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Das Problem mit dem Dachschaden in Dresden

In die Margon-Arena regnet es rein. Das ist seit Jahren bekannt, jetzt droht sogar der Entzug der Spielerlaubnis in der Bundesliga.

Das Dach in der Dresdner Margon-Arena ist weiterhin undicht – das könnte sowohl für die Basketballer als auch für die Volleyballerinnen ernste Konsequenzen haben.
Das Dach in der Dresdner Margon-Arena ist weiterhin undicht – das könnte sowohl für die Basketballer als auch für die Volleyballerinnen ernste Konsequenzen haben. © Matthias Rietschel

Dresden. Es tropft mal wieder vom Hallendach. Seit Jahren ist die Dresdner Margon-Arena oben nicht ganz dicht, weshalb das Heimspiel der Titans-Basketballer gegen Hanau beinahe abgebrochen worden wäre. Das bestätigt Titans-Geschäftsführer Rico Gottwald: „Es regnete an einer Stelle auf das Spielfeld, glücklicherweise nur am Rand, deshalb haben die Schiedsrichter mit sich reden lassen.“ Eine feuchte Spielfläche ist eine enorme Verletzungsgefahr.

Die Gastgeber stellten eine Dauerwisch-Wache auf, wie es Gottwald bezeichnet. „Wäre die undichte Stelle direkt mittig auf dem Feld gewesen, wäre die Partie abgebrochen worden.“ Der Imageschaden für alle Beteiligten wäre erheblich gewesen – und dabei ist es kein Einzelfall. „Das passiert immer wieder mal. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, das war jetzt ein Einzelfall“, erklärt Gottwald.

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Das Problem ist seit fast zehn Jahren bekannt. Im Februar 2013 wurde die Erstliga-Volleyballpartie der Männer des VC Dresden gegen Unterhaching drei Minuten vor dem geplanten Beginn abgesagt. Jetzt hat sich die Situation noch mal verschärft. „Ja, es ist eine neue undichte Stelle aufgetreten“, sagt Dresdens Sportbürgermeister Peter Lames auf SZ-Nachfrage. Die Stadt als Besitzer und der städtische Sportstättenbetrieb als Betreiber der Immobilie sind zuständig für die Instandsetzung.

„Es werden provisorische Maßnahmen ergriffen und regelmäßige Reparaturen sowie Untersuchungen am Dach ausgeführt“, berichtet Lames. Nach dem bislang letzten größeren Schaden im Oktober 2019 stand der Heimauftakt der Volleyballerinnen des Dresdner SC gegen Potsdam kurz vor der Absage, die Stadt befestigte daraufhin Edelstahlwannen mit einem Fassungsvermögen von fünf Litern an den Pfetten des Hallendaches. Die sollten das Regenwasser auffangen. Die Vorrichtungen reichen nun nicht mehr aus.

Titans befürchten den „Super-GAU“

Mit der Gefahr eines Spielabbruchs oder einer kurzfristigen Absage wollen sich jedoch weder die Titans noch die Volleyballerinnen abfinden. „Die Liga hat zu uns Kontakt aufgenommen und darum gebeten, dass es solche Vorfälle nicht mehr geben sollte. Da kann eine ganze Menge dranhängen“, erklärt Gottwald. Im schlimmsten Fall droht der Margon-Arena der Entzug der Genehmigung als Spielstätte für die entsprechenden Teamsportarten. „Das wäre der Super-GAU“, befürchtet Gottwald.

Das wird auch aus der Geschäftsstelle der Volleyball-Bundesliga (VBL) bestätigt. „Bei höherer Gewalt gibt es im Normalfall einen Spielabbruch und eine Neuansetzung“, erklärt Daniel Sattler, Sprecher der VBL-Geschäftsführung – und verdeutlicht: „Bei den Hallen, von denen wir wissen, dass es dauerhafte Probleme gibt, entziehen wir dann bei weiteren Vorfällen die Lizenzierung.“ Er verweist auf den Fall des Zweitligisten VV Humann Essen. Dem war Ende 2018 für die Heimstätte wegen eines defekten Hallenbodens in der „Wolfskuhle“ die Spiellizenz entzogen worden. „Das Risiko, eventuell umsonst anzureisen, können wir keiner Gastmannschaft zumuten“, stellt Sattler klar.

Der deutsche Meister Dresdner SC steht deshalb seitens der Liga mit der tropfenden Margon-Arena bereits „unter Beobachtung“, wie es der VBL-Sprecher formuliert. „Wenn wir erneut einen solchen Vorfall haben, werden wir uns mit dem Klub in Verbindung setzen“, sagte Sattler. Auch VBL-Geschäftsführerin Sport, Julia Retzlaff, mahnt: „Es würde für alle Beteiligten einen gewaltigen Imageschaden bedeuten, würde ein Spielabbruch bei einer Live-Übertragung im Free-TV passieren“, sagt sie. Drei Hauptrunden-Heimspiele des DSC werden live vom Spartensender Sport1 gezeigt.

Finanzielle Strafen stehen hingegen zunächst einmal nicht im Raum. Allerdings müssten die Heimteams – im Fall eines Spielabbruchs und einer Neuansetzung durch die jeweiligen Ligen – mit Zusatzkosten rechnen, da die Gästemannschaften dann auf Einladung der Gastgeber anreisen. Zusätzliche Übernachtungs- und Hotelkosten wären also fällig.

„Die müsste ich auf die Stadt umlegen“, sagt Titans-Geschäftsführer Rico Gottwald. Der Stadt ist das bewusst. Deshalb werde alles dafür getan, einen solchen Fall abzuwenden, beteuert der Sportbürgermeister: „Die Vereine können sich sicher sein, dass die Landeshauptstadt Dresden zu ihren Verpflichtungen steht.“ Sollte ein bereits begonnenes Spiel abgebrochen und nicht neu angesetzt werden, würden die Gastgeber im Normalfall die Punkte durch ein Sportgerichtsurteil verlieren. „Das wäre der sportliche Worst Case und würde uns massiv beeinflussen“, sagt Gottwald.

Arena-Sanierung frühestens 2023

Dazu wollen es alle Beteiligten nicht kommen lassen, aber mehr als professionelle Flickschusterei wird es am Dach der Margon-Arena bis zu deren Komplettrenovierung nicht geben. Das Dach generell abzudichten, sei im „Plan der Gesamtsanierung der Halle integriert“, teilt Lames mit. Die Arena soll frühestens 2023 modernisiert und erweitert werden. Der Stadtrat hat sich für das von der Verwaltung vorgeschlagene Modell entschieden, lässt das Rathaus ausrichten. „Das Vergabeverfahren läuft bereits“, sagte Lames. Die Gesamtkosten sollen etwa 24 Millionen Euro betragen.

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Bis dahin müssen sich die DSC-Volleyballerinnen und die Titans wohl mit einer notdürftigen Instandsetzung begnügen. „Nur zu hoffen, dass es nicht mehr regnet, wäre schildbürgerhaft. Wir hoffen auf eine Übergangslösung, mit der das Dach dicht bleibt. Es ist Bewegung drin“, sagte Gottwald. Die Stadt muss einen sicheren Spielbetrieb bis zur Sanierung gewährleisten, andernfalls könnte sich Dresden böse blamieren.

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