sparvorschläge.

Szenario I: keine Einstellungen mehr

Mit diesen Maßnahmen würde der Zuschussbedarf "nur" auf 59 statt 65 Millionen Euro stiegen. Dafür schlagen die Berater vor, eine "Null-Linie" beim Personal zu fahren. Das bedeutet keine weiteren Einstellungen. Die DVB haben jetzt gut 2.000 Mitarbeiter, bis 2025 sollen gut 100 Vollzeitstellen dazukommen. Auf diese soll möglichst komplett verzichtet werden. Das spart zwischen vier und sechs Millionen Euro.

Stattdessen schlagen die Prüfer vor, die Verkürzung von Wochenarbeitszeit und zusätzlichen Urlaub durch "Effizienzen" auszugleichen, Reservedienste sind möglichst zu streichen. Eigene Apps, online-Tickets sollen eingestellt oder abgegeben werden, weil sie nicht in die "Kernkompetenz" der DVB fallen.

Bis zu 1,5 weitere Millionen Euro sollen durch "Kostencontrolling" eingespart werden, dabei geht es vor allem um Materialaufwand.

Szenario II: teurere Tickets, weniger Personal

Bisher sind die Ticketpreise im Durchschnitt immer um rund zwei Prozent erhöht worden - bei einzelnen Tickets waren aber auch immer mal 50 Prozent. Jetzt schlagen die Prüfer vor, eine ordentliche Schippe draufzulegen und die Fahrscheine ab 2023 im Durchschnitt um drei Prozent zu erhöhen. Allerdings merken die Prüfer auch an, dass darüber nicht die DVB entscheiden, sondern der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO).

Außerdem sollen die DVB vom Freistaat eine freiwillige Ausgleichszahlung einfordern, um die Fahrgastrückgänge in der Corona-Zeit zu kompensieren. Durch diese Maßnahmen sollen bis zu vier Millionen Euro pro Jahr zusätzlich eingenommen werden.

Mehr als sechs Millionen Euro pro Jahr können laut des Gutachtens eingespart werden, wenn die DVB nicht nur keine weiteren Mitarbeiter einstellen, sondern 111 Stellen abbauen.

Dafür sei eine "Revision des Ausbaukurses" notwendig. Alle geplanten Strecken, die laut des Stadtbahnprogramms geplant sind, werden auf Eis gelegt. "Nicht nur Umsetzung erfordert viele Personalressourcen, sondern auch Planung, Instandhaltung und Beschaffungsprozesse", so die Erklärung der Prüfer.

Auch im Kundenzentrum könne gespart werden, indem man es schließt oder zumindest die Öffnungszeiten reduziert.

Personalverwaltung, Recht und Controlling sollen die TWD übernehmen und bei den DVB gestrichen werden. Ebenso ist ein zentraler Einkauf vorgesehen. Neue Straßenbahnen und Busse sollen in Kooperation mit Verkehrsunternehmen anderer Städte erfolgen. Dann gäbe es allerdings keine individuellen Fahrzeuge für Dresden mehr.

Eine weitere Million Euro könne gespart werden, wenn die DVB Bus-Linien nicht mehr selbst bedienen, sondern mehr Fremdfirmen einsetzen. Die zahlen ihren Mitarbeitern weniger und das Risiko liege auch nicht mehr bei den DVB.

Insgesamt würden mit dem Szenario II die Kosten so reduziert und die Einnahmen erhöht werden, dass 17,5 Millionen Euro weniger Zuschuss benötigt werden. Damit läge der Bedarf bei 48 Millionen Euro.

Szenario III: kein Ausbau, weniger Leistung

Zusätzlich zu den angeführten Einsparungen, könne nur noch durch eine "Reduzierung der Betriebsleistung" gespart werden, sind sich die Gutachter sicher. Deshalb schlagen sie folgende weitere Maßnahmen vor:

3,5 Millionen Euro pro Jahr können gespart werden, wenn die DVB generell auf weniger nachgefragten Linien in größeren Abständen fahren, nachts das Angebot und das Anruflinientaxi reduzieren und bei Baumaßnahmen weniger Ersatzbusse einsetzen.

Ein weiterer Vorschlag: Der Zehn-Minuten-Takt der Linie 68 in Cossebaude wird zurückgenommen, der Verleih von Autos und Fahrrädern wird aufgegeben und auf einen geplanten Anbau am Verwaltungsgebäude wird verzichtet.

Werden alle Maßnahmen umgesetzt, benötigen die DVB ähnlich viel Zuschuss wie bisher. Die Gutachter kommen bei 44 Millionen Euro pro Jahr und 21,5 Millionen Euro weniger als befürchtet heraus.

Anders als beim Gutachten für das Klinikum Dresden - bei dem auch die Schließung des Krankenhauses Dresden-Neustadt als Klinik vorgeschlagen wurde, gibt es kein Vorzugs-Szenario. Das Gutachten soll nun im Aufsichtsrat der TWD vorgestellt werden. Danach ist eine scharfe politische Debatte darüber zu erwarten.

Am Ende entscheiden auch hier die Stadträte, weil TWD und DVB Töchter der Stadt sind.