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Dresdens neue Straßenbahn nimmt Gestalt an

Bei der ersten Bahn ist eine wichtige Etappe geschafft, zeigt ein Video. Was die weiteren Arbeiten mit Flugzeugen zu tun haben.

Das erste Teilstück einer neuen Dresdner Straßenbahn wurde in Görlitz in einen Lkw verladen.
Das erste Teilstück einer neuen Dresdner Straßenbahn wurde in Görlitz in einen Lkw verladen. © Screenshot/DVB

Dresden. Jetzt sind die Details schon gut zu erkennen, zum Beispiel die großen Fenster. Auch der Knick im unteren Teil der Karosserie, der nötig ist, damit die neuen und breiteren Dresdner Straßenbahnen nicht zu breit sind für die Haltestellen der Stadt. Lackiert ist die neue Bahn auch schon, im traditionellen DVB-Gelb. Nun geht es innen weiter im Kopfteil der ersten breiten Straßenbahn für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), die im August geliefert werden soll.

30 solche Straßenbahnen haben die DVB bestellt. Zehn weitere könnten dazukommen, wenn die Bestellung Ende 2023 abgearbeitet ist. So steht es in einer Ergänzung des Vertrags, den das Nahverkehrsunternehmen und der Bombardier-Konzern im August 2019 nach einem zweijährigen Ausschreibungsverfahren unterschrieben haben.

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Entscheidend war dabei die Breite der neuen Bahnen. Sie werden etwa so lang, wie die längsten Niederflur-Bahnen, die derzeit in der Stadt fahren, aber rund 35 Zentimeter breiter. Damit ist Platz für je zwei Sitze pro Seite und einen breiteren Mittelgang dazwischen. Rein rechnerisch können bis zu 290 Fahrgäste mitfahren, in den größten aktuellen Straßenbahnen sind es 260.

Wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen

Zwei sächsische Werke arbeiten den Dresdner Auftrag ab. Sie befinden sich in Görlitz und Bautzen und gehören seit Ende Januar zum französischen Alstom-Konzern. An dem Straßenbahn-Vertrag änderte der Namenswechsel nichts. Im Görlitzer Werk entsteht jeweils der Rohbau der Bahnen mit der bereits lackierten Karosserie und den Fenstern.

Auch der Straßenbahnfußboden wird dort eingebaut. Er besteht aus Spezialplatten, die in den Dresdner Elbe Flugzeugwerken für den Einbau in Airbus-Maschinen entwickelt wurden und dort auch hergestellt werden. Im Bautzner Werk kommt die Innenausstattung in die Wagenkästen, dazu jede Menge Elektronik. Am Ende werden die Straßenbahn-Teile in Bautzen auch miteinander verbunden und auf die Fahrgestelle gesetzt.

Bei der ersten neuen Bahn soll das bis August 2021 erledigt sein. Mitte Februar wurde dabei ein wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen. Der erste Wagenkasten wurde fertig und für den Transport nach Bautzen auf einen Speziallaster geladen. Ein Video, das die DVB und Alstom gemeinsam produziert haben, zeigt, wie das Straßenbahnstück in den Lkw verfrachtet wird. Gut zu erkennen dabei: Die riesigen neuen Fenster und der Knick in der Karosserie.

In Bautzen läuft nun die Endmontage. Elektronikteile werden eingebaut, insbesondere die Steuerung in der künftigen Fahrerkabine. Einige Bauteile kommen wie schon bei den bekannten Straßenbahnen aufs Dach, weil sie besonders gekühlt werden müsssen oder sehr groß sind. Die Türen werden eingesetzt, die Innenbeleuchtung und die Monitore montiert, auf denen künftig die Haltestellen angezeigt werden.

Bevor in Dresden Fahrgäste in der ersten neuen Straßenbahn mitfahren können, steht noch ein mehrmonatiges Prüf- und Abnahmeverfahren im DVB-Zeitplan. Es dauert voraussichtlich bis zum Jahresende. Dazu gehören unter anderem Testfahrten, vor allem auf den Strecken, auf denen die breiten Bahnen zuerst eingesetzt werden sollen. Das sind die Linien 2 (Kleinzschachwitz - Gorbitz), 3 (Coschütz - Wilder Mann) und 1 (Prohlis - Leutewitz). In der genannten Reihenfolge sollen die Bahnen nach und nach auf diesen drei Linien den Betrieb aufnehmen.

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