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Dresdens Sportschüler und ihre Olympiahelden

Tina Punzel und Karl Bebendorf haben vor Jahren an der Eliteschule des Sports in Dresden gelernt, nun starten sie in Tokio. Knapp 200 Schüler finden das inspirierend.

Karl Bebendorf, Lena Hentschel und Tina Punzel werden von Schulleiterin Britt Göldner (v.l.) nach Tokio verabschiedet.
Karl Bebendorf, Lena Hentschel und Tina Punzel werden von Schulleiterin Britt Göldner (v.l.) nach Tokio verabschiedet. © Arvid Müller

Dresden. Vor neun Jahren saß Tina Punzel noch auf der anderen Seite. Staunend auf jeden Fall, vermutlich auch mit großen Augen - als Schülerin des Sportgymnasiums Dresden. 2012 verabschiedete die Eliteschule des Sports spätere Olympiasieger wie die Ruderer Karl Schulze und Tim Grohmann oder den Hochspringer Raul Spank nach London. "Ich weiß noch, wie das damals war. Na klar denkt man da für sich: Da will ich auch mal hin", sagt Punzel nun.

Diesmal steht sie vor den Schülern, und die 25-Jährige vom Dresdner SC erklärt, wie ihr Weg nach der Schulzeit und dem Abitur 2015 bis in die Weltspitze führte. Knapp 200 Sportschüler und Sportschülerinnen hören aufmerksam zu, immer wieder unterbrochen von tosendem Applaus. Vermutlich ähnlich begeistert und motiviert, wie die Dresdnerin selbst vor neun Jahren. "Das ist total cool, jetzt hier vor diesen Schülern zu stehen", sagt Punzel. Ihre zweiten Olympischen Spiele nach Rio 2016 sollen für die Doppel-Europameisterin ein sportliches Highlight werden.

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Es ist offensichtlich eine gute Idee von Schulleiterin Britt Göldner, die Ex-Schüler zur offiziellen Verabschiedung in die Schule neben der Dresdner Messe einzuladen. Und vielleicht sitzt tatsächlich der eine oder andere Olympiastarter von morgen oder übermorgen im Publikum und bekommt jetzt noch mal eine Extraportion Motivation.

Drei Tokio-Starter: Tina Punzel (l.) und Karl Bebendorf sind lange aus dem Sportgymnasium raus, die Berlinerin Lena Hentschel (M.) baut erst im nächsten Jahr ihr Abitur.
Drei Tokio-Starter: Tina Punzel (l.) und Karl Bebendorf sind lange aus dem Sportgymnasium raus, die Berlinerin Lena Hentschel (M.) baut erst im nächsten Jahr ihr Abitur. © Arvid Müller

Auch Leichtathlet Karl Bebendorf hat bis 2012 die Sportoberschule besucht. Die Schulzeit, gesteht er, sei nicht immer leicht gewesen. Er hat sich als Außenseiter gesehen, jetzt ist er dreifacher deutsche Meister über 3.000 Meter Hindernis und sagt: "Es ist eine große Ehre für mich, heute hier zu stehen." Seine Karriere verlief nicht stringent, er galt zunächst als klein und schmächtig. "Ich habe nach der Schule eine Ausbildung als Kaufmann im Einzelhandel begonnen. Ich war ein extremer Spätentwickler, war erst mit 20 Jahren ausgewachsen", erinnert sich Bebendorf.

Heute ist er 1,85 Meter groß und Deutschlands bester Hindernisläufer, verdient als Sportsoldat sein Geld - wie Punzel übrigens auch. "Jetzt lebe ich den Traum von jedem von euch, die Olympischen Spiele zu sehen", spricht der 25-Jährige die Schüler direkt an. Der Schützling von Trainer Dietmar Jarosch rührt ganz nebenbei noch kräftig die Werbetrommel in eigener Sache: "Falls ihr noch mehr sehen wollt, könnt ihr gerne auf meinem Instagram-Kanal vorbeischauen, da gebe ich euch gern ein paar Einblicke, wie das so abläuft im Alltag."

Doch ganz so cool wie in den kleinen Clips, gesteht Bebendorf, ist er aber nicht immer. Als er vor den Schülern spricht, ist er sichtlich bewegt. "Das ist schon krass, ich hatte ein bisschen Gänsehaut und dachte sogar für einen Moment, dass mir die Tränen kommen. Die Schulzeit war für mich früher sehr hart, ich war halt der, der sich nicht so entwickelt hat. Alle waren so groß - und ich stand wie ein Knirps daneben", sagt er. Auf einer historischen Fotodatenbank der Sportoberschule lässt sich auch noch optisch nachvollziehen, was Bebendorf meint. "Umso mehr fühle ich mich jetzt befreit, weiß viele Dinge besser zu schätzen. Das hilft mir auch mental", betont er.

In Tokio rechnet sich Bebendorf durchaus Chancen aufs Finale aus. Das wäre für einen deutschen Läufer in der von afrikanischen Athleten dominierten Disziplin ein herausragendes Ergebnis. Als einer der wenigen deutschen Athleten wird der Dresdner bei den Spielen ungeimpft antreten. Der Mittelstreckler war im Dezember 2020 an Corona erkrankt, erlebte einen leichten Verlauf. Sein Status als Genesener gilt allerdings nun nicht mehr. "Ich habe mich gegen eine Impfung entschieden. Das hätte ich nur gemacht, wenn es zur Pflicht erhoben worden wäre", sagt er. Als der DSC-Athlet sein Impfangebot erhalten hatte, stand er mitten in der wichtigsten Qualifikationsphase für Tokio. "Da war mir das Risiko zu hoch", erklärt Bebendorf.

Hindernis-Ass Karl Bebendorf spricht vor Sportschülern über seine Erfolge - aber auch über seine Schwierigkeiten.
Hindernis-Ass Karl Bebendorf spricht vor Sportschülern über seine Erfolge - aber auch über seine Schwierigkeiten. © Arvid Müller

Die Dritte im Bunde der Verabschiedeten, die von Sportbürgermeister Peter Lames einen Reisesack mit Dresdner Devotionalien mit auf den Weg bekommt, ist sogar noch Schülerin am Sportgymnasium Dresden. Lena Hentschel ist die Synchronpartnerin von Punzel, startet aber noch für Berliner TSC.

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Die 20-Jährige wohnt im Internat, geht in die 12. Klasse der Eliteschule und schreibt im kommenden Jahr hier ihr Abitur. "Wie es dann weitergeht, ist eine Frage, die ich jetzt noch nicht beantworten kann. Jetzt habe ich den Kopf gerade woanders", sagt sie. Mit Profifußballer Maximilian Arnold, Speerwurf-Topfavorit Johannes Vetter, Ruderer Karl Schulze und Kanute Tom Liebscher hat das Sportgymnasium Dresden zudem vier Ex-Schüler in Tokio am Start.

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