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DSC-Volleyballerin Weitzel erklärt, warum sie weggeht

Die Nationalspielerin verlässt Dresden nach acht Jahren, obwohl sie hier den Durchbruch schaffte und die Stadt liebt. Ein lukratives Angebot schlägt sie aus.

Camilla Weitzel entwickelte sich in Dresden vom großen Talent zur Führungsspielerin, sieht für sich aber noch Steigerungsmöglichkeiten
Camilla Weitzel entwickelte sich in Dresden vom großen Talent zur Führungsspielerin, sieht für sich aber noch Steigerungsmöglichkeiten © Foto: Lutz Hentschel

Dresden. Überraschend kam der Schritt kaum mehr. Camilla Weitzel hat sich in Dresden vom großen Talent zur Nationalspielerin entwickelt. Nach dem Titelgewinn mit dem DSC wechselt die 20-Jährige nun zum italienischen Klub Chieri. Im Exklusiv-Interview zum Abschied gibt Weitzel verblüffende Einblicke.

Camilla, haben Sie nach dem Meistertitel mit dem DSC nach dem Motto entschieden: Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist?

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Die Entscheidung, den nächsten Schritt zu gehen, habe ich bereits im Februar getroffen. Ich wollte das vor den Play-offs geklärt haben, damit ich in der wichtigen Phase der Saison nichts anderes im Kopf habe.

Welche Argumente haben für einen Abschied aus Dresden gesprochen?

Ich wollte schon immer gerne ins Ausland gehen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Jetzt hatte ich die Chance. Ich war vier Jahre beim DSC, hätte mich sicher auch im nächsten Jahr hier weiterentwickeln können. Aber auf der anderen Seite wollte ich etwas Neues sehen, mich einer neuen Herausforderung stellen und mir den Traum vom Ausland verwirklichen.

Ist der Meistertitel mit dem DSC das Sahnehäubchen zum Abschied?

Auf jeden Fall. Wir haben zweimal den Pokal, einmal die Meisterschaft gewonnen. Es ist riesig, meine Reise mit dem DSC so abzuschließen, besser hätte ich es mir nicht erträumen können. Der Abschied von den Mädels fiel aber recht abrupt aus – aufgrund der Corona-Beschränkungen. Wir hatten alle dieses letzte Finalspiel im Kopf, da denkt man nicht daran, was danach passiert. Aber ich habe am Sonntag noch mal alle gesehen und mich persönlich verabschiedet. Die letzte Saison hat extrem viel Spaß gemacht. Wir waren ein harmonisches Team – das war schon besonders.

Welche konkreten Angebote aus dem Ausland lagen denn für Sie vor?

Ich habe verschiedene Möglichkeiten angeboten bekommen. Wir haben mit meinem Manager selektiert, was mich weiterbringen kann, was gut für mich ist. Am Ende hat sich die Entscheidung für Chieri herauskristallisiert.

Ihr jetziger Ex-Verein DSC tritt nächste Saison in der Champions League an, Chieri als Sechster der italienischen Liga nicht. Lässt Sie das grübeln?

Eigentlich nicht. Ich freue mich extrem für die Mädels, die bleiben und in der nächsten Spielzeit in der Champions League spielen. Das ist und war auch ein großes Ziel von mir. Aber ich würde sagen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Vielleicht bekomme ich in der Zukunft die Chance, in der Champions League aufzuschlagen. Ich habe vor, noch ein paar Jahre zu spielen.

Der DSC hatte verkündet, allen Führungsspielerinnen ein neues Vertragsangebot vorzulegen. Haben Sie in Ihres angesichts der frühen Wechselentscheidung reingeschaut?

Ja, ja. Es war nicht einfach, mich dagegen zu entscheiden. Natürlich ist die Verbundenheit zum Verein da, zum Umfeld. Es war eine Komfortzone für mich. Die zu verlassen, ist immer schwierig. Trotz allem haben sich meine Ambitionen durchgesetzt.

Sie gelten in vielen Bereichen als ehrgeizig. Haben Sie denn schon Italienisch gelernt?

Ich wollte tatsächlich anfangen, aber mir kam ein bisschen Lernstress für die Uni dazwischen. Ich sitze quasi in den Startlöchern, um Italienisch zu lernen.

Worauf liegen in Chieri nun Ihre sportlichen Prioritäten?

Ich denke, dass ich viele Entwicklungsmöglichkeiten habe. Neuer Input, neues Umfeld, neue Teammitglieder, neue Gegner – das wird mir einen Schub geben. Eine andere Spielphilosophie zu sehen, sich in einem anderen Land zurechtzufinden – das wird mich persönlich wachsen lassen.

Sie sind 2013 nach Dresden gekommen. Was nehmen Sie nach acht Jahren mit?

Dresden ist die Stadt, in der ich volleyballerisch groß geworden bin, hier habe ich meine prägenden Jahre erlebt, alle Ausbildungsstufen durchlaufen – beim VC Olympia und dann in der ersten Liga. Ich habe von Jugendmeisterschaften bis jetzt zum Titel alles mitgenommen. Da gibt es einen großen Katalog an Erinnerungen, viele Menschen, die ich kennenlernen durfte, in Erinnerung behalten werde und die immer mit meiner Zeit in Dresden verknüpft bleiben. Ich habe hier ein Drittel meines Lebens zugebracht, Dresden hat sich definitiv zu meiner Heimat entwickelt.

Ihre Eltern haben Ihnen eine Eigentumswohnung in Dresden gekauft. Die behalten Sie demnach?

Ja, Dresden bleibt ein Wohnsitz, hier liegt mein Lebensmittelpunkt. Die Möglichkeit, nach Hause zu kommen, wird immer beinhalten, nach Dresden zu kommen.

Sie haben vor dreieinhalb Jahren darüber nachgedacht, Ihre Karriere zu beenden. Würde es ohne den DSC die Volleyballerin Camilla Weitzel noch geben?

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Rückblickend war es ein guter Schritt, mit 13 nach Dresden zu gehen. Es gab Höhen und Tiefen. Ich hatte Riesenunterstützung vom VC Olympia und später vom DSC, die mir in jeder Hinsicht geholfen, meine Bedürfnisse anerkannt haben. Das ist nicht selbstverständlich. Ich wurde immer gepusht, man hat mir Kraft gegeben für meinen Weg. Das war sehr wichtig für mich.

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