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Corona: Zu viele Abiturienten in den Dresdner Schulen?

Eigentlich sollen Zwölftklässler nur in prüfungsrelevanten Fächern Präsenzunterricht bekommen. Gymnasien aber handhaben das unterschiedlich.

So voll, wie auf diesem Archivbild ist es derzeit in keinem Dresdner Gymnasium.
So voll, wie auf diesem Archivbild ist es derzeit in keinem Dresdner Gymnasium. © dpa

Dresden. Die bestmögliche Umsetzung der Corona-Schutzverordnung und der Regelungen aus dem sächsischen Staatsministerium für Kultus verlangen den Gymnasialschulleitern derzeit Einiges ab. Sie müssen den Präsenzunterricht für die Schüler der elften und zwölften Klassen bestmöglich organisieren. Dazu hatte das Kultusministerium angeregt, dass die Abiturienten nur in ihren Prüfungsfächern Präsenzunterricht erhalten sollen. Nicht prüfungsrelevante Fächer sollten demnach nach den mündlichen Prüfungen unterrichtet werden.

Im Gymnasium Bühlau geht Schulleiterin Sylvia Sobieraj auch so vor. "Wir sehen, dass die Abiturienten stark belastet sind und wollen Sorge tragen, dass sie sich bestmöglich auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Deshalb gilt der Präsenzunterricht nur für die Prüfungsfächer", sagt sie und bringt ein Beispiel. Wenn also neun Schüler den Kurs Musik gewählt haben und drei davon in die mündliche Prüfung gehen, bleiben die anderen sechs zuhause und nur drei kommen in die Schule. "Aber ich teile den sechs Nicht-Prüflingen ihre Aufgabe für den Unterricht in der Zeit nach den Prüfungen bereits mit, so dass sie selbst entscheiden können, wann sie sich genau darauf vorbereiten wollen. Da sind zum Teil große Ausarbeitungen zu erstellen, die jetzt womöglich zu viel Energie kosten."

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"Ich weiß, dass ich mich damit ganz weit rauslehne"

Anders wird es im Gymnasium Cotta gehandhabt. Hier findet Präsenzunterricht für alle Schüler in den fünf Prüfungsfächern statt, das sind die jeweiligen Leistungskurse, und alle Grundkurse, die mindestens einen Prüfling haben. Schulleiter Jürgen Karras begründet das damit, dass der Unterricht nur weniger Schüler in den mündlichen Prüfungsfächern weder nachhaltig noch besonders prüfungsvorbereitend sei, da bis zur Absolvierung der drei schriftlichen Prüfungsfächer die Konzentration der Abiturienten auf dem schriftlichen Abitur liegt und diese Kurse in voller Stärke unterrichtet werden. "Hinzukommt, dass wir in den Winterferien zusätzlich eine 'Winterschule' für die 12er zur Abiturvorbereitung anbieten", schreibt er auf der Internetseite der Schule.

"Ich weiß, dass ich mich damit ganz weit rauslehne", sagt Karras. Aber die räumlichen Bedingungen in der Schule ließen dies zu. Bis zu 14 Schüler hätten in einem Klassenraum genügend Abstand und sind es mehr, werde die Klasse geteilt und in zwei unterschiedlichen Räumen unterrichtet. "Wir sind immer etwas Besonderes gewesen, dieses mal auch", sagt Karras. Die Regelung habe er auch mit den Abiturienten besprochen.

Mindestabstand unmöglich

Einige Eltern von Cottaer Schülern kritisieren diese Vorgehensweise. Sie schreiben, dass der in den Klassenräumen laut Corona-Schutzverordnung vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Metern im Präsenzunterricht auch bei geteilten Klassen nicht gewährleistet sei. Zwar würde an jeder Schulbank nur eine Person sitzen, aber wer die Unterrichtsräume kenne, wisse schon aus Erfahrung, dass die Mitschüler vor und hinter einem nur eine Armlänge entfernt sind, was die geforderten 1,5 Meter deutlich unterschreitet. So würden es die Schüler berichten. Die gewollte Erleichterungen für die Abiturienten seien in Cotta "wertlos", weil die Schulleitung nur Eigeninteressen verfolget, nämlich den möglichst „normalen“ Schulbetrieb.

Jürgen Karras kann dies nicht nachvollziehen. Es sei mindestens genauso schwer für Schüler, nach den mündlichen Prüfungen noch einmal viel Zeit in Schule zu investieren. Würde man Präsenzunterricht nur in den Prüfungsfächern anbieten, entstünden viele Freistunden für die Abiturienten, die sie auch nicht sinnvoll nutzen könnten.

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Bedürfnisse der Abiturienten im Fokus

Für einen Zwischenweg hat sich das Gymnasium Bürgerwiese entschieden. "Wir planen so, dass wir möglichst alle Bedürfnisse unserer rund 150 Abiturienten befriedigen können", sagt Schulleiter Jens Reichel. Da müsse man beachten, dass beim Abitur nicht nur die Prüfungsfächer relevant sind, sondern alle einbringungspflichtigen Fächer. Deshalb seien an diesem Montag beispielsweise alle Grundkursprüflinge da gewesen, an anderen kommen die Leistungskurse dran.

Jens Reichel spricht sich dafür aus, dass jedes Gymnasium diese Regelungen individuell vornehmen sollte. Da sei es auch wichtig zu beachten, dass die Lehrerressourcen nicht nur für die Abiturienten da sind, sondern für alle Altersstufen. "Die Abschlussklassen isoliert zu betrachten ist nicht unser Anspruch."

Zudem sei der Wissenstand der Abiturenten auch unterschiedlich, manche hätten schon zweimal Quarantäne hinter sich bringen müssen. "Wir wollen, dass für alle das Beste herauskommt und das funktioniert nur mit sehr differenzierten Herangehensweisen", sagt Jens Reichel.

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Ähnlich sieht das auch Frank Haubitz vom Gymnasium Klotzsche. Dort gelten andere Bedingungen, denn die Schüler müssen zur Auslagerungsschule in Pieschen. "Unser größtes Infektionsrisiko ist die An- und Abreise, die deshalb mit sechs Schulbussen erfolgt", sagt er. Um die Belastung der Abiturienten möglichst gering zu halten, gilt der Präsenzunterricht derzeit nur in den prüfungsrelevanten Fächern. Aber das gelte zunächst nur bis 18. Februar, danach würde neu entschieden. "Ich glaube aber nicht, dass meine Schüler daran kaputtgehen, wenn sie nach den mündlichen Prüfungen noch zwei, drei Wochen weiter Unterricht haben", sagt Haubitz.

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