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Die Europapokal-Sorgen des DSC

Dresdens Volleyballerinnen hätten nächste Woche in Istanbul spielen sollen. Die beantragte Verlegung hat der Verband jetzt bestätigt. Nur macht es das kaum besser.

Von Alexander Hiller
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Cheftrainer Alexander Waibl tritt mit seinem Team wohl erst 2021 im Europacup an, wenn überhaupt. Zumindest hat der DSC eine Verschiebung beantragt.
Cheftrainer Alexander Waibl tritt mit seinem Team wohl erst 2021 im Europacup an, wenn überhaupt. Zumindest hat der DSC eine Verschiebung beantragt. © kairospress

Dresden. In der nächsten Woche wären die Volleyballerinnen des Dresdner SC eigentlich in den internationalen Wettbewerb eingestiegen. Der europäische Verband CEV hatte sich aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie zu einer Turnieraustragung entschlossen. Der DSC sollte demnach das Achtel- sowie ein mögliches Viertelfinale im CEV-Cup, dem zweithöchsten Wettbewerb, vom 8. bis 10. Dezember in Istanbul bestreiten.

Das hat sich nun geändert. "Wir haben bei der CEV die Verlegung der Europacuprunde beantragt", erklärt DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann und verwies auf die Reise- und Sicherheitswarnungen, die aktuell für die Türkei bestehen. Das Risiko liegt demnach nicht in der Ein-, sondern in der Ausreise. Die türkische Regierung hat festgelegt, dass vor der Ausreise ein negativer PCR-Test vorzulegen ist, dessen Entnahme nicht älter als 48 Stunden sein darf. "Wir mussten davon ausgehen, den Test in der Türkei zu machen. Für den Fall eines positiven Tests hätte der oder die Betreffende für 14 Tage in der Türkei in Quarantäne bleiben müssen", sagt Zimmermann.

Am Dienstag bestätigte die CEV den Verschiebungswusch. Das Viererturnier soll nun vom 26. bis 28. Januar 2021 in Istanbul stattfinden. Welche Reise- und sonstigen Rahmenbedingungen dann herrschen, ist allerdings völlig unklar. "Da wird die Ausgangslage voraussichtlich nicht besonders anders sein", mutmaßt Zimmermann. Für einen unbegründeten und nicht rechtssicheren Rückzug aus dem Wettbewerb drohen jedoch teils empfindliche Strafen.

Verschiedene Lösungsansätze über Sondergenehmigungen erwiesen sich als Sackgasse. In den Bereich des Möglichen rückte die Verlegung nun nur durch einen außergewöhnlichen Schulterschluss mit dem Bundesliga-Konkurrenten Potsdam, der sich in der Vorwoche für die Viererrunde in Istanbul qualifizierte und nun auf Turnier-Gastgeber Galatasaray trifft. Der DSC war dagegen bereits gesetzt und spielt in seinem Achtelfinale auf den slowenischen Klub aus Maribor. "Wir haben gemeinsam mit Potsdam das offizielles Schreiben mit Unterstützung der Volleyball-Bundesliga an die CEV aufgesetzt", sagt Zimmermann.

In der Türkei gelten extreme Ausgangsbeschränkungen

Der europäische Verband hatte festgelegt, dass eine Terminverschiebung nur dann möglich ist, wenn zwei oder mehr Mannschaften coronabedingt (z.B. durch Reisebeschränkungen) nicht an einem Turnier teilnehmen können. Ihren Antrag haben der Bundesliga-Zweite (Potsdam) und -Vierte (DSC) mit den aktuellen Sicherheits- und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes begründet. "Das war die einzige Chance", betont Zimmermann, und sie erklärt: "Die Sorge um die Gesundheit unserer Spielerinnen und Trainer würde als alleinige Begründung für eine Verschiebung nicht ausreichen."

Was zurzeit absurd klingt: Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen in der Türkei sehen vor, dass "alle Bürger über 65 Jahren und unter 20 Jahren nicht mehr vor die Tür dürfen. Zwischen 10 und 20 Uhr können Menschen außerhalb jener Altersbeschränkung nur für wichtige Dinge wie die Arbeit, den Einkauf oder Arztbesuche aus dem Haus", erklärt Zimmermann. Auch deshalb warb Cheftrainer Alexander Waibl um Verständnis für den DSC-Wunsch, der nun in Erfüllung gegangen ist. "Wir sind natürlich alle sehr enttäuscht, da der Europapokal noch einmal etwas Besonderes ist. Wir konnten aber aufgrund der aktuellen Gegebenheiten keine andere Entscheidung im Sinne unserer Spielerinnen treffen", sagte er.

Auch Potsdam und der DSC hatten sich für die Austragung der Europapokalrunde beworben. Das Los fiel aber auf Istanbul. "Am Austragungsort war nicht zu rütteln. Das respektieren wir, stellt uns aber nach wie vor vor große Herausforderungen", sagt Zimmermann und stellt klar: "Wir wollen unbedingt diesen Wettbewerb spielen und alles versuchen, dass wir das auch können. Wir wissen aber, dass eine Verlegung nur eine aufgeschobene Lösung ist."