merken
PLUS Sport

Finals: So will Dresden das Mega-Sport-Event holen

Die zweite Auflage der Finals wird diese Woche an mehreren Orten ausgetragen - und von ARD und ZDF übertragen. Für 2024 will sich Dresden bewerben.

So sieht das Heinz-Steyer-Stadion nach dem Umbau aus. 2024 sollen hier die Leichtathleten ihre deutschen Meister küren. In direkter Nachbarschaft könnten weitere Meisterschaften ausgetragen werden.
So sieht das Heinz-Steyer-Stadion nach dem Umbau aus. 2024 sollen hier die Leichtathleten ihre deutschen Meister küren. In direkter Nachbarschaft könnten weitere Meisterschaften ausgetragen werden. © Visualisierung: ARGE BAM Sports

Dresden. Am Mittwochabend geht es los mit der Rhythmischen Sportgymnastik. Wenn die deutschen Meister mit Reifen, Keulen, Seilen, Bändern und Bällen ermittelt werden, ist das normalerweise nicht mal eine Randnotiz. Diesmal jedoch steht die Sportart im Mittelpunkt – sogar bei ARD und ZDF. Die Sender berichten bis Sonntag 25 Stunden live von den Titelkämpfen in insgesamt 18 Sportarten. Die Finals, so nennt sich das Event, hat ein Ziel: mehr Aufmerksamkeit für die Athleten, die sonst kaum wahrgenommen werden.

Bei der Premiere 2019 in Berlin ging das auf. 178.000 Zuschauer vor Ort und 5,71 Millionen vor dem Fernsehen hatten damals alle Erwartungen übertroffen. Dass es keine einmalige Veranstaltung bleiben soll und auch andere Austragungsorte infrage kommen, war sofort klar. Dresden gehörte zu den ersten Städten, die Interesse anmeldeten. Allerdings frühestens für 2025. Nun also startet die zweite Auflage des Multisport-Events. Zeit also, um zu fragen, wie es um die Dresdner Pläne steht.

Anzeige
Fachkraft für Digitale Transformation gesucht
Fachkraft für Digitale Transformation gesucht

Die KURZ TYPOFOL GmbH sucht einen Manager Digital Transformation und ERP-Betreuer (m/w/d).

Die gibt es weiter, haben sich aber verändert – so die Kurzform. „Wir werden uns bereits für 2024 bewerben, bereiten das gerade vor“, erklärt Sportbürgermeister Peter Lames im Gespräch mit Sächsische.de. Es ist nicht die einzige Abweichung. Die erfolgreiche Premiere hatte Begehrlichkeiten bei vielen Sportverbänden geweckt.

Die Aussicht, endlich eine große Bühne zu bekommen, war zu verlockend. Die einstige Vorgabe, das Programm nicht aufzublähen, gilt nun offenbar nicht mehr. Ebenso wenig wie die, alle Wettbewerbe in einer Stadt auszutragen. Aus den zehn Sportarten 2019 sind bereits 18 geworden und neben Berlin sind nun auch Braunschweig, wo die Leichtathleten ihre Meisterschaften austragen, sowie das Ruhrgebiet Gastgeber.

Mehr Sportarten, mehr Orte, mehr Tage

Das hat Auswirkungen auf die Dresdner Bewerbung. „In Betracht kommt auch eine Lösung mit einer Partnerstadt oder -region“, deutet Lames an. „18 Sportarten in einem Ort sind einfach zu viel. Man muss jetzt schauen, wo die Entwicklung hingeht.“ Dabei ist der Trend eindeutig. Auch der ursprünglich angedachte Zweijahres-Rhythmus, um so Olympischen Spielen und den großen Fußball-Turnieren aus dem Weg gehen zu können, gilt nicht mehr. Die Fortsetzung der Finals war bereits für 2020 in der Rhein-Ruhr-Region geplant, fiel dann aber Corona zum Opfer.

Mehr Sportarten, mehr Austragungsorte, mehr Wettkampftage – vom ursprünglichen Charakter eines zeitlich wie örtlich geballten Events droht nicht mehr viel übrig zu bleiben. Das macht womöglich auch Lames Sorgen, formuliert die aber nicht öffentlich, er stellt lediglich eine Bedingung: „Die Leichtathletik ist in Dresden der Kernpunkt.“ 2023 soll der 34 Millionen Euro teure Umbau des Heinz-Steyer-Stadions abgeschlossen sein, für den Herbst ist ein größerer Wettkampf als Testlauf für die deutschen Meisterschaften im Juni 2024 geplant. 15.000 Plätze stehen dann dank variabler Tribünen zur Verfügung. Es gibt deutschlandweit nicht mehr viele Arenen, die das zusammen mit einer Tartanbahn vorweisen können. Dresden hat bei den Leichtathleten also gute Karten. Doch wie sieht es mit anderen Sportarten aus?

Lames wünscht sich „möglichst viele Meisterschaften“ in der Stadt. Ein ähnliches Programm wie 2019 hätte sich auf Dresden übertragen lassen: Leichtathletik im Steyer-Stadion, Turnen in der Messe oder der Eishalle, Boxen in der Ballsportarena, Trial und Bogenschießen im Sportpark Ostra, Kanu im Alberthafen, Triathlon mit Start am Stausee Cossebaude und Ziel am Königsufer, Moderner Fünfkampf im Schwimmkomplex Freiberger Platz, Landesgestüt Moritzburg sowie im Sportpark Ostra und Bahnradsport in Heidenau. Es wäre ein Event der kurzen Wege gewesen.

Ein ähnliches Programm wie bei der Premiere der Finals 2019 hätte sich auf Dresden übertragen lassen. Doch nun werden viel mehr Sportarten hinzukommen.
Ein ähnliches Programm wie bei der Premiere der Finals 2019 hätte sich auf Dresden übertragen lassen. Doch nun werden viel mehr Sportarten hinzukommen. © SZ Grafik

Mit acht weiteren Sportarten ist das so nicht mehr möglich, selbst wenn noch die Margon-Arena, das Filmnächte-Areal am Elbufer und der Altmarkt zur Verfügung stünden. Lames hat Wünsche oder Prioritäten. „Die Wasserspringer hätten wir natürlich gerne hier“, erklärt der SPD-Politiker und denkt dabei an die Tradition der Sportart in der Stadt wie die aktuellen Erfolge. Tina Punzel und Martin Wolfram hätten dann ein Heimspiel. Schwimmen könnte neben der Leichtathletik eine weitere Kernsportart der Dresdner Finals werden. Seit 17 Jahren trägt der Schwimmverband die Titelkämpfe jedoch ununterbrochen in Berlin aus. Mit den beiden 50-Meter-Becken in dem Ende 2019 für 36,8 Millionen Euro fertiggestellten Komplex am Freiberger Platz hat Dresden nun aber ein gewichtiges Argument. Es ist hinter Berlin die zweitgrößte Anlage dieser Art in Deutschland.

„Die Bedingungen hier geben es her, auch wenn die Zuschauerkapazität kleiner ist als in Berlin“, meint Lames. „Jetzt müssen wir schauen, ob der Verband die nötige Flexibilität zeigt.“ In Dresden passen lediglich 400 Zuschauer auf die Tribüne, bei den beiden Wasserball-Länderspielen zwängten sich rund 800 in die Halle. In Berlin dagegen liegt die Kapazität bei 4.000, gekommen waren in den Vor-Corona-Jahren bei den Schwimm-Meisterschaften allerdings deutlich weniger.

Wegen der Pandemie und den geltenden Bestimmungen werden bei der zweiten Auflage nur sehr wenige Zuschauer zugelassen. Damit fallen auch die Familienfeste mit den Mitmachangeboten, die es 2019 noch gab, weg. In Dresden ist dafür das Areal im Sportpark Ostra, also direkt neben dem Steyer-Stadion, vorgesehen.

Weiterführende Artikel

Großes Sport-Comeback nach Corona-Pause

Großes Sport-Comeback nach Corona-Pause

18 Sportarten, 140 Sieger, Tausende Fans in den Arenen, Millionen am Bildschirm – und das sind nur die Zahlen der Finals.

Die Finals – was ist das für ein neues Sportformat?

Die Finals – was ist das für ein neues Sportformat?

Kleine Sportarten groß im TV: Das Fernsehen spielt bei den Meisterschaften eine Hauptrolle. Das freut auch die Starter aus Dresden. Alles über das Mega-Event.

Werbefigur an tausenden Wartehäuschen

Werbefigur an tausenden Wartehäuschen

Leonie Kullmann ist auf Plakaten zu sehen, die für die Finals in Berlin werben. Dabei startet die Schwimmerin aus Dresden dort gar nicht.

Dresdens Erbe von Sachsens Olympiaplänen

Dresdens Erbe von Sachsens Olympiaplänen

Bei der Leipziger Bewerbung für die Spiele 2012 mussten sich viele von vielen Plänen verabschieden. Dresdens Bürgermeister ließ sich das aber teuer bezahlen.

Die Premiere vor zwei Jahren kostete 3,3 Millionen Euro, was sehr wenig ist für die Größenordnung und vor allem daran lag, dass für die Wettkämpfe nichts extra gebaut wurde. Zumindest an diesem Prinzip soll festgehalten werden. Und das gilt auch für Dresden. Das Steyer-Stadion wird nicht für die Finals modernisiert, sondern weil es dringend nötig ist. Ähnlich war es beim Schwimmhallen-Komplex.

Mehr zum Thema Sport