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Ein historischer Moment für den deutschen Football

Die German Football League hat erstmals einen Namenssponsor. Davon profitiert auch Dresden, was nur bedingt mit Geld zu tun hat.

Bei Sport1 sahen zuletzt bis zu 120.000 Fernsehzuschauer den American Footballern der Dresden Monarchs bei ihrer Arbeit zu.
Bei Sport1 sahen zuletzt bis zu 120.000 Fernsehzuschauer den American Footballern der Dresden Monarchs bei ihrer Arbeit zu. © Archiv: kairospress

Dresden. Der deutsche Football revolutioniert sich gerade, und das ganz ohne Getöse. Die Versammlung der Bundesligisten der German Football League (GFL), der GFL2 sowie dem Fachverband AFVD hat jetzt den Ligaverbund German Football League e.V. gegründet. Unter dessen Dach sollen – ähnlich beispielsweise wie bei der DFL im Profifußball oder der VBL bei den Volleyballern – professionelle Strukturen vorangetrieben werden. Dabei geht es vor allem um eine strukturierte, einheitliche Vermarktung und mehr Aufmerksamkeit.

Sören Glöckner, Präsident der Dresden Monarchs, hält das für einen „historischen Moment“. Und es stört ihn wenig, dass der dreiköpfige Vorstand mit Carsten Dalkowski (Marburg) als Vorsitzender sowie Axel Streich (Schwäbisch Hall) und Christoph Wolk (Braunschweig) zunächst ehrenamtlich fungiert.

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Auch die Monarchs sind in dem neuen Gremium vertreten, mit ihrem Geschäftsführer Jörg Dreßler als Beisitzer. „Der nächste Schritt ist, dass der Verein sich einträgt, Gemeinnützigkeit beantragt und einen Vertrag mit dem Verband schließt. Dann wird ein Geschäftsführer eingestellt“, sagt Glöckner. So könne viel mehr Potenzial generiert werden.

Sören Glöckner sieht die Bundesliga noch besser aufgestellt, auch im Vergleich zur neuenKonkurrenz.
Sören Glöckner sieht die Bundesliga noch besser aufgestellt, auch im Vergleich zur neuenKonkurrenz. ©  Ronald Bonss

Eine der ersten wichtigen Aufgaben ist bereits erledigt. Die GFL hat einen Haupt- und Namenssponsor gefunden – ein Novum in der Ligageschichte. Der Getränkehersteller SharkWater sicherte sich die Namensrechte – für einen, so ist es kolportiert, sechsstelligen Betrag. Die Hard Seltzer-Marke SharkWater stammt aus dem Haus der TCB Beteiligungsgesellschaft mbH mit Sitz in Frankfurt/Oder, die 2011 auch die Marke Feldschlößchen übernommen hat.

„Konkret als Verein haben wir von dem Namenssponsoring finanziell nichts. Bei uns landet nichts in der Kasse. Aber die Struktur der Liga wird enorm gestärkt“, sagt Glöckner. Nach seiner Information investiert die Liga die Summe komplett in die Fernsehproduktion. Erstmals seit 2019 laufen wieder einige GFL-Partien auf dem Spartensender Sport1.

Das erste Heimspiel der Monarchs gegen Köln, das die Dresdner souverän mit 54:34 gewannen, verfolgten nach Senderangaben im Schnitt 50.000 Zuschauer, in der Spitze sogar 120.000 – trotz der parallel laufenden Fußball-EM. Und das hat auf die Vereine offenbar unmittelbare Auswirkungen. „In der Vorwoche hat ein Sponsor eine Bandenwerbung bei uns gekauft, weil ihn die Übertragung so begeistert hat“, sagt der Monarchs-Präsident.

Monarchs zahlen Tausende Euro für Produktionskosten

Nicht zuletzt wegen dieser Wirkung steht für Dresden eine Beteiligung an einer Zentralvermarktung gar nicht auf der Agenda. „Aber die Möglichkeit besteht. Ich kann mir vorstellen, dass es Vereine gibt, die das wollen. Wir sind der Meinung, dass das nicht gut wäre“, sagt Glöckner, und er schlägt vor: „Wir sollten die Einnahmen, die die Liga generiert, dazu nutzen, um unsere eigenen Beiträge zu senken.“

Noch gibt der Erstligist jährlich einen Beitrag im vierstelligen Bereich an die Liga ab – für Produktionskosten in den Bereichen Radio, Livestream und Fernsehen. Man sei davon überzeugt, so Glöckner, „dass jeder Euro, den wir in die GFL stecken, Gold wert ist“.

Dass die GFL derartige Pläne just in dem Jahr umsetzt, in dem sich mit der European League Football (ELF) ein Konkurrent am Markt positioniert, ist sicher kein Zufall. Die privat organisierte Liga, die Standorte in Berlin, Leipzig, Köln, Hamburg, Frankfurt sowie Stuttgart aus dem Boden gestampft und mit Barcelona und Wroclaw auch internationale Teams dabei hat, spaltet die übersichtliche Football-Anhängerschar in zwei Lager.

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Glöckner, der vor einer Kannibalisierung der deutschen Football-Landschaft warnt, schließt indes einen Zusammenhang aus. „Wir sind seit fast zwei Jahren dabei, die Dinge vorzubereiten. Die Konzepte waren fertig, ehe die ELF auf der Tanzfläche erschienen ist. Wir sind einen Schritt voraus“, sagt er, um sofort einzuschränken: „Zumindest fühlt es sich so an.“

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