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Wie Dresdens bester Läufer mit Corona lebt

Olympiahoffnung Karl Bebendorf hat sich mit dem Virus infiziert. Darüber spricht er im Interview und gibt zu, naiv gewesen zu sein. Jetzt weiß er: "Es war nicht so geil."

Karl Bebendorf hat seine Corona-Erkrankung öffentlich gemacht. Inzwischen geht es ihm wieder gut und er kann lächeln.
Karl Bebendorf hat seine Corona-Erkrankung öffentlich gemacht. Inzwischen geht es ihm wieder gut und er kann lächeln. © Fotostand

Dresden. Am Sonntag setzte der deutsche Spitzenläufer Karl Bebendorf wieder einen Videoclip auf seinen Social-Media-Kanälen ab. Der 24-jährige deutscher Meister über 3.000 Meter Hindernis machte in einer emotionalen Ansprache seine eigene Corona-Erkrankung öffentlich. Im Gespräch mit Sächsische.de spricht die Olympiahoffnung vom Dresdner SC darüber.

Karl, warum haben Sie sich dazu entschieden, Ihre Corona-Erkrankung öffentlich zu machen?

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Dass ich am Montag letzter Woche das positive Testergebnis bekommen habe, hat mich schon überrascht - obwohl es Indizien gab. Ich wusste erst einmal nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich wollte zunächst abwarten, wie es mir geht, wie die Erkrankung verläuft. Als ich gegen Ende der Woche dann wieder fast gesund war, wollte ich irgendwie mitteilen, warum so lange Funkstille bei mir war - und ich wollte anderen davon berichten, wie die Krankheit verläuft. Aus meinem Umfeld kannte ich bisher niemanden, der Corona hatte. Ich war nicht darauf aus, eine Riesenwelle auszulösen, ich will authentisch sein und vielleicht auch mit meinen Erfahrungen in gewisser Weise helfen.

Welche Symptome hatten Sie?

Halskratzen, eigentlich auch Erkältungssymptome. Aber meine Nase und die Nebenhöhlen war trocken und zugeschwollen - anders als bei einer Grippe. Ich hatte Kopfschmerzen, wenn ich meine Augen verdreht habe. Am Dienstag hatte ich durchgehend heftige Kopfschmerzen. Und dann ist der Geschmacks- und Geruchssinn völlig verschwunden, eine komische Situation. Jede Mahlzeit war irgendwie sinnlos, ich hatte auch keine Lust mehr, etwas zu essen. Am vergangenen Samstag kamen die Sinne wieder zurück. Meine Freundin und ich haben vor Begeisterung an jedem möglichen Gewürz gerochen. Jetzt ist fast alles wieder beim Alten.

Sie haben sich in Ihrer Videobotschaft als vorsichtigen, vernünftigen Typen bezeichnet. Wie sah Ihr Umgang mit Vorsichtsmaßnahmen aus?

Natürlich habe ich mich an die allgemeingültigen Vorgaben gehalten, habe meine sozialen Kontakte wirklich auf ein Minimum beschränkt. Ich treffe mich sehr selten mit meinen Großeltern, das tut mir auch selbst leid, aber sie gehören in ihrem Alter eben zur größten Risikogruppe. Ich kann mir jetzt aus eigener Erfahrung besser vorstellen, wie hart es ältere Menschen treffen kann. Ich habe mich nicht eingeschlossen, habe ja auch einen täglichen Alltag zu bewältigen.

Wer hat während der Quarantäne für Sie gesorgt?

Anfangs waren auch meine Eltern in Quarantäne. Wir leben zusammen in einem Haus, aber in getrennten Haushalten. Sie wurden zum Glück nicht angesteckt. Die Mutter von meiner Freundin hat uns mit Lebensmitteln versorgt, mehr brauchten wir nicht.

Ein eingespieltes Team: Karl Bebendorf und sein erfahrener Trainer Dietmar Jarosch. Der 67-Jährige wurde von seinem Schützling nicht angesteckt.
Ein eingespieltes Team: Karl Bebendorf und sein erfahrener Trainer Dietmar Jarosch. Der 67-Jährige wurde von seinem Schützling nicht angesteckt. © Marion Doering

Weshalb haben Sie sich eigentlich testen lassen?

Ich wollte mit meinem Trainer Dietmar Jarosch nach Kienbaum ins Trainingslager. Für die Einreise brauchte ich einen aktuellen negativen Corona-Test. Einen Tag später kamen die ersten Symptome, das war ein mega Zufall. Einen Tag vor der Abreise, hatte ich das Testergebnis.

Wenn man von der normale Inkubationszeit von drei, vier Tagen ausgeht, können Sie vermuten, wo und wann Sie sich infiziert haben?

Ich habe wirklich keine Ahnung. Bei den Menschen, mit denen ich in den Zeitraum zu tun hatte, ist die Krankheit nicht ausgebrochen, zumindest ist mir nichts bekannt.

Welche Botschaft verfolgen Sie mit dem Clip?

Ich möchte betonen, dass es wirklich jeden treffen kann. Ich wollte aufzeigen, wie schnell es gegen kann. Ich hätte ja auch nicht gedacht, dass ich Corona bekomme. Vielleicht ist das ein bisschen naiv, aber ich dachte mir, vielleicht wäre es auch interessant zu wissen, wie das ist. Jetzt hatte ich es selbst - und es war nicht so geil. Im Nachhinein betrachtet, hat mein Körper diese Zeit der Ruhe auch gebraucht, weil ich vorher echt viel Stress hatte und mein Training hart war. Ich konnte mich wieder voll regenerieren. Aus dieser Sicht hat das vielleicht noch etwas Gutes.

Ziehen Sie daraus eigene Lehren?

Wir haben auf jeden Fall davon gelernt. Ich will meine eigenen Sicherheitsmaßnahmen noch mal verschärfen, zum Beispiel keinem mehr die Faust hinzustrecken. Und ich will mit noch mehr Abstand und Mundschutz mit meinem Trainer kommunizieren. Es war ein Wunder, dass ich Dietmar Jarosch nicht angesteckt habe, obwohl wir meist draußen oder in der DSC-Halle trainiert haben. Bei ihm wäre es vielleicht schlimmer verlaufen.

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Um mögliche Nachwirkungen abzuklären, lassen Sie sich am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig durchchecken. Was wird da gemacht?

Den Termin habe ich am Freitag. Mir wurde gesagt, dass es ein zweistündiger Test mit Blutbild und EKG ist, und auch die Lunge wird untersucht. Vorweg kann ich sagen: Ich fühle mich jetzt wieder ganz gesund.

Das Interview führte Alexander Hiller.

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