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Bebendorf: „Das war der blanke Horror“

Dresdens bester Läufer spricht über einen schweren Allergieanfall kurz vor seinem Meisterlauf über 3.000 Meter Hindernis – und seine Pläne vor und für Olympia.

Karl Bebendorf lag bei der Team-EM lange in Führung. Dann stürzte er. Das Missgeschick stuft er als lehrreich ein.
Karl Bebendorf lag bei der Team-EM lange in Führung. Dann stürzte er. Das Missgeschick stuft er als lehrreich ein. © Andrzej Grygiel/PAP/dpa

Dresden. Der eine oder andere könnte Karl Bebendorf jetzt für leicht abgehoben, zumindest aber für vorschnell halten. Denn am Sonntag verkündete der 25-jährige Leichtathlet des Dresdner SC selbstbewusst: „Tokio, ich komme.“

Da war er gerade in Braunschweig sehr souverän zu seinem dritten deutschen Meistertitel hintereinander über 3.000 Meter Hindernis gelaufen, und das in einer Zeit, die er nie zuvor erreicht hatte: 8:23,28 Minuten. Vier Sekunden blieb er damit unter seiner bisherigen Bestleistung, aber eben auch knapp über der geforderten Olympia-Norm von 8:22 Minuten.

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Warum also ist Bebendorf so felsenfest von seiner ersten Olympia-Teilnahme überzeugt? Das liegt ganz einfach daran, dass es außer der Normerfüllung noch einen zweiten Weg gibt, der nach Tokio führt. Den über die auch in der Leichtathletik existierende Weltrangliste. In die fließt neben der Wertigkeit des Wettkampfes sowie die erreichte Leistung und auch die Stärke der Konkurrenz ein.

Erst bei Olympia in Bestform

In Bebendorfs Disziplin erhalten die besten 45 Athleten eine Einladung nach Tokio, bei einer Eingrenzung pro Nation auf drei Starter. Bei der letzten Erhebung Ende Mai belegte der DSC-Läufer just Platz 45.„Durch das Ergebnis von Braunschweig rutsche ich etwa auf Rang 36 vor. Das habe ich schon mal ausgerechnet“, erklärt Bebendorf.

122 Punkte brachte ihm das Rennen, und dadurch macht er tatsächlich einen großen Sprung in der Weltrangliste. Doch die Frist für die Norm-Erfüllung beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) läuft beispielsweise erst am 29. Juni aus, was zur Frage führt, ob nicht noch hinreichend viele Konkurrenten in den nächsten Wochen schneller laufen könnten.

Bebendorf reagiert gelassen. „Ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass in den nächsten 14 Tagen noch zehn Konkurrenten die direkte Norm knacken oder mich punktemäßig überholen. Das macht mich sicher“, sagt der Schützling von Trainer Dietmar Jarosch.

Und er meint: „Ich wollte mich von vornherein mit so wenig mentaler Energieverschwendung wie möglich für Tokio qualifizieren. Ich will erst vor Ort meine beste Leistung erbringen.“ Das ist ein persönlicher Erkenntnisgewinn von der WM 2019 in Doha, als Bebendorf im Vorlauf scheiterte.

Es spricht einiges dafür, dass ihm das tatsächlich auch gelingt – zum Beispiel seine schon jetzt herausragende Verfassung. Denn einen Tag vorm Meisterschaftsrennen lag Bebendorf, der seit Jahren an Allergien leidet, noch geschwächt zu Hause. „Ich bekam am Freitag und Samstag kaum Luft durch die Nase, habe mich gefragt, wie ich am Sonntag laufen soll, und richtig das Flattern bekommen. Das war der blanke Horror – bis zum Startschuss“, erzählt Bebendorf.

Beste deutsche Zeit seit neun Jahren

Noch nie habe er sich beim Erwärmen so elend gefühlt wie am Sonntag. „Ich war einfach träge und habe gehofft, dass ich nicht stürze. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich das Rennen durchhalte und über die Hindernisse komme. Ich habe meine Gedanken daran verschwendet, zum ersten Mal auszusteigen“, erzählt er.

Im Rennen war davon nichts zu merken. „Ich spürte, du kannst laufen, dir geht es gut. Noch immer habe ich nicht realisiert, wie das letztlich ging“, sagt Bebendorf. Am Ende war er so schnell wie seit 1992 kein deutscher Hindernis-Meister mehr. Damals gewann Steffen Brandt in 8:21,76 Minuten.

Und Bebendorfs Zeit von 8:23,28 Minuten ist die beste überhaupt eines deutschen Läufers seit neun Jahren. „Es macht mich glücklich zu wissen, dass ich vor nichts Angst haben muss und ich mich leistungsmäßig voll auf meinen Trainer und auf meinen Körper verlassen kann. Wenn man jetzt bedenkt, dass ich aufgrund der Allergie nicht mein volles Leistungsvermögen abrufen konnte“, meint Bebendorf.

Nun fühlt er sich gewappnet für Zeiten unter 8:20 Minuten. Den Sturz bei der Team-EM eine Woche zuvor wertet er als Lehrgeld. „Das hat mir gezeigt, dass ich jede Sekunde konzentriert bleiben muss. Das war eigenes Verschulden. Ich war für einen Moment unaufmerksam“, gesteht Bebendorf.

Höhentrainingslager in Sankt Moritz

Mit der offiziellen Olympia-Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund rechnet er am 30. Juni, die Vorbereitungen auf den Saisonhöhepunkt gehen schon jetzt in die entscheidende Phase.

Am kommenden Dienstag reisen Bebendorf und sein Trainer ins dreiwöchige Höhentrainingslager nach Sankt Moritz. „Wir gehen noch mal zurück zu den Grundlagen, fangen gewissermaßen beim Urschleim an“, sagt Bebendorf, und er erklärt: „Ich fahre viel Rad und laufe etliche Kilometer. Dazu kommt noch der Höheneffekt.“ Das Training in 1.856 Metern Höhe soll die Bildung der roten Blutkörperchen anregen, die den Sauerstoff aufnehmen und transportieren.

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Anschließend trainiert Bebendorf dann in Dresden. Vielleicht bietet sich bis dahin auch noch ein hochklassiger Wettkampf zur Formüberprüfung an, zum Beispiel die Meetings der Diamond League am 9. Juli in Monaco und am 13. Juli in London „Ich weiß noch nicht abschließend, ob dort die Hindernisse mit auf dem Programm stehen“, sagt Bebendorf.

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