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Streit um Leutewitzer Park: Wald oder Sozialwohnungen?

Ein umstrittenes Bauprojekt in Dresden hat eine neue Wendung genommen. Das Problem mit dem angrenzenden Wald aber bleibt bestehen.

Von Kay Haufe
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So sollen die acht Mehrfamilienhäuser am Leutewitzer Park mit begrünten Dächern nach den Vorstellungen der Uwe Köhn Unternehmensgruppe aussehen.
So sollen die acht Mehrfamilienhäuser am Leutewitzer Park mit begrünten Dächern nach den Vorstellungen der Uwe Köhn Unternehmensgruppe aussehen. © Visualisierung: Unternehmensgruppe

Dresden. Es ist eine zähe Geschichte. 2009 kaufte der Dresdner Investor Uwe Köhn eine Fläche hinter den Gebäuden an der Ockerwitzer Straße 57, 59 und 63, die direkt an den Leutewitzer Park angrenzt. Es gab zahlreiche Pläne, dort Wohngebäude zu errichten. Erst waren mehrere Einfamilien- und Doppelhäuser plus zwei Mehrfamilienhäuser geplant, dann drei große Wohngebäude, inzwischen sehen Köhns Pläne acht Mehrfamilienhäuser vor. Gegen alle diese Ideen hat sich bereits nach kurzer Zeit Widerstand im Viertel formiert.

Das Areal, auf dem gebaut werden soll, ist in den vergangenen Jahren verwildert, Bäume und Sträucher sind gewachsen. Im Flächennutzungsplan ist die Fläche als Wald und für Flurgehölze ausgewiesen. Und diese wollen die Bewohner des Viertels erhalten: zwei Bürgerinitiativen wollen den Wald retten. Auch der Stadtbezirksbeirat Cotta hatte sich 2020 einstimmig gegen die Baupläne ausgesprochen.

Untersuchungen anstoßen

Zuletzt war das Projekt im April 2021 im Bauausschuss besprochen worden. Dort gab es klare Worte vom Chef des Stadtplanungsamtes, der bemängelte, dass die geplanten Häuser zu dicht stehen und es kaum Aufenthaltsbereiche gebe. Es gab keine Mehrheit dafür, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Dies wünscht sich Investor Köhn aber für diesen Mittwoch, wenn das Projekt erneut im Bauausschuss auf der Tagesordnung steht. "Wir bitten Sie um Zustimmung, in einen vertieften Planungsprozess einzutreten und im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes ein umweltverträgliches und sozial durchmischtes Wohnprojekt zu ermöglichen", heißt es in einem Brief der Firma Köhn an die Stadträte.

"Wir haben uns in den vergangenen Monaten zahlreiche Gedanken dazu gemacht. Im Ergebnis sind nicht nur die Häuser, die direkt an den Park angrenzen, niedriger geworden, sondern wir wollen auch die Hälfte der geplanten 54 bis 56 Wohnungen als Sozialwohnungen bauen", sagt Uwe Köhn. Geplant sind auch Dächer, die begrünt oder mit Solaranlagen versehen sind.

Nach wie vor will der Investor einen Teil des Grundstückes als Erweiterungsfläche für den Leutewitzer Park zur Verfügung stellen. Was den Wald angeht, den Köhn allerdings eher als Wildwuchs denn als wirkliche Waldfläche betrachtet, könne mit dem jetzt beginnenden Verfahren eine tiefgreifende Untersuchung erfolgen.

"Ich bin erst vorige Woche wieder auf dem Areal gewesen. Dort leiden sehr viele Bäume an der Rußrindenkrankheit. Wir verpflichten uns als Unternehmen, nach dem Bau der Häuser neue Bäume zu pflanzen", sagt er.

Köhn habe sich nach eigenen Angaben mehrfach mit Anwohnern und Vertretern der Bürgerinitiativen getroffen und über seine überarbeiteten Pläne informiert. "Ich habe sie auch eingeladen, an der Gestaltung des zentralen Platzes mitzuarbeiten. Wir möchten zusätzlich noch einen Abenteuerspielplatz bauen." Allerdings habe er als Reaktion auch gehört, dass man dort schon gar keine Sozialwohnungen wolle.

"Das hat mich ziemlich schockiert", sagt der Unternehmer. Gerade in dem Gebiet gebe es keine oder nur wenige Wohnungen für sozial Schwache, doch gerade eine Durchmischung halte er für sinnvoll. "Ich habe auf dem Gebiet des Sozialwohnungsbaus kaum Erfahrungen und habe mich deshalb mit der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WiD in Verbindung gesetzt. Die haben uns Beratung bei der Frage der Vermietung angeboten." Eine Abgabe der Wohnungen an die WiD sehen Köhns Pläne aber nicht vor. "Wir wollen alle Wohnungen im Eigentum behalten und vermieten."

Sozialwohnungen contra Wald?

Die Dresdner Grünen haben Köhns Vorhaben bisher klar abgelehnt, weil das Areal im Flächennutzungsplan als Wald ausgewiesen ist und es zu wenige Grünflächen im Gebiet gibt. Zudem habe Immobilienentwickler Köhn bereits ein Bauvorhaben mit fünf Häusern und 70 Wohnungen verwirklicht.

Weitere Flächen zu bebauen, sei aus stadtklimatischen Überlegungen problematisch, sagt Thomas Löser, der baupolitische Sprecher der Grünen im Stadtrat, auch wenn es sich um ein "wildes Wäldchen" handele. "Und Sozialwohnungen hat Köhn schon immer geplant, nur nicht so einen hohen Anteil." Dennoch wolle man sich an diesem Montagabend noch einmal über das Projekt austauschen.

Anders sieht es Tilo Wirtz von den Linken, der der Aufstellung eines Bebauungsplanes zustimmen würde. "Damit bestätigen wir ja nicht das Bauprojekt, sondern lassen erstmal Untersuchungen zu, die zeigen, ob und unter welchen Bedingungen es möglich wäre. Ich halte die Schaffung von Wohnraum, noch dazu von Sozialwohnungen, für sehr wichtig", sagt Wirtz, der ebenfalls baupolitischer Sprecher seiner Fraktion ist.

Ähnlich betrachtet es auch Torsten Nitzsche von den Freien Wählern im Stadtrat. "Ich finde es sinnvoll, dass auch private Investoren in den Sozialwohnungsbau eingebunden werden, nicht nur die WiD. Das sorgt für soziale Durchmischung, die ich für extrem wichtig halte in einer Gegend, wo viel Wohnungseigentum besteht."

Der B-Plan garantiere umfassende Untersuchungen. "Dann können wir das Vorhaben immer noch ablehnen. Aber jetzt sollten wir es nicht komplett blockieren."

Wir der Aufstellung eines Bebauungsplanes zugestimmt, vergehen mindestens zwei, eher drei Jahre, ehe gebaut werden könnte.